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Das Osmanische Reich - Die Geburt einer Weltmacht
Turkmenen, Seldschuken und Osmanen - Die Frühzeit des Osmanischen Reiches
Im 11. Jh. begann die Einwanderung von Turkvölkern, sog. Turkmenen, in die Gebiete der heutigen Türkei. Ab diesem Zeitpunkt ließen sich ursprünglich in den Steppen Mittel- und Zentralasiens, zwischen Baikalsee und Kaspischem Meer, ansässige Nomadenstämme in Anatolien nieder. Unter ihnen waren auch die islamischen Oghusen, die Vorfahren zweier bedeutender Völkerschaften, die sich nach ihren Herrschergeschlechtern bzw. Dynastiegründern benannten: der Seldschuken und der Osmanen.

Dem byzantinischen Reich, der örtlichen Großmacht, rangen bereits die Seldschuken in zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen neuen Lebensraum ab. So etwa, als im Jahr 1071, in der Schlacht bei Manzikert/Malazgirt, nordwestlich des Van-Sees, der Seldschuke Alp Arslan (reg. 1063-1072) die Byzantiner besiegte und ihren Kaiser Romanos IV. Diogenes (reg. 1068-1071) gefangennahm. Das vom Stammesführer Selcuk (gest. um 1030) um 970 gegründete Reich der Groß-Seldschuken mit den Residenzen Konya (Iconium) und Kayseri (Caesarea) zerbrach bereits zu Beginn des 12. Jh. in mehrere seldschukische Teilreiche. Die Nachfolge traten die anatolischen Seldschuken oder Rumseldschuken an, deren Macht im 13. Jh. zerfiel. Der Namensbestandteil “Rum“ (Rom) verweist darauf, dass ihr Herrschaftsgebiet ehemalige Territorien von Byzanz (Ostrom) umfasste. Zugleich entstanden zahlreiche turkmenische Kleinfürstentümer (beyliks) auf kleinasiatischem Boden. Eines davon war das osmanische Emirat, das sich vom unbedeutenden Kleinstaat zu einer Weltmacht entwickeln sollte. Die Urahnen der Osmanen, das Oghusenvolk der Kayı, waren unter ihrem Anführer Ertoğrul (gest. um 1281), dem Sohn Süleymans (gest. um 1231), aus der Gegend Merw/Mary im heutigen Turkmenistan vor den Mongolen in den seldschukisch-byzantinischen Grenzraum geflohen. Dort besiedelten sie Weidegründe beim westanatolischen Söğüt, in der Nähe von Eskişehir.

Von Osman I. (reg. 1281-1326) bis Murat II. (reg. 1421-1451) - Ein unaufhaltsamer Aufstieg
Der eigentliche Dynastie- und Staatsgründer der Osmanen war Osman I. Gazi, der Sohn Ertoğruls. Der für seinen Wagemut und seine Tapferkeit bekannte Kämpfer war Anführer eines losen Verbands von Kriegernomaden und scharte eine große Anhängerschaft um sich. Sein Beiname bezeugt, dass er zu den Glaubenskriegern (gazi, arab. Krieger) gehörte, die den Islam mit Waffengewalt verbreiteten. Er verstand es, sein Stammesgebiet durch Beute- und Raubzüge gegen die umliegenden Dörfer und Städte erheblich zu vergrößern. Um die Wende vom 13. zum 14. Jh. herrschte er über eine Gemeinschaft aus turkmenischen Hirtennomaden und byzantinisch-armenischen Städtern und Bauern. Diese nannten sich “osmanlı“, die Leute Osmans.

