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Blick in die Geschichte Badens
Vorgeschichte bis 1515/1535
Die im äußersten Südwesten des Deutschen Reichs gelegene Markgrafschaft Baden wurde seit dem frühen 12. Jh. von Angehörigen des Hauses Zähringen regiert, die sich nach ihrer oberhalb der Stadt gelegenen Burg "von Baden" nannten. Ihr Besitz bildete kein zusammenhängendes Territorium, sondern bestand aus zahlreichen verstreuten Ländereien. Die wichtigsten waren das Kernland mit den Orten Baden, Pforzheim und Durlach, die Herrschaft Hachberg (die Gegend um Emmendingen), die Herrschaften Sausenberg, Rötteln und Badenweiler (die Gegend von Lörrach bis Badenweiler), die abgelegene Grafschaft Sponheim (in der Nähe von Bad Kreuznach) sowie etliche kleinere Flecken.

1515 traf Markgraf Christoph I. die folgenschwere Entscheidung, diesen vielgliedrigen Besitz unter seinen Söhnen aufzuteilen. Seit 1535 gab es daher zwei badische Markgrafschaften, die sich in den nun folgenden zwei Jahrhunderten politisch und konfessionell auseinander entwickelten und dabei aufgrund ihrer Kleinheit zu zweitrangiger Bedeutung verurteilt waren.

Baden-Baden und Baden-Durlach bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges
Die Markgrafschaft Baden-Baden blieb (bis auf einige Unterbrechungen im 16. und frühen 17. Jh. ) katholisch und verfolgte eine kaisertreue Politik. Durch die prunkvolle Hofhaltung im Neuen Schloss zu Baden-Baden häuften sich schon im 16. Jh. gewaltige Staatsschulden an. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) gerieten die beiden badischen Markgrafschaften in einen direkten Gegensatz zueinander. Markgraf Wilhelm von Baden-Baden (1593-1677, der Großvater des Türkenlouis), war ein verlässlicher Partner der katholischen Liga und des Kaisers. In Wien hoch angesehen, erhielt er zahlreiche wichtige, zum Teil auch sehr lukrative Reichsämter.

Baden-Durlach (seit der Verlegung der Residenz von Pforzheim nach Durlach 1565 so genannt) hatte 1556 die Reformation eingeführt und war im Dreißigjährigen Krieg Mitglied der protestantischen Union. Markgraf Georg Friedrich (1573-1638) verlor als Verbündeter des "Winterkönigs" Kurfürst Friedrich von der Pfalz 1622 die wichtige Schlacht bei Wimpfen und dankte zugunsten seines Sohnes Friedrich V. von Baden (1594-1659) ab. Dieser verfolgte als enger Gefolgsmann Schwedens ebenfalls eine strikt antikaiserliche Politik.

Im Dreißigjährigen Krieg gehörte der Südwesten Deutschlands zu den am stärksten betroffenen Gebieten: mehr als die Hälfte der Bevölkerung kam ums Leben. Die Folgen dieses Krieges blieben in Baden über Generationen, etwa hundert Jahre lang, spürbar. Der Westfälische Friede 1648 beendete zwar den Krieg, legte zugleich aber die Saat für die künftigen Auseinandersetzungen am Oberrhein. Denn Frankreich erhielt im Elsass u.a. den Sundgau und die Vogtei, über zehn Reichsstädte sowie zwei wichtige Rheinfestungen, Breisach und das nahe Speyer gelegene Philippsburg zugesprochen. Damit war die aufsteigende Großmacht an den Oberrhein vorgerückt.

