Karlsruher Türkenbeute - Link zur Homepage
   
SammlungThemenreisenKunst & KulturWissenInformation
Der TürkenlouisBiografienGeschichteLebensweltenKriegKunst & HandwerkEuropa & die Osmanen
zum Chat
zur Registrierung
zum login
technische Spezifikationen
Mein Virtuelles Museum
XML readout
diese Seite drucken
diese Seite mailen
Die Tuğra - Das großherrliche Zeichen
Die Tuğra (tuğra) war eine Erscheinungsform der Kalligrafie, nämlich die kalligrafische Gestaltung des Namenszuges des regierenden Sultans. Sie kann als ein Phänomen betrachtet werden, für das in anderen Kulturen keine Parallelen existieren.

Form und Gestaltung der Tuğra
Das kunstvolle Emblem der Tuğra setzte sich aus mehreren obligatorischen Komponenten zusammen, dem Namen des Sultans, dem Namen seines Vaters, sowie deren Titel. Letztere beschränkten sich in der Regel auf die Bezeichnung "schah" (pers. König) sowie den ursprünglich mongolischen Herrschertitel "han/khan". Gelegentlich waren auch Ehrentitel (z.B. al-Gazi, osm.-türk. Förderer des Islam) Bestandteil des Zeichens. Dazu kam noch eine von Murat II. (reg. 1421-1451) eingeführte besondere Wunsch- oder Siegesformel, die Invocatio (muzaaffer). Diese lautete “al-muzaaffer daima“ (arab. der allzeit Siegreiche bzw. siegreich immerdar). Auch die Signatur eines Kalligrafen konnte bei einer Tuğra stehen, oder dieser konnte der Namen eines Heiligen, ein Koranvers oder ein Hadith beigefügt sein. Die Übersetzung einer einfachen Tuğra lautet: “Schah x, Sohn des Schah y Khan, der allzeit Siegreiche“.

Der eigentliche Schriftzug (kürsü, sere) mit Namen und Titel war in sich so verschlungen und verdichtet, dass er kaum lesbar war. Er wies charakteristische und immer gleichbleibende grafische Elemente auf, die im Laufe der Zeit lediglich in den Einzelheiten ihrer Form variierten. Die auffallendsten Bestandteile waren die drei hohen vertikalen Aufstriche, die sog. Schäfte (tuğ), die für den Buchstaben A (alif) standen. Daran setzten die “Locken“ (zülfe), parallel verlaufende, s-förmige Fahnen an, sowie die horizontal ausschwingenden “inneren und äußeren Schlaufen“ (iç beyza und diş beyza). Diese liefen rechts in einem doppelten Schweif, welcher als “Dolch“ (hançer) oder “Arme“ (kol) bezeichnet wurde, aus. In der inneren Schlaufe stand die Siegesformel “muzaaffer“.

Bereits im 14. Jh. führte der zweite regierende Osmanensultan Orhan (reg. 1326-1360) die Tuğra als Herrschaftsemblem. Ihre typische Grundform entstand unter Mehmet II. (reg. 1451-1481), dem Eroberer, einem der wichtigsten Osmanenherrscher, ihre klassische Ausprägung erhielt sie unter dem berühmtesten osmanischen Sultan, Süleyman I. (reg. 1520-1566), dem Prächtigen.

Für die Ausführung der Tuğra benutzte man schwarze, aber auch farbige - rote, grüne oder blaue - Tinte sowie Goldtusche. Ab Mehmet II. konturierten die Kalligrafen die Tuğra mit Goldfarbe oder gingen dazu über, die Felder zwischen den Buchstaben mit Goldsprenkeln oder -füllung zu versehen. Oft waren die Zwischenräume des Schriftzuges sowie die Randbereiche prachtvoll dekoriert und mit Ornamenten, meist mit Blumen und Rankenwerk, ausgestaltet. Die Proportionen der Tuğra entsprachen manchmal nicht nur ästhetischen Regeln, sondern sogar mathematisch errechneten Verhältnissen.

Es ist anzunehmen, dass bei der Zeichnung des Emblems die Wahl der Schrift und der Farben keineswegs beliebig war, sondern dass ihnen innerhalb des osmanischen Protokolls eine bestimmte Bedeutung zukam. Wahrscheinlich steht die mehr oder weniger reiche Ausstattung und die unterschiedliche Farbigkeit im Zusammenhang mit der Bedeutung eines Schriftstücks oder dem Rang des Adressaten.

Funktion und Bedeutung der Tuğra
Die Tuğra verkörperte symbolisch die Staatsmacht und die Herrschaft des Sultans. Sie wurde als seine offizielle Signatur verwendet und verlieh den staatlichen Urkunden Rechtmäßigkeit und Gültigkeit. In diesem Sinne ist sie mit einem staatlichen Stempel oder Siegel vergleichbar. Daher erschien das Schriftbild des großherrlichen Namens im Kopf eines jeden staatlichen Dokuments, auf den Schriftstücken, die der Staatsrat und die Verwaltungsbeamten des Osmanischen Reiches im Namen des Sultans verfassten, dem “berat“, der Privilegien und die Bewilligung von privatem Grundbesitz gewährte, den Ernennungsurkunden “menşur“ und auf den großherrlichen Erlassen (ferman). Für die Anbringung des Emblems war ein eigener Hofbeamte, der "tuğrakeş", verantwortlich, zeitweise fiel sie auch in die Zuständigkeit des Kanzlers (nişancı) selbst.

Auch als Münzbild fand die Tuğra in ihrer Eigenschaft als großherrliches Signum Verwendung. Ebenso diente sie als Beschaumarke der Palastwerkstätten für Edelmetalle. Ins Metall eingestempelt garantierte sie dessen Fein- und Reinheitsgehalt.
Prachttuğra (Berat von Süleyman II.)/Sakip Sabancı Müzesi, Istanbul

Berat von Süleyman II., Tusche, Farben und Gold auf Papier, 1688. Sakip Sabancı Müzesi, Istanbul
Siehe auch...
Kommentar
Mehr Bilder:

Siehe auch...
Exponate:
Dolch mit Scheide
Doppelbeil mit Stoßklinge
Prunkschabracke
Panzerhemd und Panzerkragen
Prunkdolch mit Scheide
Dolchmesser mit Scheide
Wurfspieße
Faksimile
Personen:
Orhan
Themen:
Der osmanische Kunststil
Osmanische Metallkunst - Gold- und Kunstschmiedarbeiten
Staatswesen und Verwaltung im Osmanischen Reich
Kalligrafie - Die Kunst des schönen Schreibens
Themenreisen:
Zeichen setzen
Download:
Experteninfo

Siegel des Sultans
Die Tuğra als kalligrafisches Emblem ist eine einzigartige Schöpfung osmanischer Schriftkunst.

 

Startseite dieser Exponatkategorie
blättern blättern: nächstes Exponat
Experteninformation
 
Derzeit läuft ein Chat zum Thema "Orientalismus" 0 User befinden sich im Chatroom.  mitchatten
Registrierung Registrieren  login
© 2003 Badisches Landesmuseum Badisches Landesmuseum, Karlsruhe in Kooperation mit ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, gefördert
von der Landesstiftung Baden-Württemberg gGmbH; Idee und Konzept Tom Fuerstner; Umsetzung FOX Mediadesign. Rechtliche Hinweise