Die eigentliche Bedeutung Osman Gazis bestand darin, dass er den von ihm angeführten Stammesverband in eine Art Staatswesen umformte. Er schuf die Grundlagen des osmanischen Staates und dessen gesellschaftlicher Ordnung, indem er eine wirksame Verwaltung mit ersten Ämtern etablierte. Diese stabilisierte seine und die Herrschaft seiner Nachkommen. Ebenso wirkte ein System von Landzuweisungen (tımar), mit denen er seine Gefolgsleute belohnte und an sich band. Durch die Gründung eines Berufsheeres aus Reiter- und Fußtruppen, das im Kriegsfall zu mobilisieren war, verlieh er seinen Eroberungen Festigkeit. Mit der Annahme des Titels Emir ließ er als erster Fürst seinen Namen im freitäglichen Kanzelgebet in der Moschee nennen, begriff sich also nach islamischer Tradition als souveräner Herrscher. So wurde Osmans Fürstentum (Emirat) zu Beginn des 14. Jh. eines der bedeutendsten Machtgebilde Anatoliens.

Osmans Sohn Orhan (reg. 1326-1361) sowie dessen Nachfolger - von Murat I. (reg. 1360-1389) bis Bayezit II. (reg. 1481-1512) - verfolgten die Eroberung neuer Ländereien konsequent weiter und vergrößerten die Ausdehnung des jungen Staates. In Anatolien annektierte man nach und nach sämtliche der benachbarten Fürstentümer. Auch die wichtigsten anatolisch-byzantinischen Metropolen - 1326 Bursa, das zur ersten Hauptstadt der Osmanen wurde, 1331 Nizäa/İznik und 1337 Nikomedia/İzmit - waren bald erobert. Mit dem militärisch geschwächten und innenpolitisch ruinierten Byzanz wusste man sich vorerst noch zu arrangieren: Orhan war mit einer Tochter des byzantinischen Kaisers Johannes VI. Kantakuzenos (reg. 1341/47-1354) verheiratet. Noch unter seiner Herrschaft erfolgte Mitte des 14. Jh. der erste Ausgriff nach Europa. Ein wichtiger Brückenkopf auf europäischem Boden, Rodosto/Tekirdağ und weite Teile der Halbinsel Gallipoli, wurden der osmanischen Herrschaft einverleibt. Orhan begann mit der Prägung osmanischer Münzen und bekräftigte nach islamischem Recht mit dieser Maßnahme erneut die Unabhängigkeit der Osmanenherrschaft. Zudem nahm er eigenmächtig, ohne Legitimierung durch einen Kalifen, den Sultanstitel an. Osmans Sohn trat nun als Herrscher auf, der sich als Schutzherr des Islam begriff.

Von nun an wurde die Ausdehnung des Reiches nach Europa, nach Rumelien (Westland), wie der Balkan von den Türken genannt wurde, systematisch betrieben. 1361 eroberten die Osmanen unter Murat I. Edirne/Adrianopel, die nach Konstantinopel bedeutendste byzantinische Stadt, und machten sie zu ihrer neuen Residenz. Byzanz zahlte Tribut, damit es weiter existieren durfte und war Vasall des Osmanensultans. Dann richteten sich die osmanischen Heerscharen gegen den Balkan, überwältigten 1363 Philippopel/Plovdiv, 1375 Nisch und 1386 Sofia. Eine Koalition aus Bulgaren, Serben, Bosniern und Albanern wurde 1389 von Murat I. in der Schlacht beim Amselfeld/Kosovo Polje niedergerungen, und Serbien gehörte nunmehr den Osmanen.

Murats I. Sohn, Bayezit I. (reg. 1389-1402), war ein würdiger Erbe seines Vaters und erwarb sich aufgrund seiner zahlreichen schlagartigen Feldzüge den Beinamen "der Blitz" (Yıldırım). 1393 verleibten sich die Osmanen Bulgarien ein, und kurz darauf wurde die Walachei Vasallenstaat (1394/1416). 1448 sicherte ein zweiter, gegen die Ungarn errungener Sieg auf dem Amselfeld dem Osmanischen Reich für Jahrhunderte die Hegemonie in Südosteuropa.

