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Die Ausrüstung der osmanischen Armee
Die Kleiderordnung beim Militär
Die komplizierten und detaillierten Kleidervorschriften, die bei den Osmanen herrschten, erstreckten sich auch auf die Militärs. Das Erscheinungsbild der osmanischen Armee war bunt und vielfältig. Jede Truppe und jedes Regiment besaß eine eigene "Uniform“ und führte unterschiedliche Waffen mit sich.

So waren bestimmte Zuschnitte und Farben einzelnen Truppenteilen vorbehalten. Die Janitscharen trugen vorwiegend blauen Stoff, die Artillerie meist grüne Gewänder oder Mützen. Auch die verschiedenen Offiziersränge konnten, ebenso wie die einfacheren Soldaten, an ihrer Kleidung, dem Schuhwerk oder ihrer Kopfbedeckung erkannt werden. Beispielsweise trugen die hochrangigen Kommandeure gelbe oder rote Lederstiefel, die niederen Ränge schwarze. Zudem existierten sowohl praktische Alltagsuniformen und Rüstungen für den Kampf als auch glamouröse Galamonturen für verschiedene Anlässe. So war die Festgewandung der Generäle und Kommandanten aus Samt und wies Pelzverbrämungen und weite Scheinärmel auf. Dazu trug man Straußen- oder Reiherfedern (üsküf) am Turban.

Besonders auffällig waren die "delis" (Verrückte, Tollkühne), die gemischten Hilfstruppen aus Türken und Balkanvölkern, kostümiert. Tierhäute und über den Kopf gezogene Felle von Leoparden oder Wölfen, dazu Raubvogelfedern oder ganze Schwingen, verliehen ihnen ein unheimlich-groteskes Aussehen.

Die Garden des Sultans
Prächtig aufgetan waren vor allem die Garden im Umfeld des Padischahs. So etwa die sich aus den Janitscharen rekrutierenden "solaks" (sol, osm.-türk. links, davon, "die zur Linken [des Großherrn] Gehenden“), die den Herrscher immer unmittelbar umgaben und ihre Bögen allzeit schussbereit hielten um ihn zu schützen. Sie zeichneten sich durch helmartige Kappen (kuka) mit golddurchwirktem Stirnband aus. Deren hohe fächerartig ausgebreitete Federbüsche (süpürge, osm.-türk. Besen) sollten den Sultan in der Öffentlichkeit den Blicken des Volkes entziehen. Die Palastgarden (bostancılar, has oda) trugen hohe rote Filzhauben und rote Übergewänder. Die "solak"-Garden gehörten eigentlich zum Janitscharenregiment und bildeten dessen 60.-63. Kompanie.

Zu den Elitetruppen gehörten auch die Meldeläufer im Feld, die "peiks". Sie waren mit einem vergoldeten Kupferhelm mit schwarzem Federbusch angetan. Ihr Emblem war eine Art Doppelaxt, die sie immer mit sich führten.

Die "Uniform" der Janitscharen
Zur "Uniform" der Janitscharen gehörte vor allem die typische Kopfbedeckung, die "keçe" (osm.-türk. Filz), eine hohe Filzhaube mit langem Nackenbehang (yatırma). Sie wurde von niederen Offiziersrängen und einfachen Soldaten, meist bei Paraden oder festlichen Anlässen getragen. Möglicherweise erfüllte sie aber auch eine gewisse Schutzfunktion, da das Material durch eine Sonderbehandlung hart und widerstandsfähig wurde. Die Vorderseite der Haube schmückte eine metallene Hülse, in die allerlei Zierrat, z.B. Straußen- oder Reiherfedern, eingesteckt werden konnte. Die bei Paraden und Umzügen an der "keçe" befestigten Aufsätze nahmen geradezu bizarre Ausmaße und Formen an, zeigten Schiffe, Windmühlen und vieles mehr.