Baden-Baden und Baden-Durlach nach 1648 - Die Kriege mit Frankreich
Gerade ein Vierteljahrhundert war seit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges vergangen, da bedrohte die Expansionspolitik Frankreichs unter Ludwig XIV. (reg. 1661-1715) von 1672 bis 1714 in einer ganzen Reihe von Kriegen den Westen des Reiches, während im Osten der Türkenkrieg 1683-1699 die militärischen Kräfte band.
Diese neue für die beiden badischen Markgrafschaften gefährliche internationale Konfliktkonstellation ließ den innerbadischen Gegensatz zunehmend in den Hintergrund treten. Der Krieg, den Frankreich 1672-1678 gegen die Niederlande führte, brachte im deutschen Südwesten vor allem der Pfalz Zerstörungen. Philippsburg konnte 1676 zurückerobert werden. Das war der größte deutsche Erfolg in diesem Krieg, und an ihm wirkten nicht weniger als vier Mitglieder des Hauses Baden mit: Unter dem Oberbefehl Markgraf Friedrichs VI. von Baden-Durlach (1617-1677) sein Sohn Karl Gustav (1648-1703) sowie aus der baden-badener Linie Markgraf Hermann (1628-1691) und dessen junger Neffe Ludwig Wilhelm (der spätere "Türkenlouis"). Dieser erhielt als Belohnung für seine persönliche Tapferkeit den Auftrag, die Nachricht von der Einnahme der Festung Kaiser Leopold nach Wien zu überbringen - eine der glanzvollsten militärischen Laufbahnen der Epoche hatte begonnen.

In den folgenden Jahren (1679-1684) betrieb Ludwig XIV. mit dem Ziel, die Rheingrenze zu sichern, die sog. Reunionspolitik (franz. réunion = Wiedervereinigung): unter Berufung auf das mittelalterliche Lehnswesen annektierte er diejenigen Gebiete, die früher einmal von den 1648 und 1679 an Frankreich abgetretenen Territorien abhängig gewesen waren. Von Lüttich bis Basel kamen auf diese Weise etwa 600 Herrschaften und Orte in den Besitz Frankreichs. 1681 erkannte die Reichsstadt Straßburg unter dem Druck der Verhältnisse die französische Oberhoheit an. Baden war territorial zwar nur in seiner Grafschaft Sponheim betroffen, aber insgesamt hatte sich die Bedrohung aus dem Westen stark erhöht, vor allem durch den Ausbau der französischen Präsenz im Elsass.

Die Katastrophe brach 1688 mit dem sog. Pfälzischen Erbfolgekrieg (bis 1697) über Baden herein. Nach dem Tod des pfälzischen Kurfürsten 1685 machte Ludwig XIV. Erbansprüche für seinen Bruder Philipp von Orléans geltend, der seit 1671 mit der Schwester des Kurfürsten, Elisabeth Charlotte (bekannt als Liselotte von der Pfalz) verheiratet war. Die französischen Truppen besetzten in rascher Folge zahlreiche Städte in der Pfalz, in Württemberg und in Baden und richteten dabei verheerende Verwüstungen an, viele Orte wurden regelrecht eingeäschert. Der Dom von Speyer, das Heidelberger Schloss und Kloster Hirsau gingen in Flammen auf. In den badischen Markgrafschaften waren Pforzheim, Durlach, Baden-Baden, Ettlingen und Rastatt z.T. bis zur völligen Zerstörung betroffen. In manchen Regionen kam innerhalb kürzester Zeit mehr als ein Drittel der Bevölkerung ums Leben. Gegen die Hegemonialbestrebungen Frankreichs bildete sich unter der Führung des englischen Königs Wilhelm III. von Oranien eine internationale Koalition (die sog. Große Allianz), an der die Niederlande, Spanien und das Deutsche Reich teilnahmen. Während sich die Kämpfe auch auf andere Kriegsschauplätze, die Niederlande, Spanien und Norditalien, verlagerten, wurde das Kommando am Oberrhein 1693 Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden übertragen. Wenn seine Erfolge hier auch weniger glanzvoll als im Türkenkrieg blieben, so trug sein Einsatz doch dazu bei, dass 1697 im Frieden von Rijswijk (bei Den Haag) Ludwig XIV. erstmals ein Verlustfriede aufgezwungen werden konnte: Frankreich verzichtete auf alle Erbansprüche gegenüber der Pfalz und verlor Freiburg, Breisach und Kehl. Seine Gewinne im Elsass einschließlich Straßburgs aber wurden endgültig anerkannt.

