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Das Osmanische Reich - Ein Imperium im Niedergang
Die Epoche der “Weiberherrschaft“
Die erste Hälfte des 17. Jh. ging als “Zeit der Weiberherrschaft“ (kadınlar sultanatı) in die osmanische Geschichtsschreibung ein. Die Epoche begann mit Murat III. (reg. 1574-95), der gänzlich dem Einfluss seiner Lieblingssklavin Safiye erlegen war. Der folgende Sultan, Mehmet III. (reg. 1595-1603) war der letzte Padischah, der als Prinz verschiedene Ämter in der Militär- und Provinzialverwaltung bekleidet hatte und somit angemessen auf seine Pflichten als Großherr vorbereitet worden war. Seine Nachfolger wuchsen im Serail, in der Isolation ihrer vornehmen Gemächer, der “Prinzenkäfige“ (kafes), wie Gefangene auf und gerieten in völlige Abhängigkeit vom Harem. Dieser bestand aus der Sultansmutter (valide), den jeweiligen Ehefrauen (kadın) und den Favoritinnen des Herrschers sowie deren Gefährtinnen, Dienerinnen und Sklavinnen. In der zweiten Hälfte des 17. Jh. lebten etwa 2000 Frauen im großherrlichen Harem. Den Haremsdamen gelang es in der Folgezeit immer öfter, maßgeblich auf die Regierungsgeschäfte einzuwirken. Sie konkurrierten mit den nun ständig wechselnden Großwesiren, auf die nach dem Rückzug des Padischahs ins Privatleben die politische Verantwortung übergegangen war, um die Macht im Staat und befehdeten die Janitscharenağas. Diese strebten ihrerseits nach Verwirklichung ihrer politischen Ambitionen. Unterstützt wurden sie dabei vom Janitscharenkorps, das den Staat zunehmend tyrannisierte.

Seit Ahmet I. (reg. 1603-1617) zogen sich die Großherrn gänzlich in den Harem zurück. Nach und nach degenerierten sie zu bedeutungslosen Schattenherrschern und mehr oder weniger reinen Repräsentationsfiguren. Mustafa I. (reg. 1617-1618 und 1622-1623) galt als schwachsinnig, Osman II. (reg. 1618-1622) wurde in jugendlichem Alter ermordet. Murat IV. (reg. 1623-1640) hatte zwar als letzter osmanischer Sultan gewisse Qualitäten als Feldherr, war aber von außergewöhnlicher Grausamkeit und versuchte durch massenhafte Hinrichtungen - angeblich starben während seiner Regierungszeit 25 000 Menschen - seine politischen und religiösen Reformen durchzusetzen. Nach ihm bestieg sein psychopathisch veranlagter Bruder Ibrahim (reg. 1640-1648) den Thron. Aufgrund nicht enden wollender machtpolitischer Intrigen und der mangelnden staatsmännischen Erfahrung führte das Regiment des Harems zu Diskontinuität, politischen Fehlentscheidungen und schwindender Autorität der Zentralmacht. Auch die neue Nachfolgeregelung trug zur wachsenden Instabilität des Systems bei: An die Stelle der linearen Erbfolge, die eine Übertragung der Herrschaft vom Vater auf den Sohn vorsah, trat das Senioratsprinzip. Nun wurde der jeweils älteste der im Harem erzogenen Osmanenprinzen Padischah, während die anderen in die “Prinzenkäfige“ gesperrt wurden. Unter diesen Umständen war es Ahmet I. möglich, den gesetzlich sanktionierten Brudermord im Herrscherhaus abzuschaffen.

Während Sultane und Harem im Topkapi Serail und den anderen Residenzen des Reiches einen luxuriösen Lebensstil pflegten, verschärfte sich die innere Krise des Staates und die Symptome des Zerfalls häuften sich. Die politischen, wirtschaftlichen, finanziellen und sozialen Probleme nahmen dramatische Ausmaße an.

