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Die Schlacht von Slankamen
Die Zeit zwischen Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre des 17. Jh. markierte für das Haus Habsburg eine kritische Phase in den Auseinandersetzungen mit den Osmanen. Nach dem Ausbruch des Pfälzischen Erbfolgekrieges (1688-1697), der einen erheblichen Teil der militärischen Kräfte im Kampf gegen König Ludwig XIV. von Frankreich (reg. 1643-1715) band, war man zu einem Zweifrontenkrieg gezwungen. Dadurch war der Angriffsschwung gegen die Türken ins Stocken geraten. In Siebenbürgen und Serbien hatte man gerade erst eroberte Gebiete wieder an die Osmanen verloren. Die Schlagkraft der türkischen Heere hingegen hatte sich unter dem neuen Großwesir Fazıl Mustafa Köprülü (reg. 1689-1691) vorübergehend konsolidiert.

Angesichts dieser bedrohlichen Lage erkannte Kaiser Leopold I. (reg. 1658-1705) in Wien, dass er seine Bemühungen im Krieg gegen die Osmanen intensivieren musste. Die Beschwerden des 1689 zum Oberbefehlshaber an der Türkenfront ernannten Markgrafen Ludwig Wilhelm, der über die Miniarmee des Kaisers und die mangelnden Vorbereitungen der Feldzüge schimpfte, fanden endlich Gehör. Für den geplanten Feldzug des Jahres 1691 wurden 20 000 neue Soldaten angeworben und das Heer zusätzlich durch Bündnistruppen aus Bayern (2 000 Mann) und Preußen (6 000 Mann) unterstützt. So kamen schließlich etwa 85 000 Mann zusammen. Auch die Türken führten 1691 eine gewaltige Streitmacht ins Feld. Das türkische Heer besaß eine Stärke von 90 000 Soldaten mit 70 000 Pferden, 5 000 Kamelen, führte 25 000 Zelte mit und wurde von mehreren tausend Knechten sowie einer großen Anzahl von Dienern, Sklaven und Handwerkern begleitet.

Die Vorbereitungen zur Schlacht
Im Juni 1691 sammelten sich die feindlichen Heere, die Kaiserlichen bei Ofen, die Osmanen bei Belgrad. Die Österreicher rückten zunächst bis nach Esseg vor. Hier traf im Juli Markgraf Ludwig Wilhelm ein und übernahm das Kommando. Grund für seine Verspätung war die Gesundheit des Markgrafen, die durch die aufreibenden, stets unter schwierigsten Bedingungen stattfindenden Kämpfe schwer angeschlagen war. Zunächst marschierte er mit seiner ca. 50 000 Mann starken Armee nach Peterwardein. Hier blieb er bis zum 3. August und errichtete mit Hilfe der Donauflotille eine Versorgungsbasis. Währenddessen waren die Türken, die unter dem Kommando Mustafa Köprülüs standen, bis nach Semlin gezogen, das im Winkel zwischen Savemündung und Donau gelegen war. Dort hatte der Großwesir, der von französischen Offizieren beraten wurde, mit deren Hilfe ein vorzüglich verschanztes und mit großen Geschützen versehenes Lager errichten lassen. Diesem näherte sich am 4. August das kaiserliche Heer in geschlossener Schlachtordnung, ununterbrochen von der osmanischen Reiterei umschwärmt. Vor dem unangreifbaren Lager der Türken erwartete Markgraf Ludwig Wilhelm zwei Tage in Schlachtordnung vergeblich den feindlichen Angriff.

Zu diesem Zeitpunkt hatten beide Seiten, vor allem jedoch Habsburg, bereits erhebliche Verluste durch Scharmützel im Vorfeld aber auch durch Krankheiten und Epidemien zu verzeichnen. Die Ausfälle im kaiserlichen Heer - die Zahl der Kranken hatte bereits Ende Juli über 5 000 Mann betragen - nahmen aufgrund der anhaltenden Hitze und der mangelnden Versorgung allmählich katastrophale Ausmaße an. Da sich wegen der gewaltigen Stärke der osmanischen Truppen ein Angriff auf das befestigte Lager als unmöglich erwies, wollte der Markgraf durch eine Rückwärtsbewegung den Feind aus der Reserve locken. Daher postierte er seine Armee bei dem nordwestlich von Belgrad an der unteren Donau, gegenüber der Theißmündung, gelegenen Slankamen. Hier hatte die Armee, deren Front nach Süden gerichtet war, die Donau im Rücken, links und rechts war sie angelehnt an die Festungsanlagen von Slankamen bzw. an die Ausläufer eines Gebirgszuges. In dieser Position glaubte Ludwig Wilhelm der osmanischen Streitmacht gewachsen zu sein. Der Großwesir folgte tatsächlich den sich scheinbar Zurückziehenden, aber nicht, um die Kaiserlichen in der erwarteten Stellung anzugreifen. Statt dessen konterte er, da er sein Heer nach europäischer Art zu manövrieren wusste, mit einer Finte. Genau wie es Ludwig Wilhelm bei Nissa getan hatte, umging er nun in zwei überraschenden Nachtmärschen in weitem Bogen das feindliche Heer und stand am 18. August auf einem Höhenzug in dessen rechter Flanke. Diese Position, die sogleich verschanzt wurde, lag auf der Rückzugslinie des Markgrafen.

