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Osmanische Metallkunst - Gold- und Kunstschmiedarbeiten
Die osmanische Metallkunst, deren Erzeugnisse im Orient wie im Okzident begehrt waren, faszinierte durch ihre prunkvolle Manier und ihre meisterhafte Verarbeitung. Die bemerkenswerte Ästhetik und Originalität der Metallarbeiten war das Resultat des Zusammenspiels komplizierter kunsthandwerklicher Techniken mit den typischen Dekorformen des osmanischen Stils.

Erzeugnisse und Anwendungsbereicheder Metallkunst
Für den Sultan und seinen Hofstaat produzierten die Kunsthandwerker die erlesensten Luxusgüter. In der Frühzeit des osmanischen Imperiums achteten noch viele Herrscher aus religiösen Gründen darauf, sich nicht mit einem Übermaß von Juwelen, Gold- oder Silberschätzen zu umgeben. Denn ein Hadith des Propheten Muhammad gebot Mäßigung. In der Blütezeit des Reiches jedoch, führten die Sultane und ihr Hofstand in den repräsentativen Palästen ein luxuriöseres Leben. Alles, was den Herrscher umgab, sollte schön und angenehm sein. Die verschwenderische Pracht ihrer Residenzen und die unvorstellbaren Reichtümer waren legendär.

Aus Gold und Silber fertigte man nicht nur exquisite Schmuckstücke - Gürtel, Ringe und Turbanschmuck für die Männer, Armbänder, Colliers, Ohrgehänge und Kopfschmuck für die Frauen. Auch ein Großteil des Rauminventars und allerlei Alltags- und Gebrauchsgegenstände, z.B. Gefäße, Geschirr, Lampen, Leuchter und andere Gerätschaften sowie Kästchen, Behälter, Bucheinbände u.v.m. waren aus Edelmetall gearbeitete und kostbar ornamentierte Preziosen. Neben Gold und Silber fanden auch Kupfer, Bronze, Messing und Tombak - eine Messinglegierung mit sehr hohem Kupferanteil - Verwendung.

Ein weiterer wichtiger Anwendungsbereich des Metallhandwerks waren die Militaria, die Ausrüstungsgegenstände der osmanischen Armee. Rüstungen, z.B. Brustpanzer, Panzerkappen, Helme, Armschienen, und vor allem Waffen - die Griffe und Klingen der Säbel, Dolche und Schwerter, die Läufe der Pistolen und Gewehre -, waren aus Metall, meist aus Eisen bzw. Stahl, besonders Damaststahl hergestellt, und zusätzlich hatten die Gold- und Silberschmiede prunkvolle Verzierungen aufgebracht. Diese kostbaren Waffen und Rüstungen waren trotz ihres reichen Schmucks in erster Linie funktionale Gebrauchsgegenstände, aber auch wichtige Statussymbole, die der Selbstdarstellung des Besitzers dienten und Freund wie Feind beeindrucken sollten. Manche von ihnen waren nicht ausschließlich für das Schlachtfeld bestimmt, sondern wurden auch als Prunk- und Paradegerät benutzt. Auch die aus Textilien oder Leder gearbeiteten Ausstattungsteile des Militärs (Taschen, Behälter, Köcher), insbesondere die Reitzeuge (Sättel, Schabracken, Pferdegeschirr, Steigbügel), waren prächtig mit Metallappliken - Zierstücken und -blechen, Beschlagteilen und ähnlichem Beiwerk - meist aus vergoldetem Silber, in mannigfacher Weise ornamentiert.

All dies bezeugt die Vorliebe der osmanischen Oberschicht für prunkvolles Auftreten. Doch trotz des repräsentativen Charakters all dieser Objekte, offenbart das extreme Bedürfnis nach Dekoration den ausgeprägten Sinn der Osmanen für Ästhetik und ihre Begeisterung für das Schöne.