Die Krise des osmanischen Staates im 17. Jh.
Der Fiskus befand sich aufgrund einer anhaltenden Inflation und einer verringerten Wirtschaftskraft in chronischer Finanznot. Außerdem resultierten aus der Verlagerung des Welthandels und der Verweigerungshaltung, die man den neuen Entwicklungen des westeuropäischen Frühkapitalismus, z.B. der Manufaktur- und Massenproduktion gegenüber einnahm, beträchtliche Steuer- und Zollausfälle. Immer öfter versuchte die Staatsspitze, den Geldmangel des Fiskus durch Sondersteuern zu mindern. Doch diese Maßnahmen führten zu einem Anstieg der Preise, Lebensmittelknappheit und Hungersnöten. Die Bevölkerung verelendete, vor allem die Bauern, die ihr Land nicht mehr bewirtschaften konnten. Auch den Reitersoldaten, den Sipahis, die einst die Pfeiler von Armee und Staat gewesen waren, ging es schlecht. Das Reich, das nicht mehr liquide war, bezahlte nunmehr sämtliche Staatsbedienstete - Zivilisten ebenso wie Militärs - mit Ländereien (tımar), die als Pfründe vergeben wurden. Doch war zwischenzeitlich die Expansion, ein konstitutives Element des Staates, zum Stillstand gekommen - mit sofortigen gravierenden Auswirkungen auf die innere Struktur des Reiches. Infolge der ausbleibenden Territorialgewinne verkleinerte man die zugewiesenen Grundstücke, die nun aber ihre Inhaber oft nicht mehr ernähren konnten. So brach das über Jahrhunderte bewährte Timar-System zusammen. Die Kavallerie musste durch besoldete Truppen ersetzt werden, die eine erneute Belastung für den Staatshaushalt darstellten. Die mit diesen Entwicklungen zusammenhängende zunehmende Verarmung der gesamten Bevölkerung mündete schließlich in eine massenhafte Landflucht. die Große Zahl von Heimatlosen schloss sich, vor allem in Anatolien, zu marodierenden Banden zusammen und erhob sich gegen die Staatsführung. Zeitweise übten die Aufständischen gar eine unabhängige lokale Herrschaft in Südostanatolien aus.

Die Staatsmacht war jedoch nicht nur durch Revolten im Innern und die fortschreitende Auflösung des sozioökonomischen Gefüges bedroht. Auch die Verwaltung und das Militärwesen zerfielen. Die Palastschule, aus der die Führungselite des Reiches hervorgegangen war, wurde aufgelöst. Ämterkauf, Bestechung und Nepotismus grassierten in ungeheurem Ausmaß. Die staatlichen Ämter, einschließlich der höchsten Positionen, gingen nicht mehr an befähigte, sondern zahlungskräftige Kandidaten. So schwand die Autorität der Zentralmacht und auch auf Provinzebene funktionierten die staatlichen Verwaltungsmechanismen nicht mehr.

Als besonders fatal sollte sich bald die Krise der Armee auswirken: Die Söldnertruppen waren von geringerem Kampfwert als das traditionelle Sipahiheer. Selbst die Janitscharen hatten, nachdem im 17. Jh. nicht nur die Knabenlese eingestellt, sondern auch Disziplin und Ausbildung vernachlässigt wurden, erheblich an Schlagkraft verloren.

In der Regierungszeit Mehmets IV. (reg. 1623-1640), der als Siebenjähriger den Thron bestieg, unternahmen die Köprülü-Wesire Reformen, die den Auflösungserscheinungen von Staat und Reich entgegenwirkten. Köprülü Mehmet Pascha (reg. 1656-1661) und sein ebenfalls als Wesir amtierender Sohn Köprülü Fazıl Ahmet (reg. 1661-1676) erhielten vom Großherrn weitgehende Vollmachten. Systematisch gingen sie gegen Korruption und Amtsmissbrauch vor, und ihre rigorosen Sparmaßnahmen sanierten den Staatshaushalt. Auch gelang es ihnen, die revoltierenden Provinzen zu befrieden.

Die Türkenkriege des späten 17. Jh.
Fast schien das Osmanische Reich gerettet, doch dann ernannte der Großherr Kara Mustafa Pascha (reg. 1676-1683) zum Großwesir. Dieser entflammte, in völliger Verkennung der außen- und innenpolitischen Situation und motiviert von Großmachtsträumen, einen neuen Angriffskrieg gegen den Erbfeind Österreich. Auch diesmal war Ungarn der Kriegsanlass. Nachdem sich der Adel des Königlichen Ungarn gegen seinen Oberherrn Habsburg erhoben und mit Siebenbürgen verbündet hatte, holte Kaiser Leopold I. (reg. 1658-1705) zum Gegenschlag aus. Da ersuchten die Aufständischen 1682 das Osmanische Imperium um Beistand, und die Hohe Pforte setzte unter Kara Mustafa Pascha ein riesiges Heer in Richtung Wien in Bewegung. Doch die Belagerung der Stadt misslang, denn eine alliierte Streitmacht der Habsburger mit deutschen, lothringischen, österreichischen und polnischen Kontingenten, angeführt von König Johann III. Sobieski von Polen (1629-1696) und anderen Feldherrn, fügte den Osmanen 1683 in der Entsatzschlacht am Kahlenberg eine vernichtende Niederlage zu. Kara Mustafa Pascha musste für die Katastrophe mit dem Leben bezahlen und wurde im gleichen Jahr auf Befehl des Padischahs erdrosselt.