Die Janitscharen trugen bevorzugt Beinkleider (şalvar) aus blauem Stoff, die am Oberschenkel weit geschnitten waren, unter den Knien hingegen eng anlagen. Das halblange Oberkleid (dolama) wurde gegürtet und seine unteren Enden oft um der besseren Beweglichkeit willen in den Gürtel hochgesteckt. Auch hier wurden Blautöne bevorzugt, man trug aber auch andere Farben. Eine Art Cape oder Umhang sowie Lederstiefel vervollständigten die Gewandung.

Zur Galauniform der Generalmajore der Janitscharen (aşçı başı) gehörten ebenfalls die "keçe" und die blauen Hosen. Ergänzt wurde die Garnitur durch ein Untergewand (kontoş) mit engen Ärmeln und einem breiten Gürtel bzw. Waffenkuppel, an der man Säbel oder andere Waffen aufhing, sowie durch ein ärmelloses reich besticktes Übergewand (dalmatika). Die Zeremonialkleidung wies zudem seltsame, vor dem Unterleib getragenen Gehänge aus Metallplatten und -ketten auf. Die höchsten Kommandeure des Janitscharencorps (çorbacı) kennzeichnete der Helm der "solak"-Garden.

Den Janitscharen war es nicht erlaubt, einen Voll- oder Backenbart zu tragen, dies war nur Freigelassenen gestattet; als Staatssklaven (kul) durften sie sich lediglich einen Schnurrbart wachsen lassen.

Die Bewaffnung der Janitscharen
Die Bewaffnung der Janitscharen konnte variieren und bestand aus Säbel, Streitaxt, Dolch und, ab dem 16.-17. Jh., aus Pistole oder Gewehr. Ihre charakteristische Waffe war, vor allem im 17.-18. Jh., der Yatağan, eine Hieb- und Stichwaffe von 60 cm Länge. Sie besaß eine eigentümliche, einschneidige Klinge mit zweifacher Krümmung. Leicht konkav, war sie so geschliffen, dass sie sich zur Spitze hin verbreiterte. Dadurch erhielt der Hieb eine größere Wucht. Die Janitscharen sollen es verstanden haben, den Gegnern mit einem Schlag den Kopf abzutrennen, weshalb die Yatağane bei den Europäern als „Kopfabschneider“ gefürchtet waren. Einzeln oder paarweise wurden sie über Kreuz in den Gürtel eingesteckt.

Kleidung und Rüstung der Kavallerie
Die Reiter waren in der Frühzeit mit gepanzerten Lamellenharnischen, die aus Stahlstreifen und Kettengliedern bestanden, im 16.-17. Jh. mit einem flexiblen Kettenhemd bewehrt. Dazu trugen die Sipahis Panzerkragen und -handschuhe, die bis zum Ellbogen reichten. Kalottenförmige Helme, an denen ein Kettengeflecht als Nackenschutz angebracht war, gepolsterte Turbane oder Sturmhauben mit Nackenschirm und Nasenschutz. Letztere wurden in ähnlicher Form, als Zischägge, von der schweren deutschen Kavallerie des 17. Jh. übernommen. Zusätzlichen Schutz gewährte ein Rundschild aus Metall oder Weidenruten bzw. Rattan.

Über oder unter dieser verhältnismäßig leichten Rüstung, die ein hohes Maß an Beweglichkeit der Kavallerie im Kampfeinsatz gewährleistete, waren die Sipahis mit einem gegürteten Hemdgewand bekleidet. Dazu kleideten sie sich in Umhänge, blaue Hosen und Lederstiefel. Zur Festtagsgewandung der Kavallerie gehörten reich bestickte Kaftane sowie der Turban.

Der Auftritt der Reiterei war Aufsehen erregend. Die gesamte Ausstattung des Reitzeugs: Zügel, Sättel, Satteldecken, waren mit Metallapplikationen und Edelsteinbesatz versehen oder mit Samt oder Brokat überzogen und durch glänzende Metallstickereien verziert. Noch beeindruckender waren die an Festtagen zur Schau getragenen, über und über mit Metallbeschlägen geschmückten Prunkschabracken.