Mehmet II. (reg. 1451-1481), der Eroberer - Die Etablierung einer Großmacht
Mit Mehmet II. (reg. 1451-1481), dem Eroberer (Fatih), wurde eine der überragendsten Herrscherpersönlichkeiten der osmanischen Geschichte Sultan. 1452 begann er die Belagerung Konstantinopels mit Land- und Seestreitkräften. Mit riesigen Kanonen, die er eigens für dieses Unternehmen in Auftrag gegeben hatte, ließ er die Mauern beschießen. Nach einem dramatischen Verteidigungskampf, bei dem der letzte oströmische Kaiser Konstantin XI. Dragases (reg. 1449-1453) ums Leben kam, nahm der Osmane die Stadt 1453 im Sturm. Angeblich verdankt Konstantinopel seinen neuen Namen Istanbul einer Episode der Eroberung. Ein griechischer Söldner im osmanischen Heer soll sich mit dem Ruf “Eis ten polin!“ (griech. Hinein in die Stadt!) den Weg erkämpft haben, woraufhin seine türkischen Mitstreiter, die kein Griechisch verstanden, den Schlachtruf aufgriffen und immer wieder anstimmten. Nach dem endgültigen Sieg über Byzanz forcierte Mehmet II. unaufhaltsam den weiteren Aufstieg der Osmanen. Bis Ende des 15. Jh. hatten sie die Grenzen ihres Reiches weit in den Balkan hinaus ausgedehnt. 1459 wurden weitere Teile Serbiens und Montenegro, 1463 Bosnien osmanisch, schließlich Epirus und Albanien (1433/1468). 1483 folgte die Herzegowina. Im Westen konnte außerdem, nachdem man Venedig seit Beginn des 15. Jh. bekriegt hatte, im venezianisch-osmanischen Krieg 1463-1479 die Markusrepublik bezwungen werden. Sie verlor nach der Stadt Saloniki weitere Teile ihrer Besitzungen in Griechenland (Argos/Nauplia 1463), und auch die vorher byzantinische Peloponnes wurde dem osmanischen Territorium eingegliedert. Im Osten fiel die Krim 1478 unter die Oberhoheit der Osmanen.

Einzelne Vorstöße führten Mehmet II. gar nach Italien im vorübergehenden Versuch, sich Rom einzuverleiben. In einem Heereszug nach Süditalien nahm die osmanische Heermacht zwar Otranto ein, verfolgte dann das Unternehmen aber nicht weiter.

So hatte sich aus den Weidegründen Ertoğruls, die nicht größer als 1500 qkm gewesen waren, ein machtvoller und blühender Staat entwickelt, der unter Mehmet II. endgültig von der Regional- zur Großmacht aufgestiegen war. Er umfasste nun ca. 850 000 qkm; somit entsprach seine Fläche etwa der Größe Frankreichs, Deutschlands und der Beneluxstaaten.

Die staatlichen Prinzipien und Organe des Osmanischen Reiches
Die territoriale Expansion, die von außergewöhnlicher Dynamik war, kann als das wichtigste staatliche Prinzip des Osmanischen Reiches angesehen werden. Dessen Herrschaftssystem war auf Eroberungen gegründet, die zur Stabilität der Zentralmacht beitrugen. Daher legten die Osmanenherrscher großen Wert auf eine schlagkräftige Armee und eine effiziente Organisation des Militärwesens, welche die Voraussetzung für die herausragenden militärischen Erfolge der Osmanen darstellten. Den Kern des Heeres bildete einerseits die von Murat I. ins Leben gerufene Eliteeinheit der Janitscharen (yeni çeri, osm.-türk. neue Truppen), die durch ein besonderes Aushebungsverfahren, die Knabenlese, rekrutiert wurden, andererseits die Kavallerie der Reichsprovinzen, die Sipahis. Die Reiter wurden für ihren Dienst im Heer nicht mit Sold, sondern mit Grund und Boden entlohnt. Diese Ländereien übertrug ihnen der Staat als lebenslängliche Pfründe (tımar). Daher waren die Osmanensultane auf Gebietsgewinne angewiesen, um die Soldaten der ständig wachsenden Armee zu entlohnen. Auch profitierten die Wirtschaftskraft und die Steuereinnahmen des Staates von den eroberten Territorien. Das Osmanische Reich wuchs zu einem Vielvölkerstaat heran, der sich mit seinen Provinzen über drei Kontinente erstreckte. Seine staatstragende Religion war von Anfang an der sunnitische Islam, die Amtssprache das osmanische Türkisch, doch lebten hier zahlreiche Völker unterschiedlicher Sprache, Kultur und Religion weitgehend gleichberechtigt nebeneinander. Alte Rechte, Eigentum und Lebensweise der Bevölkerung neu eroberter Gebiete blieben weitgehend unangetastet.