Techniken der Metallbearbeitung und -verzierung
Der Eindruck von Pracht und Kostbarkeit der Edelmetalle wurde noch gesteigert, indem die Metalloberflächen mit Hilfe unterschiedlichster Ziertechniken dekoriert waren.
Fast immer wandten die Kunstschmiede mehrere der vorgestellten Metallverzierungstechniken am gleichen Werkstück an. So erschienen Gravuren häufig zusammen mit gepunztem Dekor oder Ziselierung, Niello in Verbindung mit Tauschierung, Edelsteinbesatz usw. Beliebt war auch die Kombination verschiedener Metallsorten und Materialien, so dass Farbeffekte bzw. eine gewisse “Buntheit“ entstanden, die Eindruck der Kostbarkeit noch verstärkten.

Gravur und Punzieren
Besonders häufig angewandte Verfahren waren die Gravur und das Punzieren.
Beim Gravieren (graver, franz. eingraben ) wurden mit feinen Schneidewerkzeugen (Stichel, Graviernadel, Meißel u.ä.) lineare Muster in die Oberfläche des Werkstücks eingeritzt. Die Kunstschmiede tieften die Linien aus freier Hand ein und hoben dabei winzige Metallspäne ab, bis sich die gewünschte Ornamentik positiv oder negativ von der Oberfläche abhob. Entscheidend war die gleichmäßige Handhabe des Stichels. Er musste kontinuierlich im richtigen Winkel schräg aufgesetzt und mit gleichmäßigem Druck geführt werden. Setzte man den Stichel zu steil an oder drückte zu fest, drang er zu tief ins Metall, hielt man ihn zu flach, rutschte er ab und erzeugte Kratzer.

Beim Punzieren schlug man die Ornamentik mit der Punze, einer Art stabförmigem Stempel, in Kaltarbeit in die Metalloberfläche ein. Der Kopf des Punzierstempels konnte unterschiedliche Form besitzen, es gab Linien-, Kugel- oder Hohl- sowie verschiedene Musterpunzen. Mit Mattpunzen konnte man außerdem die Oberfläche musterartig aufrauen. Die Punzen mussten eine bestimmte Länge (ca. 10-18 cm) besitzen. Waren sie zu lang, konnten sie nicht richtig mit dem Treibhammer geschlagen werden, bei zu geringer Länge hingegen ließen sie sich nicht gut führen.

Treiben und Ziselieren
Einen Reliefdekor mit plastischen Formen auf der Schauseite erzeugte man mit Hilfe der Treib- und Ziseliertechnik. Beim Treiben modellierte man den Dekor von der Unter- bzw. Rückseite des kalten Metallblechs meist frei heraus. Die Schwierigkeit bestand darin, dass man während der Bearbeitung das auf einer Unterlage befestigte Werkstück nicht beliebig oft umdrehen konnte, um das Ergebnis zu kontrollieren. Statt dessen mussten die Handwerker aufgrund der Bearbeitungsspuren auf der Rückseite, der Mulden und Vertiefungen, auf das Aussehen der Vorderseite schließen und sie entsprechend bearbeiten. Die Werkzeuge, die man zum Treiben benötigte, waren Meißel und Punzen sowie als Schlagwerkzeuge Schlegel bzw. Treibhammer. Eine weitere Methode zur Herstellung eines Reliefs bestand darin, das Werkstück in Hohlformen (Matrizen) einzudrücken und einzuhämmern oder über positive Musterformen (Modeln) zu treiben. Da beim zuletzt genannten Verfahren von der Metalloberseite aus gearbeitet wurde, legte man ein Stück Leder oder Stoff auf, um sichtbare Schlagspuren zu vermeiden. Auf diese Weise konnten gleichartige Verzierungsteile, z.B. Beschlagstücke, mit relativ wenig Aufwand in großen Mengen, gleichsam seriell, produziert werden.