Doch dieser Türkenkrieg sollte sich zu einem Desaster mit verhängnisvollen Folgen für das Osmanenreich entwickeln. Im folgenden Jahrzehnt kämpfte vor allem Ludwig Wilhelm von Baden (1655-1707), der sog. Türkenlouis, als Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee siegreich gegen die Türken. Er bezwang sie 1687 in zahlreichen Kämpfen, so auch in der Schlacht bei Mohács am Berg Harsány. Daraufhin wurde Sultan Mehmet IV., dem seine Jagdleidenschaft den Beinamen “der Jäger“ (Avcı) eingebracht hatte, abgesetzt. Die Nachfolge trat sein Bruder Süleyman II. (reg. 1687-1691) an, der einen neuen Großwesir - wiederum aus der Familie der Köprülü - berief. Fazıl Mustafa Köprülü (reg. 1689-1691) war nicht nur ein fähiger Staatsmann, der das Reformwerk seines Vaters und Bruders fortsetzte, sondern auch ein großer Heerführer. Fast wäre es ihm gelungen, zu Gunsten der Osmanen eine entscheidende Wende im Kriegsverlauf herbeizuführen. Doch in der Schlacht von Slankamen, die er 1691 gegen Ludwig Wilhelm focht, fand der Wesir den Tod. Somit war die osmanische Gegenoffensive gescheitert. In der Folgezeit gelang es den Kaiserlichen, die Türken aus Ungarn, Siebenbürgen sowie aus weiten Landstrichen Serbiens und der Walachei zu vertreiben. Der Nachfolger des Türkenlouis, Prinz Eugen von Savoyen (1663-1736), setzte dessen beispiellosen Siegeszug fort und rieb 1697 bei Zenta die osmanische Militärmacht vollständig auf. Im Friedensvertrag von Karlowitz, der 1699 unterzeichnet wurde, mussten die Osmanen Ungarn abtreten und somit erstmalig Gebietsverluste hinnehmen.

Der Abwehrkampf Habsburgs und seiner Verbündeten hatte die Gefahr einer türkischen Invasion auf alle Zeiten gebannt und war somit von epochaler Bedeutung für Europa. Auch in der Geschichte des Osmanischen Reiches markierte er einen Wendepunkt. Der militärische Kräfteverfall war nicht mehr aufzuhalten, das Imperium befand sich von nun an in der Defensive. Gleichzeitig war mit dem tragischen Verlust des Renovators Köprülü auch der Konsolidierungsversuch im Innern gescheitert. Allerdings blieben die desolaten Zustände des Staatswesens noch für kurze Zeit verborgen, die Großmachtstellung des Osmanischen Reiches nach außen vorerst unangetastet.

Die Tulpenzeit (1703-1730)
Im Verlauf des 18. Jh. führten die äußeren Zersetzungserscheinungen zu einer Destabilisierung von Staat, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft. Versuche zur Wiederherstellung der traditionellen Institutionen blieben erfolglos. Zunehmend errichteten lokale Potentaten ihre unabhängigen Regime. Dennoch war die Regierungszeit Ahmets III. (reg. 1703-1730) eine kulturelle Blütezeit. Am Sultanshof glänzten die Künstler mit herausragenden Leistungen in Lyrik, Musik und Gartenbaukunst. Wegen der Begeisterung, die man für Gärten und Gartenpflanzen, vor allem die Tulpe, hegte, erhielt die Epoche in der Geschichtsschreibung den Namen “Tulpenzeit“ (lale devri). Doch war die Not, welche die wirtschaftliche Krise und die sozialen Spannungen verursachten, so groß, dass man den Luxus höfischer Kreise nicht mehr dulden wollte. So wurde im Jahre 1730 Ahmet III., ebenso wie vor ihm sein Bruder und Vorgänger Mustafa II. (reg. 1695-1703), durch Aufstände zur Abdankung gezwungen.

Der Verlust der Großmachtstellung im 18. Jh
Aus der Sicht des Osmanenreiches war das 18. Jh. relativ kriegsarm. Doch in dem zur Großmacht erstarkenden und sich beständig ausdehnenden Russland erwuchs der Hohen Pforte ein neuer Gegner. In den Kriegen von 1737-1739, 1768-1774 und 1788-1792 verlor man erhebliche Territorien, vor allem die Krim und weite Gebiete um das Schwarze Meer, an das Zarenreich. Da die osmanische Militärmaschinerie nun den Armeen nach westlichem Muster taktisch und waffentechnisch unterlegen war, büßten die Osmanen ihre Großmachtstellung endgültig ein.