Innenpolitisch betrieben fähige und vorausblickende Herrscher, vor allem Murat I., Murat II. (reg. 1421-1451) und Mehmet II., konsequent den Ausbau eines zentralisierten Staatswesens mit einer festen staatlichen Ordnung und einer systematischen Verwaltung. An der Spitze des Staates stehend, waren die Sultane mit alleiniger, uneingeschränkter Macht ausgestattet und bestimmten die Politik des Staates.

Allerdings kam es beim Regierungswechsel regelmäßig zu Nachfolgekämpfen innerhalb der Familie. Jüngere oder angebliche Söhne von Herrschern beanspruchten den Thron, so dass immer wiederkehrende Streitigkeiten die Sicherheit des Reiches bedrohten. Der erstmals von Bayezit I. praktizierte Brudermord bei Herrschaftsantritt wurde von Mehmet II. aus Gründen der Staatsraison legitimiert. Im Gesetz der Thronfolge hieß es: „Zur Wahrung der Weltordnung ist es zweckmäßig, wenn der jenige meiner Nachkommen, der das Sultanat erlangt, seine Brüder töten lässt.“ Die Ermordung der nächststehenden männlichen Verwandten bei Inthronisierung eines neuen Sultans wurde erst im 17. Jh. abgeschafft.

Dem Padischah stand der Großwesir zur Seite, der nach dessen Maßgaben die Staatsgeschäfte führte. Der Reichsrat, der Großherrliche Diwan (divan-ı hümayun), beriet die Regierenden in wichtigen Staatsangelegenheiten. Weitere Organe der zentralen Staatsverwaltung waren der Hauptdefterdar für die Finanzen, sowie die beiden Kadıasker (Heeresrichter) für Europa und Anatolien, die die Oberaufsicht über das Gerichtswesen innehatten. Die ausführende Hand bildete ein straff organisierter und effektiver Beamtenapparat. Die Zentralgewalt verfügte auch über eine systematische Provinzialverwaltung. Das Reich war in "wilajets" (Großprovinzen) unterteilt, die von Beğlerbeğs (Gouverneuren) verwaltet wurden. Kleinere Territorialeinheiten waren die Sandschaks (Provinzen), denen ein Sandschakbeğ als Befehlshaber vorstand. Dieser hatte sowohl das militärische Oberkommando als auch die Leitung der zivilen Verwaltung inne.

Im Osmanischen Reich galt für alle Bewohner, einschließlich des Großherrn - für die Oberschicht aus staatlichen Würdenträgern, Beamten, Religions- und Rechtsgelehrten ebenso wie für das einfache Volk aus Städtern und Bauern - dieselbe gesetzliche Ordnung. Ihre Basis war das Religionsgesetz des Islam (şer-ı şerif), ergänzt durch das Gewohnheitsrecht (örf) sowie die weltlichen Gesetze (kanun). Sultane wie Mehmet II. und Süleyman I. (reg. 1520-1566) erließen Gesetzessammlungen, die den Bewohnern Rechtssicherheit garantierten und verhinderten, dass sie der Willkür der Mächtigen ausgesetzt waren.