Die badischen Markgrafschaften im Spanischen Erbfolgekrieg 1701-1714
Vier Jahre später unternahm Ludwig XIV. ein weiteres Mal den Versuch, die Vorherrschaft in Europa zu erreichen: er ließ seinen Enkel Philipp von Anjou zum König von Spanien ausrufen, nachdem der letzte Habsburger auf dem spanischen Thron, Karl II., gestorben war. Der daraus entstehende internationale Konflikt bedeutete für den deutschen Südwesten eine besondere Bedrohung, da er durch das Bündnis Frankreichs mit Bayern in eine gefährliche Umklammerung geraten war. Ludwig Wilhelm hatte zunächst den Oberbefehl inne, und es gelangen ihm auch Teilerfolge wie die Eroberung Landaus 1702, aber dann zwang ihn eine Kriegsverletzung in der Schlacht am Schellenberg bei Donauwörth 1704 zum Rückzug aus den Führungsaufgaben. Dazu kamen Auseinandersetzungen mit den anderen ehrgeizigen Feldherren, Prinz Eugen (1663-1736) und dem Herzog von Marlborough, John Churchill.

Auch das Verhältnis zum Kaiser war seit Jahren beschädigt. Zweimal hatte Ludwig Wilhelm während des vorigen Krieges in seiner Hoffnung, für seine Verdienste belohnt zu werden, schwere Enttäuschungen hinzunehmen: 1692, als bei der Vergabe der neunten Kurwürde das Haus Hannover vorgezogen wurde, und 1697, als er bei der Konkurrenz um die polnische Königskrone August (dem "Starken") von Sachsen unterlag. Standeserhöhung, das Ziel aller Barockfürsten, blieb ihm versagt. Sein Land aber wurde wiederholt in Auseinandersetzungen um auswärtige Interessen verwüstet. Die Botschaft seiner Rastatter Residenz als großartige Geste absolutistischer Selbstdarstellung war wohl nicht nur an Ludwig XIV., sondern auch an den Kaiser und die deutschen Fürsten gerichtet. Doch die realpolitischen Möglichkeiten der kleinen baden-badischen Markgrafschaft blieben weit dahinter zurück. Als Ludwig Wilhelm 1707 in seinem Schloss an den Folgen der Verwundung starb, hinterließ er ein durch Kriegsschäden, Schlossbau und Hofhaltung schwer verschuldetes Land. Sibylla Augusta (1675-1733) übernahm mitten im Krieg die Regentschaft für ihren unmündigen Sohn. Erst 1714 beendete der Friedensvertrag von Rastatt, im Schreibkabinett des Türkenlouis von Marschall Villars und Prinz Eugen unterzeichnet, den Krieg mit Frankreich.

Davon profitierte auch Baden-Durlach, das durch die Kriege noch stärker geschädigt war, da wegen der größeren Zersplitterung seiner Gebiete die französischen Eroberungen das Land regelrecht zerteilten. Der Markgraf von Baden-Durlach, Friedrich VII. Magnus (1647-1709), musste mehrfach aus seiner Durlacher Residenz fliehen und die Hofhaltung nach Basel verlegen, wo er ein Palais besaß. 1698 ließ er sich von dem für Ludwig Wilhelm in Rastatt tätigen Architekten Rossi ein neues Schloss für Durlach entwerfen, von dem aber wegen der neuerlichen Kriegshandlungen seit 1701 nur ein Flügel fertiggestellt wurde. Die beiden Fürsten, die über Jahrzehnte die relative Machtlosigkeit ihrer kleinen Markgrafschaften hatten erfahren müssen, begannen einen Erbvertrag zu entwerfen für den Fall, dass eine ihrer Linien aussterben sollte. Die Länder sollten dann unbedingt, wie Christoph I. es 1515 vorgesehen hatte, im Besitz des Hauses Baden bleiben.