1774 geriet das Reich durch den Friedensvertrag von Küçük Kaynarca (Nordostbulgarien) sogar in Gefahr aufgerieben zu werden. Es behielt seine Souveränität nur, weil sich die Sieger hinsichtlich seiner Aufteilung nicht einigen konnten. Dieses Problem, die sog. Orientalische Frage, sollte Europa jahrhundertelang beschäftigen.

Tiefgreifend wirkte sich auch der Wandel des politischen und sozialen Systems aus. Die alten Herrschaftsstrukturen waren nicht mehr wirksam, allerorten hatten lokale Machthaber die Herrschaft usurpiert. Sie regierten als “Talfürsten“ (derebeyi) oder “Notabeln“ (ayan), die sich gelegentlich sogar nominell von der Zentralmacht lossagten. Auch Ägypten, der Irak und der Jemen hatten sich selbstständig gemacht und waren vom Reich abgefallen. Zudem war der wirtschaftliche Ruin des Reststaates abzusehen. Während in Europa in der zweiten Hälfte des 18. Jh., die Zeit der industriellen Revolution anbrach, war das Osmanische Reich auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzfähig. Man hatte den in Massenproduktion gefertigten Billigwaren nichts entgegenzusetzen, da Disziplinen wie Naturwissenschaften und Technik, als Grundlagen der Entwicklung eines ökonomischen Aufschwungs, vom Staat nicht gefördert wurden.

Das 19. Jh. - Das Zeitalter der Reformen
Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jh. initiierten die Sultane Selim III. (reg. 1789-1807) und Mahmut II. (reg. 1808-1839) auf den Gebieten von Verwaltung, Staatsordnung und Militär Reformen nach europäischem Vorbild. Gegen den Widerstand der Konservativen öffnete man sich zunehmend westlichen Einflüssen. Wichtigste Neuerung war die Aufstellung von Schützenregimentern, die unmittelbar dem Großherrn unterstellt waren. Deshalb wurde Selim III. 1807 von den Janitscharen, die sich stets gegen diese Maßnahmen gewehrt hatten, abgesetzt. Als Mahmut II. versuchte, sie in die neuen Einheiten zu integrieren, revoltierten die Janitscharen. In einem blutigen Massaker ließ der Herrscher 1826 sämtliche Mitglieder der ehemaligen Elitetruppe, insgesamt etwa 10 000 Männer, erschießen.

Sultan Abdülmecit I. (reg. 1839-1861) nahm mit den Tanzimat-Reformen (tanzimat-ı hayriye, osm.-türk. wohlwollende Anordnungen) eine umfassende Neuordnung des Staates in Angriff. Seine Gesetze beinhalteten vor allem eine Neukodifizierung des Zivil-, Straf-, Handels- und Bodenrechtes, den Aufbau einer Zivilbürokratie nach französischem Vorbild und die Reform des Bildungswesens. Er wollte den Staat modernisieren, gleichzeitig aber die Macht des Sultans erhalten. So waren all diese Maßnahmen vom Großherrn oktroyiert, keineswegs jedoch Ausdruck des Volkswillens oder von Souveränität. Der osmanische Hof hatte mittlerweile seine neue Residenz, den Dolmabahçe-Palast, ein Prunkschloss nach europäischem Vorbild am Ufer des Bosporus, bezogen.

In der zweiten Hälfte des 19. Jh. erhöhte sich der Reformdruck durch die Bewegung der Jungtürken, einer Opposition aus Militärs und Intellektuellen. Noch 1838 wurde ein Ministerpräsidium eingerichtet, 1867 ein Staatsrat. Das 1869-1876 erarbeitete bürgerliche Gesetzbuch enthielt die rechtliche Gleichstellung. 1876 proklamierte Sultan Abdülhamit II. (reg. 1876-1909) die erste osmanische Verfassung, die die Bildung eines Zweikammerparlaments vorsah.