Selim I. (reg. 1512-1520), der Gestrenge - Der mächtigste Herrscher der islamischen Welt
Mit Selim I. (reg. 1512-1520), dem Gestrengen (Yavuz), gelang es, das Territorium des Reiches erneut zu verdoppeln - der Osmanenstaat war nun so groß wie Westeuropa - und zu einem der imposantesten Imperien der damaligen Welt zu machen. Das Reich war nicht nur um Gebiete Kurdistans (1514/15) erweitert worden, sondern nach dem Sieg über das ägyptische Herrschergeschlecht der Mamluken umfasste es auch Syrien, Libanon, Palästina (1516) und Ägypten (1517) sowie weite Teile der arabischen Welt. Mekka und Medina, die heiligen Städte des Islam auf der arabischen Halbinsel, die vorher unter mamlukischer Oberhoheit gestanden hatten, unterstellten sich ebenfalls dem Schutz des Großherrn. Selim I. war zum mächtigsten Herrscher der islamischen Welt avanciert.

Das Zeitalter Süleymans I. (reg. 1520-1566) des Prächtigen
Die Regierungszeit Süleymans I. (reg. 1520-1566), des Prächtigen - der von den Osmanen Süleyman der Gesetzgeber (Kanuni) genannt wurde - ging als die glanzvollste Epoche des Osmanischen Imperiums in die Geschichtsschreibung ein. Süleyman I. verfolgte auch die Pläne seines nach Universalherrschaft strebenden ehrgeizigen Vaters Selim I. weiter. Wie dieser trachtete er danach, sich Europa untertan zu machen und rüstete zum Kriegszug. Zuerst wandte er sich gegen Ungarn und annektierte 1521 Belgrad. 1526 fügten die Osmanen den Ungarn bei Mohács eine endgültige Niederlage zu. Das Land wurde zweigeteilt, in Westungarn regierte von nun an Ferdinand I. von Habsburg (1503-1564). Ostungarn wählte Johann I. Zápolya (reg. 1526-1540), einen Paladin des Sultans zu seinem König und wurde osmanischer Vasall.

Im benachbarten Österreich - die habsburgische Monarchie und das Osmanische Reich grenzten nun unmittelbar aneinander - erwuchs den Sultanen in der Folgezeit ein neuer Gegner, mit dem man um gemeinsame Interessenssphären, vor allem die ungarische Krone, rivalisierte. So flammte im Türkenkrieg von 1529-1568 der Streit um den Besitz Ungarns mit großer Heftigkeit erneut auf. 1529 unternahmen die Osmanen einen Großangriff gegen Habsburg. Die Belagerung der Stadt Wien durch Süleyman jedoch scheiterte. Beide Parteien kämpften mehrere Jahrzehnte mit wechselndem Kriegsglück. Kleinkrieg an der Grenze, Feldzüge und Friedensschlüsse wechselten einander ab. Doch Ungarn blieb geteilt - der Westen gehörte als Königreich zu Habsburg, Mittelungarn wurde schließlich osmanische Provinz und Ostungarn das Vasallenfürstentum Siebenbürgen. Nach dem Tode Süleymans I., der auf einem der letzten Feldzüge dieses Krieges starb, wurden die Streitigkeiten zwischen Habsburg und der Hohen Pforte 1568 im Frieden von Edirne/Adrianopel, der die Teilung Ungarns bestätigte, beigelegt.

Im Osten brachte Süleyman durch die Einnahme von Rhodos (1526) das östliche Mittelmeer vollständig in die Hand der Osmanen. Der persischen Herrscherdynastie der Safawiden, hatte er in den 30er Jahren den Iran abgenommen, um schließlich Südarabien (1538), Äthiopien, den Jemen (1547) und Libyen (1556) zu erobern.