Die badischen Markgrafschaften seit 1715-1771
Erst ein halbes Jahrhundert später wurden diese Verhandlungen wieder aufgenommen. Sibylla Augustas erfolgreiche Regentschaft endete 1727 mit der Volljährigkeit ihres Sohnes Ludwig Georg (1702-1761). Nachdem dieser ohne männliche Nachkommen gestorben war, residierte sein Bruder August Georg (1706-1771) im Rastatter Schloss. Beide Brüder waren keine besonders innovative Regenten; an die Erfolge ihrer Mutter bei der Sanierung der Staatsfinanzen konnten sie nicht anknüpfen.

Ganz anders hatte sich Baden-Durlach entwickelt: Markgraf Karl Wilhelm (1679-1738) beschloss, das enge, kriegszerstörte Städtchen zu verlassen und gründete 1715 in einem zukunftsweisenden Akt eine neue Residenzstadt: Karlsruhe. Unter seinem ab 1746 regierenden Enkel Karl Friedrich (1728-1811) nahm die Markgrafschaft dank seiner aufgeklärten Reformpolitik einen gewaltigen Aufschwung. 1765 schloss er mit August Georg den Vertrag, der den sich inzwischen abzeichnenden Erbfall regeln sollte. Denn die Ehe des Rastatter Markgrafen war kinderlos geblieben, während im Karlsruher Schloss drei kleine Prinzen aufwuchsen. Mit dem Tod August Georgs 1771 kam es dann zur Vereinigung der beiden badischen Markgrafschaften. Karl Friedrich regierte nun über ein etwa doppelt so großes Gebiet wie zuvor und hatte vor allem angesichts der gewaltigen Schulden, die der Rastatter Hof hinterließ, zahlreiche Herausforderungen zu bestehen. Dank der konsequenten Fortsetzung der modernen, in religiösen Dingen toleranten Politik des weit über die Landesgrenzen hinaus hochgeachteten Fürsten, gelang die Integration der beiden Landesteile, die aber nach wie vor kein zusammenhängendes Herrschaftsgebiet bildeten.

Ausblick
Das entstand erst, als nach den Kriegen, die der Französischen Revolution folgten, Baden für seine geringen linksrheinischen Verluste reich entschädigt wurde. Durch das Bündnis mit Napoleon und dank der verwandtschaftlichen Beziehungen zum russischen Zarenhaus gelang Karl Friedrich zwischen 1802 und 1810 etwa eine Vervierfachung des badischen Territoriums. Baden wurde 1803 nach dem Reichsdeputationshauptschluss Kurfürstentum und 1806, nach dem Ende des Deutschen Reiches, Großherzogtum. Nach dem Russlandfeldzug Napoleons1812, bei dem auch mehr als 6000 badische Soldaten ihr Leben verloren, wechselte Baden 1813 gerade noch rechtzeitig das Bündnis, um die enormen Gebietsgewinne auf dem Wiener Kongress 1814/15 dauerhaft garantiert zu bekommen. Baden hatte sich zu einem souveränen Mittelstaat entwickelt, der siebtgrößte von 38 deutschen Staaten. Die 1815 festgelegten Grenzen sollten bis ins 20. Jh. Bestand haben.
Schloss Durlach/Generallandesarchiv, Karlsruhe

Lithographie von P. Wagner, nach dem Idealplan von D. E. Rossi 1698. Generallandesarchiv, Karlsruhe (Inv. HfK, Bd. XXVIII, Nr. 6)
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Exponate:
Kürass und Sturmhaube
Personen:
August Georg von Baden
Bernhard Gustav von Baden
Friedrich I. von Baden
Ludwig Georg Simpert von Baden
Leopold I. von Habsburg
Franziska Sibylla Augusta
Themen:
Schloss Rastatt - Die Residenz des Türkenlouis
Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden
Themenreisen:
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Klein aber oho
Zwei Dynastien badischer Markgrafen - das Haus Baden-Baden und die Linie Baden-Durlach - regierten die badischen Lande erfolgreich während vieler Jahrhunderte.

 

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