Themenkreis: Der Türkenlouis
Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden
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Jugendbildnis Markgraf Ludwig Wilhelms/Staatliche Kunsthalle, Karlsruhe     Matthäus Merian d.J. (1621-1669), Pastellzeichnung, 1669. Staatliche Kunsthalle, Karlsruhe (Inv. I 555/47/11)

Kindheit und Jugend Ludwig Wilhelms
Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden wurde am 8. April 1655 in Paris, im Hôtel de Soissons geboren. Sein Vater war Markgraf Ferdinand Maximilian von Baden, seine Mutter Luisa Christina von Savoyen-Carignano (1627-1689), eine französische Prinzessin aus dem Hause Bourbon. Als Taufpate des badischen Erbprinzen, dem dieser auch seinen ersten Vornamen verdankte, fungierte der Sonnenkönig, Ludwig XIV. von Frankreich (reg. 1643-1715).

Die Ehe seiner Eltern, eine Verbindung aus rein dynastischen Gründen - sie sollte wahrscheinlich den badischen Markgrafen die Geneigtheit des benachbarten Frankreich erhalten - schien nicht sehr glücklich gewesen zu sein. Maria Christina weigerte sich, Versailles zu verlassen und ihrem Gatten ins “neblige und kalte Germanien“ zu folgen, um dort in der bescheidenen Baden-Badener Residenz am Rande des Schwarzwaldes zu leben. So musste der bitter enttäuschte Markgraf schließlich allein mit seinem vier Monate alten Stammhalter heimkehren. Seine Frau sollte er nicht mehr wiedersehen, und niemals begegnete der Sohn seiner Mutter. Da Ludwig Wilhelm auch den Vater in früher Jugend verlor - er kam 1669 bei einem Jagdunfall ums Leben - übernahm sein Großvater, Markgraf Wilhelm von Baden (1593-1677), die Erziehung des Knaben. Dieser schickte ihn bereits als Fünfzehnjährigen mehrere Jahre auf “Kavalierstour“. Seine Reisen führten den jungen Ludwig Wilhelm ins Ausland, nach Frankreich und Italien, aber auch an verschiedene deutsche Höfe. Sie dienten aber nicht dem Vergnügen, sondern der Bildung, der badische Erbprinz sollte sich an seinen Zielorten in allerhand “fürstlichen exercitien undt studien, alss fürnehmblich in dialecitca, Institutionibus Juris, reiten, fechten, danzen, exercierung der Sprachen, mathematica, fortificatio, visiten der academien undt gueten Discursen sich occupieren“.

Ludwig Wilhelm wuchs in der kaisertreuen Tradition des Hauses Baden auf und wurde früh an den Kriegsdienst herangeführt. Bereits als Neunzehnjähriger trat er als Volontär in die kaiserlich-österreichische Armee ein, wo er eine militärische Ausbildung erhielt. Im Alter von 22 Jahren übernahm er 1677, nach dem Tode seines Großvaters, die Regentschaft in Baden.

Die militärische Karriere des Markgrafen in den Türkenkriegen
In den Feldzügen der kaiserlichen Armee bewährte sich der junge Markgraf als Kämpfer, den sowohl Kühnheit als auch Umsicht auszeichneten. So führte er z.B. 1683 bei der Befreiung Wiens von den Türken als Generalwachtmeister ein Dragonerregiment an jenem Flügel des Heeres, dem der Einbruch in die osmanischen Belagerungslinien gelang. In den folgenden beiden Jahrzehnten absolvierte Ludwig Wilhelm eine glanzvolle militärische Karriere, da er dank seiner herausragenden Leistungen kontinuierlich befördert wurde. Überaus rasch stiegen Ansehen und Ruhm des Markgrafen bei der Truppe und beim Kaiser, der ihn schließlich 1686 zum Feldmarschall beförderte und 1689 mit dem Oberkommando am östlichen Kriegsschauplatz betraute. In Osteuropa gelang es Ludwig Wilhelm, im Türkenkrieg zwischen 1683 und 1691, in über zwanzig Schlachten (u.a. bei Ofen/Buda, Neuhäusel, Mohács, Nissa, Widin, Großwardein, Slankamen) die osmanischen Streitkräfte immer weiter zurückzudrängen, bis fast ganz Ungarn, Siebenbürgen und weite Landstriche Serbiens und der Walachei befreit waren.