Das Osmanenreich war auf dem Zenit seiner Macht. Nicht nur dass die Machtstellung der Sultane absolut, Wohlstand und Reichtum des Imperiums aufgrund des sich ausdehnenden Handels unermesslich schienen. Die 46-jährige Herrschaft Süleymans war auch Blütezeit der schönen Künste mit Glanzleistungen auf den Gebieten der Architektur, Malerei, Schriftkunst, Musik und Literatur. Der kunstbegeisterte Großherr, der selbst unter dem Pseudonym Muhibbi dichtete, war leidenschaftlicher Mäzen von Kunst und Wissenschaft. Meisterwerke des osmanischen Kunsthandwerks bezeugen den außergewöhnlichen Lebensstandard am Hofe.

Obwohl dem Herrscher des "Goldenen Zeitalters" die klassischen Tugenden des idealen Herrschers und Staatsmannes, Klugheit, Frömmigkeit, Mitgefühl und Großherzigkeit zugeschrieben wurden, war Süleyman I. während seiner letzten Lebensjahre weitgehend dem Einfluss seiner Favoritin und späteren "kadın" Roxelane (Hürrem Sultan) erlegen. Sie mischte sich immer stärker in die Politik des Reiches ein und soll dafür gesorgt haben, dass Süleyman seinen ältesten Sohn Mustafa hinrichten ließ. Im Zank seiner Söhne um die Nachfolge forcierte sie skrupellos einen ungeeigneten Bewerber – ihren eigenen Sohn Selim II. (reg. 1566-1574). So überschatteten die ersten Anzeichen einer latenten inneren Krise Reich und Staat, die im folgenden Jahrhundert zu einer existentiellen Gefahr für das Imperium werden sollte.

Süleymans Nachfolger - Der Wendepunkt in der osmanischen Geschichte
Unter Süleymans unmittelbaren Nachfolgern, Selim II. (reg. 1566-1574), dem Trunkenbold (Mest), und Murat III. (reg. 1574-1595) kamen schließlich noch Tunis und Zypern (1570), Georgien (1577), Aserbeidschan und Teile Armeniens (1585) zum Osmanischen Reich. Ende des 16. Jh. hatte das Staatsgebiet seine maximale Ausdehnung erreicht. Es erstreckte sich von Ungarn bis in den Jemen, von Westpersien bis nach Nordafrika und war von einem Kordon von Satellitenstaaten umgeben.

Insgesamt umfasste das osmanische Territorium 3,5 Mio. qkm mit , 2,55 Mio. qkm ohne die Vasallenstaaten und zählte 30-35 Mio. Einwohner. Obwohl die osmanische Vorherrschaft im Mittelmeer 1571 durch die Niederlage in der Seeschlacht von Lepanto gegen die venezianisch-spanische Flotte der Heiligen Liga stark beschädigt war, schien sich das Reich zunächst auf dem Höhepunkt seiner Macht zu konsolidieren. Doch schlich sich eine Entfremdung zwischen Sultan und Staat ein: Der unfähige Selim II. hatte seinem Großwesir die Macht überlassen, und auch sein Sohn Murat III. (reg. 1574-1595) sollte, nachdem er den Thron bestiegen hatte, nicht mehr selbst regieren.
Die Schlacht von Lepanto/Naupaktos 1571/National Maritime Museum, Greenwich/London

Anonymer Maler, Öl auf Leinwand. National Maritime Museum, Greenwich/London (BHC0261)
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Das Topkapi Serail - Der Palast des Großherrn
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Das Reich der Sultane...
... war eines der größten Imperien der Weltgeschichte, das 600 Jahre Bestand haben sollte. Viele Generationen mutiger, kluger und vorausblickender Sultane machten das Hirtenvolk innerhalb weniger Jahrhunderte zur Großmacht der "Hohen Pforte".

 

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