Beim Ziselieren (ciseau, franz. Meißel) unterschied man Guss- und Treibziselieren. Bei gegossenen Werkstücken handelte es sich um die kalte Nacharbeit und das Überarbeiten der Details (Gussziselieren), bei getriebenen um die Ausarbeitung von meist reliefartigen Mustern an der Schauseite (Treibziselieren). Häufig wählten die Metallhandwerker kombinierte Techniken, wie Treiben und Ziselieren oder Ziselieren und Gravieren. Als Ziselierwerkzeuge dienten Meißel, Stichel und vor allem Punzen, die mit dem Ziselierhammer geschlagen wurden. Bei den Punzen gab es Schrot-, Modellier- und Setzpunzen und entsprechend drei arbeitstechnische Grundverfahren, Schroten, Modellieren und Absetzen. Mit der keilförmigen Schrotpunze konnte man linear gestalten, etwa die Konturierung des ziselierten Reliefs vornehmen. Im Gegensatz zur Gravur drückte man dabei die Linie spanlos ins Metall ein. Das Schroten erforderte besondere Aufmerksamkeit und Übung. Die Punzen durften nur in gewissem Winkel zur Arbeitsfläche gehalten werden, nicht senkrecht - sonst reagierten sie wie ein Stempel mit einmaligem Einschlag und ließen sich nicht führen - sondern nach hinten geneigt. Wurden sie hingegen zu schräg angesetzt, hüpften sie mit jedem Hammerschlag aus der Führungsspur, so dass einzelne Einschläge anstelle einer kontinuierlichen Linie entstanden. Auch der Ziselierhammer durfte nur auf bestimmte Art und Weise zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten werden, so dass er gelenkartig bewegbar blieb und beim Anschlag leicht zurückfederte. Die Modellierpunze besaß verschiedenartig gewölbte Stempelflächen zum Ausformen des Reliefs von der Rückseite des Metallblechs her. Mit der Setzpunze schließlich, behandelten die Kunstschmiede die Vorderseite, indem sie entlang der geschroteten Linien schräg stehende Flächen ebneten, um den Reliefdekor vom Untergrund schärfer abzusetzen. Außerdem gab es auch Planierpunzen zum Glätten der Metalloberfläche.

Tauschierung und Niello
Lange künstlerische Tradition besaßen auch Ein- und Auflagetechniken wie die Tauschierung oder das Niello-Verfahren, deren dekorativer Wert im Kontrast verschiedenfarbiger Metalle oder Legierungen bestand.

Die Tauschierung (tauschija, arab. färben, Färbung) war eine Metallintarsie in Gold oder Silber. Hierbei wurde die Ornamentik zunächst in die Metalloberfläche eingeritzt. In die Vertiefungen, welche eine sich nach unten verbreiternde Schnittrinne, die sog. Nut, besaßen, wurde der Gold- oder Silberdraht aufgelegt und eingehämmert. Danach musste man Füllung und Außenfläche plan verschleifen und polieren. Nach einem anderen Arbeitsverfahren, der sog. Oberflächentauschierung oder Koftgari-Technik, wurde die Metallauflage nicht - wie bei der “echten“ Tauschierung - in eine Eintiefung versenkt, sondern auf einer durch Schraffur aufgerauten und erhitzten Stelle festgehämmert.

Auch Niello (nigellus, lat. schwärzlich) bezeichnet eine nur für Silber und Gold mit hohem Feingehalt geeignete Einlegetechnik. In die zunächst geritzten oder geschnittenen Muster wurde eine schwärzliche, pastenartige Legierung aus Silber, Blei, Kupfer, Schwefel und Borax sowie ev. Salmiak als Flussmittel, eingeschmolzen. Nachdem diese abgekühlt und erhärtet war, konnte man sie abschließend glätten. Auch mit Hilfe des Niello, das sich als schwärzlicher Dekor vom hell glänzenden Metallgrund abhob, erzielten die Kunstschmiede wirkungsvolle Farbkontraste.

Granulation, Filigran, Durchbruchstechnik
Weitere Goldschmiedetechniken, für die man Legierungen mit sehr hohem Feingehalt benötigte, waren Granulation und Filigran. Ebenso kostbar wie kompliziert in der Fertigung war das granulieren (granulum, lat. Körnchen). Bei dieser Verzierungsart schmolzen die Schmuckschmiede kleine Goldkügelchen auf eine ebenfalls goldene Unterlage auf. Die Qualität der Granulierung war abhängig von Größe, Form und gleichmäßiger Anordnung der Granalien, deren Herstellung viel Geschick erforderte. Man schnitt Golddrähte in gleich lange Abschnitte und schichtete diese abwechselnd mit Holzkohlepulver in einem Schmelztiegel, so dass sich die Metallstückchen nicht berührten. Während des Erhitzens zogen sich die Goldteilchen zu Kügelchen zusammen und nahmen den Kohlenstoff auf. Dieser reduzierte den Schmelzpunkt des Metalls. Dann wurden sie auf die Goldunterlage appliziert. Dazu bestrich man diese zunächst mit einem “Klebstoff“ aus organischem Material, z.B. Speichel, Quittenharz oder Gummiarabicum, einer Substanz aus sudanesischer Akazienrinde und Wasser. Anschließend schmolz man die Kügelchen, die sich wegen des niedrigeren Schmelzpunktes verflüssigten, auf das Grundmetall an.