Die Bewaffnung der Kavallerie
Die charakteristische Kampfwaffe der asiatischen Reitervölker, so auch der osmanischen Kavallerie, war ein kurzer Reiterbogen, der sog. Reflexbogen (yay, yayok). Die Reiter führten den Bogen in einem Bogenköcher (osm.-türk. sandak, pers. kamandan) mit sich, der an der linken Seite getragen wurde. Der Pfeilköcher hing an der rechten Körperseite und lag auf der Hüfte auf, so dass die Bewegungsfreiheit des Armes gewährleistet blieb. Beide Köcher befestigte man am Gürtel. Auch die Bögen und Köcher waren prunkvoll ausgestaltet. Bemalungen und Inschriften aus Lack- oder Goldfarbe zierten die kostbaren Bögen. Die Köchergarnituren, in denen sie steckten, waren mit metallenen Zierbeschlägen oder mit Stickereien aus Gold- und Silberfäden verschönert.

Zu den bevorzugten Fernwaffen der Kavallerie zählten auch die kurzen Reiterspieße (cirid). Ein Set von drei Wurfspießen befand sich in einem Behältnis links am Sattel. Zusätzlich gab es leichte Speere von bis zu 3 m Länge, sowie große über 4 m lange Lanzen, die verschiedenartige Wimpel zierten. Gelegentlich waren die Sipahis auch mit Panzerstechern (meç) bewaffnet, die dazu dienten, die Rüstung des Gegners aufzubrechen.

Andere Waffengattungen des Osmanischen Heeres
Sowohl Kavallerie als auch Infanterie waren mit einer Vielzahl weiterer Waffen ausgerüstet. Selbstverständlich griff man bevorzugt zu Blankwaffen. Das Merkmal der orientalischen Blankwaffe schlechthin war die gekrümmte Klinge, die zahlreiche Vorzüge gegenüber der geraden Klinge besaß: Zum einen konnte man sie schneller aus der Scheide ziehen, andererseits gestattete sie eine große Flexibilität in der Handhabung und war ermüdungsfrei zu führen. Diese Klingen waren leicht und meist einschneidig, allerdings war der untere Bereich des Klingenrückens zur Spitze hin geschärft. Ihr Maximaldruck lag nur im schmalen Klingenbereich, womit ihr mehr die Funktion einer schneidenden Stichwaffe zukam. Im Gegensatz dazu mussten die schweren Schwerter der Europäer mit ihren geraden, breiten und zweischneidigen Klingen mit großer Hiebkraft geführt werden.

Beim Krummsäbel, einer der gebräuchlichsten Angriffswaffen, gab es zwei Klingentypen: die persische Form (shamschir, pers. Löwenschweif), deren schmale Klinge stärker gekrümmt war und die türkische Klinge (kılıç). Diese war weniger geschweift und verfügte über einen Rückenschliff, der auch ein Stoßen und Hochziehen der Waffe ermöglichte. Der Damaststahl, aus dem die Klinge bestand, zeichnete sich durch seine hohe Schneidfähigkeit, Elastizität und Bruchfestigkeit aus.

Ein weiterer Waffentypus war die "gaddare", ein Säbel mit schwach gekrümmter, breiter und einschneidiger Klinge. Der Säbel wurde am Gürtel oder an einem über die rechte Schulter führenden Gehänge getragen und galt als heilige Waffe, als Geschenk des Propheten. Gegenüber den Säbeln wiesen die Schwerter, so der "palas", meist gerade, zweischneidige Klingen auf, d.h. sie waren gleichzeitig Hieb- und Stoßwaffen.

Wesentlicher Teil der Ausrüstung waren selbstverständlich auch Dolche (hançar) oder Messer (bıçak) mit langen, geraden und spitz zulaufenden oder leicht gekrümmten, zweischneidigen Klingen.