Seinen Erfolg - nicht selten war sein Heer den Osmanen zahlenmäßig unterlegen und er erfocht den Sieg unter ungünstigsten Umständen - verdankte der Türkenstreiter seinen imponierenden Fähigkeiten als Taktiker und Stratege, aber auch seinem persönlichen Einsatz im Kampf, seinem Mut und der Fähigkeit, die Kampfmoral seiner Truppen zu motivieren. Dem charismatischen Markgrafen sagte man Tapferkeit und Kühnheit, aber gleichzeitig auch Umsicht und Gelassenheit, Scharfsinn und Festigkeit nach. Er sollte als Feldherr historischen Formats, als einer der großen Verteidiger des Abendlandes gegen die Osmanen in die europäische Geschichte eingehen.

Die Heirat mit Sibylla Augusta
Die militärischen Leistungen errang Ludwig Wilhelm auch in anderer Hinsicht nur durch persönliches Risiko und Opfer. Während er auf dem Balkan den Oberbefehl gegen die Osmanen führte, verwüsteten die französischen Truppen des Sonnenkönigs im inzwischen ausgebrochenen Pfälzischen Erbfolgekrieg seine Heimat, die badischen Lande und 1689 seinen Stammsitz in Baden-Baden.

Vielleicht nicht zuletzt dieses Verlustes wegen vermittelte Kaiser Leopold I. (1640-1705) seinem verdienstvollen Feldherrn eine einträgliche Heirat. So schickte er ihn, zusammen mit seinem Vetter Prinz Eugen von Savoyen (1663-1736), der gemeinsam mit dem Markgrafen in so manchem Gefecht gekämpft hatte, 1690 zur Brautwerbung nach Schloss Schlackenwerth, dem böhmischen Stammsitz des kurz zuvor verstorbenen Herzogs Julius Franz von Sachsen-Lauenburg (1641-1689). Dessen beide Töchter, verwaiste Erbinnen eines reichen Besitztums und Mündel des Kaisers, hatte dieser seinen beiden Türkenstreitern als Gattinnen zugedacht. Entgegen der Abmachung - ihm war eigentlich die ältere Tochter bestimmt - verliebte sich Ludwig Wilhelm gleichsam auf den ersten Blick in das jüngere der beiden Mädchen, die fünfzehnjährige Sibylla Augusta (1675-1733). Wenige Wochen später heirateten die beiden. Dass Sibylla Augusta seine Liebe auf innige Weise erwiderte, und mit Zuneigung und Bewunderung zu ihm aufblickte, geht aus einem Brief an ihren Großvater hervor, in dem sie beklagt, "ihren allerlibsten Hern", für den sie "ein solche lib" hatte, aufgrund des andauernden Krieges im Sommer 1691 nur "gar eine khurze Zeit" gesehen zu haben.

Der Triumph bei Slankamen
Schon kurz nach der Eheschließung musste Ludwig Wilhelm wieder gegen die Osmanen ins Feld ziehen. Einen der Höhepunkte seiner militärischen Laufbahn markierte der Triumph in der Schlacht von Slankamen 1691. Aufgrund dieses Sieges ernannte Kaiser Leopold den 36-jährigen zum Generalleutnant, d.h. zum Oberkommandierenden aller kaiserlichen Truppen. Diesen Titel, den höchsten militärischen Rang überhaupt, hat das Haus Habsburg insgesamt nur fünfmal verliehen. Der spanische König Karl II. (reg. 1665-1700) zeichnete ihn mit dem Orden vom Goldenen Vlies aus, auf den Ludwig Wilhelm so stolz war, dass er ihn auf seiner Rüstung eingravieren ließ.

Zahlreiche Medaillen kündeten von den siegreichen Unternehmungen des Badeners und feierten ihn als “Schild des Reiches“. Seine Siege brachten ihm den volkstümlichen Namen “Türkenlouis“ ein. Sein fast vollendetes Werk 1699 mit dem Frieden von Karlowitz zu beschließen, blieb jedoch dem Savoyer Prinz Eugen vorbehalten, der ihm als Oberkommandierender der habsburgischen Armee nachfolgte.