Werden Metalldrähte und -stege in gleicher Weise aufgelötet, spricht man von einer Filigranarbeit (filum, lat. Draht, granum, lat. Korn). Diese ließ sich besonders gut mit der Granulation kombinieren. Eine Variante des Verfahrens ist das filigrane Netzwerk, eine feine ornamentale Drahtgestaltung in Durchbruchs- oder Locharbeit, der sog. à jour-Technik (à jour, franz. zu Tage [bringen], im Sinne von Durchscheinen lassen). Häufig wurden auch à jour-Muster erzeugt, indem die Metalloberfläche ausgestochen, -geschnitten oder -gestanzt wurde.

Vergoldung
Auch Vergoldung war in osmanischen Werkstätten nicht unbekannt. Zahlreiche osmanische Metallgegenstände sind mit Hilfe der Quecksilbermethode vergoldet. Dabei wurde das Blattgold auf die mit Quecksilber bestrichene Metalloberfläche aufgelegt. Durch Erhitzen im Ofen verdampfte das Quecksilber, und die Goldfolie ging mit der Metalloberfläche eine Haftbindung ein.

Verzierung mit Edelsteinen
Typisch osmanisch sind Metallarbeiten, die mit Edel- und Halbedelsteinen bestückt sind, sog. "murassa"-Objekte. Besonders in Mode waren Smaragde, Rubine und Saphire, aber auch Türkise oder Korallen und bei den Reichsten der Reichen selbstverständlich Diamanten. Oft waren die Steine geschliffen, um die Schönheit ihrer Farben und den Glanz besser zur Geltung zu bringen. Der Schliff war entweder eben (Tafelschliff) oder kugelig gewölbt (gemugelt). Die Edelsteine wurden in Vertiefungen eingearbeitet oder in Fassungen gebettet. Es dominierten schräg hervorstehende Zellenfassungen aus Metallblech. Hier wurde der Stein durch das auf seine Oberfläche umgebogene Metallblech gehalten. Die äußeren Ränder der Zellenfassung waren häufig zu rosettenähnlichen Blättern ausgestaltet, so dass ein Blütendekor aus Edelsteinen erzeugt wurde. Daneben gab es viereckige Kastenfassungen aus aufgelöteten Drahtstegen, deren senkrechte Wandungen die Halterungen für die Steine bildeten. Auch Email, eine mit Metalloxiden gefärbte, heiße Glasmasse, konnte man in gleichartige Zellen einschmelzen.

Die Goldschmiede
Die Goldschmiede- und Juwelierkunst war unter den Osmanen hoch angesehen, und da es Brauch war, dass die Sultane als Prinzen ein Handwerk erlernten, entschieden sich auch Selim I. (reg. 1512-1520) und Süleyman I. (reg. 1520-1566), der Prächtige, für die Erlernung der Goldschmiedekunst.

In den Palastmanufakturen des Topkapi Serail arbeiteten für den Bedarf von Sultan und Hof im 16. und 17. Jh. mehrere hundert Goldschmiede, die nach ihren verschiedenen Spezialisierungen in zahlreiche Berufsgruppen unterteilt waren, z.B. die Hersteller von Metallgegenständen (kazganciyan), die Goldschmiede (zergeran), die Goldtauschierer, die auch Verzierungen einarbeiteten (kuftgeran, zernisan) oder die Edelsteinschleifer und -setzer (hakkak). Allerdings fehlen Meistersignaturen auf dem Gebiet der Metallkunst fast völlig, so dass kaum Kunsthandwerker namentlich bekannt sind.
Prunkuhr/Topkapı Sarayı Müzesi, Istanbul

Mitte 17. Jh. Topkapı Sarayı Müzesi, Istanbul (Inv. 53/86)
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