Anderes Kriegswerkzeug gehörte zur Gattung der Schlagwaffen. So die Streitaxt (balta), die am Gürtel oder am Sattel in einer Schlaufe getragen wurde. Ebenso der Streitkolben (topuz) mit birnenförmigem, oft in mehrere Schlagblätter aufgefächertem Kopf. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Schlag- und Wurfwaffe zu einem Würdezeichen und war als solche auch Emblem der osmanischen Reiteroffiziere. Sogar vom Sultan selbst wurde ein Streitkolben getragen.

Größten Wert legten die Osmanen auch auf die kostbare Ausgestaltung sämtlicher Waffen. Blankwaffen waren mit sorgfältigen Gravuren oder komplizierten Ein- und Auflagetechniken in Silber und Gold dekoriert, sogar teilweise mit Edelsteinen besetzt.

Feuerwaffen bei den Osmanen
Die meisten Einheiten kämpften auch mit Feuerwaffen. Die Verwendung dieser aus dem Okzident übernommenen Waffen setzte sich im Osmanischen Reich mit einer Verspätung von etwa 50-70 Jahren durch. Seit dem Beginn des 16. Jh. erfuhren zuerst Musketen, ab der zweiten Hälfte des 16. Jh., Pistolen (tabanca) und Gewehre (tüfeng, tüfek) weite Verbreitung. Die Pistolen wurden paarweise in einem Doppelhalfter mitgeführt. Die Feuerwaffen gehörten vorwiegend zur Ausrüstung der Janitscharen, die Reiterei übernahm sie nur zögerlich und hielt an der alten Kampfweise mit Pfeil und Bogen fest. Berichten zufolge sollen die Kavalleristen während des Kampfgeschehens ihre Gewehre weggeworfen und zu Pfeil und Bogen gegriffen haben.

Die Handhabung von Feuerwaffen erschien den Osmanen wegen des hohen Gewichtes und des Rückstoßes umständlich. Zudem konnte man während des Feuerns lediglich ungenau zielen, so dass die Treffsicherheit gering war. Auch brauchte man lange Zeit um nachzuladen, was während des Kampfgeschehens kaum möglich war. Der Standard der Technik der im Osmanischen Reich gefertigten Gewehre und Schlösser - man kannte Lunten- oder Schnapphahnschlösser (Miqueletschlösser) und Steinschlösser - entsprach allerdings nie ganz europäischem Niveau. Daher wurden die Gewehrschlösser gelegentlich aus Europa importiert. Die Läufe der türkischen Feuerwaffen hingegen waren aus qualitätvollem Damaststahl gefertigt, sehr stabil, strapazierfähig und von großer Länge. Aufgrund dieser erzielten sie eine außergewöhnliche Tragweite von bis zu 300 m. Die europäischen Waffen sollen hingegen nur 225 m weit gereicht haben. Das Kaliber osmanischer Flinten schwankte zwischen 12 und 17 mm.

Die osmanische Artillerie
Auch die Artillerie war auf der Höhe der Zeit. Selbstverständlich benutze man die verschiedensten Katapultgeschosse und Wurfgeschütze. Ab dem 15. Jh. wurden Kanonen sowohl im Feld als auch bei der Belagerung von Städten und Festungen eingesetzt. Die größte Bronzekanone des 15. Jh., das sog. Dardanellengeschütz, das zur Verteidigung des Bosporus auf einer der dortigen Festungen aufgestellt war, wurde zur Zeit Mehmets II. (reg. 1451-1481) in Istanbul hergestellt. Das vom Waffenmeister Munir Ali gegossene Rohr besaß einen Durchmesser von 63 cm und eine Länge von 5.18 m. Mit 20 000 kg musste es von 50 Paar Ochsen und 700 Mann transportiert werden.
Delis/Österreichische Nationalbibliothek, Wien

Codex Vindobonensis, Nr. 20. Österreichische Nationalbibliothek, Wien
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Prunkvoll in die Schlacht
Waffen und Ausrüstung - Schwerter, Pfeile und Bögen, Rüstungen und Reitzeug - der osmanischen Krieger beeindrucken nicht nur aufgrund von Technik und Funktionalität, sondern auch durch Prunk und Schönheit.

 

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