Die Rückkehr in die Heimat
Denn im Zenit seines militärischen Erfolgs wurde Ludwig Wilhelm aus den Türkenkriegen abberufen. Leopold I. erteilte ihm 1692 den Oberbefehl über die Armeen am Oberrhein. Hier hatte Ludwig XIV., der Patenonkel Ludwig Wilhelms, den Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) angezettelt. Für seine Schwägerin Elisabeth Charlotte von Orléans, genannt Liselotte von der Pfalz (1652-1729), machte er, nach dem Tode ihres Bruders, des Kurfürsten Karl (gest. 1685), Erbansprüche auf die Pfalz geltend und eröffnete den Krieg mit der Verwüstung pfälzischer und badischer Territorien. Dem Türkenlouis gelang es jedoch, das weitere Vordringen der Franzosen zu verhindern und diese aus Süddeutschland hinauszudrängen. 1697 musste Frankreich im Frieden von Rijswijk auf seine rechtsrheinischen Eroberungen verzichten.

Die Residenz in Rastatt - Das badische Versailles
Zusammen mit Ludwig Wilhelm übersiedelte auch Sibylla Augusta 1693 nach Deutschland. Zuvor, während der ersten Ehejahre, hatte das Paar auf Schloss Schlackenwerth in Böhmen - der Heimat Sibylla Augustas - residiert. Da der Stammsitz der badischen Markgrafen, das Baden-Badener Schloss, zerstört war, waren die beiden gezwungen, ihren Wohnort nun häufig zu wechseln, hielten sich in Schlackenwerth, Günzburg, Augsburg, Nürnberg oder Ettlingen auf.

1699 entschied sich Ludwig Wilhelm, der auch versuchte, den Wiederaufbau der Städte seines kriegsgeplagten Landes zu fördern, zum Bau eines neuen Residenzschlosses. Als Ort wählte er Rastatt, das er zur Stadt erheben ließ. Unter Leitung des Architekten Domenico Egidio Rossi (1679-1715) begann i.J. 1700 der Bau einer neuen Residenz in Rastatt. Diese stellte das erste deutsche nach dem Vorbild des französischen Versailles gebaute Schloss dar. Die gewaltige Dreiflügelanlage wurde durch eine Garten- und Stadtplanung ergänzt. Die Stadt mit ihren neuen axialen Straßenverläufen und Modellhäusern wurde in die architektonische Gesamtkonzeption mit einbezogen. Auch eine riesige Festungsanlage wurde errichtet. Die Kosten für das gesamte Projekt waren immens und betrugen 12 Millionen Gulden. Da sich auch eigene Vorstellungen Ludwig Wilhelms in Bezug auf das Aussehen des Schlosses in dessen Gestaltung niederschlugen, geriet es zu einer großartigen Geste absolutistischer Selbstdarstellung, dem Repräsentationsbedürfnis eines Barockfürsten entsprechend. Da ihm außerdem der Bau zu langsam vonstatten ging, bezog er bereits 1705 mit seiner Familie einen Seitenflügel des noch nicht fertig gestellten Gebäudes, das erst zwei Jahre später, nach seinem Tod, vollendet werden sollte.

Der Zank mit Kaiser Leopold I.
In den 90er Jahren verstrickte sich der Türkenlouis zunehmend in Auseinandersetzungen mit dem österreichischen Kaiser. Wie alle Barockfürsten strebte auch der Badener nach Standeserhöhung. Zunächst bewarb er sich um die Würde des neunten deutschen Kurfürsten. Doch Kaiser Leopold I. zog seinem Feldherrn den Welfen Ernst August von Hannover vor, denn das Haus Hannover stellte eine Mittelmacht dar, während Baden-Baden nur ein Kleinstaat war.