In der Außenpolitik gelang es dem Reich nicht, sich vor Bedrohungen zu schützen und seinen Bestand zu wahren. Das 19. Jh. war geprägt durch den Freiheitskampf der Balkanvölker, die sich vom Osmanischen Reich lossagten. Vor allem die Griechen rangen erbittert um ihre Unabhängigkeit, die ihnen 1829 im Londoner Abkommen gewährt wurde. Zwar ging, aufgrund der Unterstützung von Engländern und Franzosen, der Osmanenstaat erfolgreich aus dem Krimkrieg (1853-1856) hervor. Doch der verlustreiche Krieg, den die Pforte im Zusammenhang mit den schweren Unruhen auf dem Balkan 1877/78 mit Russland führen musste, weil dieses sich als Schutzmacht der dortigen Völker begriff, traf die Osmanen schwer. Im von Bismarck initiierten Berliner Friede 1878 erwirkten die europäischen Großmächte, die sich einmischten, weil sie ein zu starkes Russland fürchteten, das Ausscheiden Rumäniens, Serbien und Montenegros aus dem osmanischen Staatsverband. Aus anderen Teilen der Welt drängte der englische, französische und italienische Kolonialismus die Osmanen zurück. In Nordafrika wurden nach und nach Algerien, Tunesien und Ägypten von europäischen Staaten annektiert.

Ein weiteres Problem war die ökonomische Durchdringung des Reiches durch Europa. Die umfangreichen finanziellen Anleihen, die man dort tätigte, führten zu vollkommener wirtschaftlicher Abhängigkeit und wachsender Staatsverschuldung. 1875 musste das Osmanische Reich, der “Kranke Mann am Bosporus“, sogar den Staatsbankrott erklären.

Das 20. Jh. - Die letzten Jahrzehnte eines Weltreichs
Im 20. Jh. schrumpfte der Staat immer weiter. 1908 erklärte sich Bulgarien zum unabhängigen Königreich, im gleichen Jahr annektierte Österreich Bosnien und Herzegowina, Kreta wurde 1913 an Griechenland angeschlossen. Nach den beiden Balkankriegen gingen im gleichen Jahr Mazedonien, Albanien, die Ägäischen Inseln und - abgesehen von Istanbul und seinem Umland - sämtliche europäischen Besitzungen verloren.

Die Revolution der Jungtürken gegen den despotisch regierenden Abdülhamit II. (reg. 1876-1909) führte 1909 zum Putsch und zur Absetzung des Sultans. Obwohl sie seinen Bruder Mehmet V. Reşat (reg. 1909-1918) inthronisierten, übten die Jungtürken die Macht im Staate aus. Der Padischah regierte nur noch als konstitutioneller Monarch. 1912 zwang eine Gruppe liberaler Offiziere die Jungtüren zum Rücktritt von der Regierungsverantwortung. Doch etablierte der Staatsstreich der Jungtürken ein Jahr später das Triumvirat, drei antidemokratische Führer der Gruppierung, dessen Herrschaft die Züge einer Diktatur trug.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs trat das Osmanische Reich an der Seite Deutschlands in den Krieg ein. Der Niederlage folgte mit dem Diktat des Friedensvertrags von Sèvres 1919 die totale Entmachtung der Osmanen und die Zerschlagung ihres Reiches durch die Alliierten. Das Land wurde von den Truppen der Siegermächte - Franzosen, Briten, Italienern und Griechen - besetzt. Doch gelang es General Mustafa Kemal (später Kemal Atatürk) an der Spitze einer nationalen Unabhängigkeitsbewegung eine neue Machtkonstellation herbeizuführen. 1922 zog die türkische Befreiungsarmee in Istanbul ein. Die zusammengetretene Nationalversammlung ratifizierte das Programm der Neuordnung und verkündete die Abschaffung des Sultanats. Der letzte Sultan, Mehmet VI. Vahideddin (reg. 1918-1922) musste zurücktreten und verließ das Land auf einem englischen Kriegsschiff. Abdülmecit II. (reg. 1922-1924) war nur noch Kalif ohne weltliche Macht. 1923 unterzeichnete die Türkei den Friedensvertrag von Lausanne, in dem sie international anerkannt wurde. Im gleichen Jahr erfolgte die Gründung eines Nationalstaates mit der Ausrufung der Türkischen Republik durch Atatürk. Sie bedeutete das Ende des Osmanischen Reiches. Ein Imperium, das 600 Jahre Bestand gehabt hatte und von 36 Herrschern einer einzigen Dynastie in nahezu lückenloser Folge regiert worden war, hatte aufgehört zu existieren.
Karikatur

Honoré Daumier. Sammlung Hans Galen
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Murat III.
Mehmet VI., Vahideddin
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Staatswesen und Verwaltung im Osmanischen Reich
Das Osmanische Reich - Die Geburt einer Weltmacht
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Vom Nomadenvolk zur Weltmacht
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