Aus Revanche trat Ludwig Wilhelm1693 dem Fürstenbündnis für die “deutsche Freiheit und Wohlfahrt des Reichs“ bei, einer Interessengemeinschaft, die künftig einstimmig auftreten wollte. Der vor Wut schäumende Kaiser ließ ihm daraufhin durch seinen Hofkanzler eine überaus deutliche Verwarnung zukommen. Ludwig Wilhelm quittierte dies mit der Bemerkung man wolle aus den Fürsten “Güllebauern und Sklaven“ machen. Zudem ironisierte er: “Auch ist mir solches gar nichts Neues, indeme mein Seliger Vetter Printz Hermann sowohl alß ich, des Kayserlichen Ministerii undanckbahrkeiten und Unbilligkeiten gegen Unserer persohnen und unser Hauß schon längstens gewöhnet.“

Seine zwiespältige Rolle als kaiserlicher Generalleutnant und souveräner Reichsfürst, die ihm Leopold I. nicht abnehmen wollte, brachte ihn aber noch in einen weiteren Konflikt mit dem Kaiser. 1696 kandidierte Ludwig Wilhelm - neben zahlreichen anderen Prätendenten - für die polnische Königskrone. Da er aber alles andere als ein willfähriger Parteigänger des Kaisers war und außerdem nicht über die notwendigen Bestechungsgelder verfügte, ging auch dieser Traum nicht in Erfüllung, und so konnte sich August der Starke die Krone Polens kaufen.

1699 brach der Zank um den Kurhut erneut auf, und die Streitigkeiten mit dem Kaiser nahmen dramatische Ausmaße an. Wieder einmal hatte Leopold I. den Türkenlouis in seinem Bemühen um Standeserhöhung im Stich gelassen und ihm die Kurfürstenwürde vorenthalten. Bitter resümierte Ludwig Wilhelm, außerordentlich erbost über die Illoyalität seines kaiserlichen Dienstherrn, in einem Brief vom 29. August 1699 “dass alle Churfürsten dass reichs unter Ihro kay. May. Glorwürdigsten Regierung gewachsen, Ihre Häußer vergrößert, und sich bereichert. Ich hingegen Mein Hauß in Ihro Kay. May. Diensten ruinirt und destruirt, auch Landt und Leute abbrennen lassen“. Fast kam es zum endgültigen Zerwürfnis mit dem Kaiser, denn der Markgraf hatte die “Ungnaden“ und “undanckbahrkeiten“ des Habsburgers über. Er bat um Entlassung aus allen Ämtern und wollte fortan nur noch in seinem “kleinen fürstenthunb“ Baden leben. Selbst als ihm daraufhin der kaiserliche Hof mit harten Sanktionen, mit Konfiskation seiner böhmischen Besitzungen, gar mit Verhaftung drohte, ließ sich Ludwig Wilhelm aber nicht einschüchtern und meinte, das sei “recht lächerlich“. Der enttäuschte Türkenlouis traute sich gar, Leopold I. unverhohlen zu drohen, indem er im sich anbahnenden Konflikt zwischen Habsburg und Frankreich um die spanische Erbfolge laut über seine Neutralität und die des schwäbischen Reichskreises nachdachte. Außerdem setzte er den Kaiser davon in Kenntnis, dass Ludwig XIV. selbst sich bei ihm erkundigt habe, wie sich Baden im Kriegsfall zu verhalten gedenke. Auf der Suche nach Verbündeten blieb dem Habsburger nun nichts übrig als den zuvor noch als Verräter beschimpften Ludwig Wilhelm um seine Dienste zu bitten. Mit reichlich finanziellen und territorialen Zugeständnissen gelang es Leopold I. schließlich, seinen vernachlässigten Feldherrn, der sich gehörig bitten ließ, so weit zu beschwichtigen, dass er sich auf die Seite seines Kaisers stellte. Doch die Entfremdung zwischen beiden blieb bestehen.

Die politischen Misserfolge hatten das letzte Lebensjahrzehnt des Türkenlouis verbittert, anstatt “verhoffender glorie und Einiger erkandtnus“ war sein Lohn, wie er sich i.J. 1700 selbst eingestehen musste - “nichts anderst alß die Kaiserlichen Ungnaden“.

Die letzten Lebensjahre Ludwig Wilhelms
1701 kam es beim Tod König Karls II. zum Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges. Das mit Großbritannien, den Niederlanden und deutschen Staaten verbündete Österreich, wollte den französischen Prinz Philipp V. (1683-1746) nicht als Nachfolger des letzten spanischen Habsburgers anerkennen, um so die drohende Vormacht der Bourbonen in Europa abzuwenden. So zog der Markgraf erneut mit der habsburgischen Armee für den Kaiser ins Feld, wiederum gegen die Franzosen. 1704 bestritt der Türkenlouis mit dem siegreichen Gefecht in der Schlacht am Schellenberg bei Donauwörth den letzten der insgesamt 56 Schlachteinsätze seines Lebens. Allerdings zog er sich eine Verwundung zu, die nicht mehr heilen wollte. An ihren Folgen starb Ludwig Wilhelm 1707 im Alter von erst 52 Jahren in seinem Schloss in Rastatt, wahrscheinlich in einem jener Räume, in denen sich heute das Wehrgeschichtliche Museum befindet.

Beigesetzt wurde der Markgraf, dessen Herz und innere Organe im nahegelegenen Kloster Lichtenthal bestattet wurden, in der Gruft seiner Vorfahren in der Stiftskirche von Baden-Baden. Hier kennzeichnet noch heute ein pompöser, von seinem Sohn und Nachfolger Ludwig Georg Simpert (1702-1761) errichteter Epitaph die Grabstätte des Türkenlouis und erinnert an seine Siege über die Osmanen.

Die Persönlichkeit Ludwig Wilhelms
Ludwig Wilhelm muss als Barockfürst eine imponierende Erscheinung gewesen sein: äußerlich attraktiv, begabt und intelligent. Er war nicht nur mit militärischen Talenten gesegnet, sondern besaß auch politischen Sinn, allerdings wenig diplomatisches Geschick - darauf schien er auch keinen Wert gelegt zu haben. Emotional, ja geradezu jähzornig, verfocht er konsequent seine eigenen Interessen. Sich gegen seinen Willen einer Autorität zu beugen - auch wenn es die kaiserliche war - ließen sein unruhiger Geist und sein bis zur Anmaßung gehendes Selbstbewusstsein nicht zu. Zwar war er durchaus aufsässig, aber ehrlich und bis zum Ende seines Lebens seinem Dienstherrn Habsburg gegenüber loyal, auch wenn dieser ihm die gebührende Anerkennung vorenthielt. Die Standarte des Markgrafen mit dem Wahlspruch “Die mutige Kraft verjagt und zerschlägt das Schwierige“ lässt viel von seinem Charakter erahnen.

Was ihn zu einer interessanten Persönlichkeit macht, ist der tragische Gegensatz zwischen seinen militärischen Erfolgen und dem Scheitern seiner persönlichen Ambitionen als Reichsfürst. Zeit seines Lebens blieb ihm die Aufnahme in den Hochadel versagt, und seine einst gefeierten Taten fielen schnell der Vergessenheit anheim. Nach langwierigen und aufreibenden Kämpfen brachten schließlich Verwundung, Krankheit und vorzeitiger Tod den Markgrafen zuletzt einmal mehr um den verdienten Lohn. Er erlebte weder die Fertigstellung seines Residenzschlosses in Rastatt noch das Ende des Spanischen Erbfolgekrieges oder den Rastatter Frieden 1714.

Auch sein Privatleben blieb von Schicksalsschlägen nicht verschont. Das Familienglück mit Sibylla Augusta wurde davon überschattet, dass von den insgesamt neun Kindern des Paares sechs bereits im Kindesalter starben und der Erbprinz ein zurückgebliebenes Sorgenkind war. Zwar führte seine Frau, die er in seinem Testament zur Oberregentin Badens ernannt hatte, für ihren unmündigen Sohn zwei Jahrzehnte lang die Regierungsgeschäfte so erfolgreich, dass das von Kriegsschäden ruinierte und aufgrund der ständigen Abwesenheit seines Landesherren vernachlässigte Baden aufblühte, die Finanzen saniert, Kunst und Bildung gefördert wurden. Doch hinterließ sein letztlich regierender Sohn August Georg (1706-1771) keine Nachkommen, so dass die Markgrafschaft von Baden-Baden schließlich 1771 mit dem Haus Baden-Durlach vereinigt wurde.