Zugleich gelang es der osmanischen Flotte, einen dringend benötigten Versorgungstransport der Österreicher abzufangen, d.h. die Nachschublinie auf der Donau zu unterbrechen und die Verbindung zum Lager des Großwesirs herzustellen. Da die kaiserliche Armee nun einerseits von ihrer Versorgung abgeschnitten, ihr andererseits der Rückzug verbaut war, wurde ein Gefecht unausweichlich.

Der Verlauf der Schlacht
Diese nicht nur gefährliche, sondern geradezu verzweifelte Lage zwang den Markgrafen zur Schlacht. Mit verkehrter Front hatte er sich gegen den verschanzten und von seinen Reitermassen sowie der Donau gedeckten Feind zu wenden. Sein Plan sah eine Umgehung des rechten türkischen Flügels vor, die gleichzeitig von einem starken Angriff auf das Lager des Feindes sowie auf dessen unterhalb in der Ebene aufgestellte Reiterei unterstützt werden sollte. Die Gefechtsstärken beider Seiten waren inzwischen erheblich gesunken, so dass die Kaiserlichen mit ca. 33 000 und die Türken mit 55 000 Mann antraten. Bis drei Uhr am Nachmittag des 19. August marschierte die kaiserliche Armee gegenüber der osmanischen Stellung auf. Dem türkischen Lager auf den Höhen an der Donau stellte der Markgraf fast seine gesamte Artillerie sowie ein Korps Infanterie von 20 Bataillonen entgegen. Das Zentrum bildeten die Brandenburger sowie ein Teil der Kavallerie. Als linker Flügel wurde die Masse der Kavallerie eingesetzt, gemischt mit Fußvolk, um mehr Festigkeit gegen die türkische Reiterei zu besitzen. Dieser linke Flügel hatte die wichtige Aufgabe, die osmanischen Reiter zurückzudrängen, zu überflügeln und in das Lager seitwärts einzudringen.

Sofort nach Beginn der Schlacht entwickelte sich ein verlustreiches Infanteriegefecht um die Lagerbefestigungen. Ludwig Wilhelm versuchte vergebens, die Verschanzungen sturmreif zu schießen. Der dreimalige Angriff der kaiserlichen Infanterie brach sich am schweren osmanischen Geschützfeuer und der Übermacht der aus dem Lager hervorbrechenden Janitscharen. Die Gegenangriffe dieses Elitekorps, die ein Blutbad unter dem habsburgischen Fußvolk anrichteten, konnten nur mit Mühe und durch den beständigen Einsatz des konzentrierten Artilleriefeuers zurückgeschlagen werden. Stundenlang währte der mörderische Kampf.

Während der linke Flügel nur mühsam durch das schwierige Gelände vorankam, drohte auf der rechten Seite die Verbindung zwischen der großen Batterie und dem Infanteriekorps abzureißen. Der rechte Flügel der Habsburger wurde zurückgeschlagen und fast ganz aufgerieben. In diese Lücke stießen die Sipahis, um die kaiserliche Front aufzubrechen. Nur dem persönlichen Eingreifen Ludwig Wilhelms und der Standhaftigkeit der Brandenburger gelang es, die auseinander gekommenen Heeresteile wiederzuvereinigen und die Schlachtordnung aufrechtzuerhalten. Um den Flügelangriff zu beschleunigen, führte nun der Markgraf die Reiterei des linken Flügels ohne die langsamere Infanterie vor und schwenkte gegen die Flanke der Türken.

Schließlich gelang der Einbruch in die donauaufwärts befindliche offene Flanke des osmanischen Lagers. Dies war das entscheidende Manöver: Die türkische Armee wurde vor und in ihrem Lager gleichsam eingeschlossen, mitsamt ihrer dorthin geflohenen Reiterei. Die Kaiserlichen gingen nun von allen Seiten gegen das Lager vor. Die Janitscharen hinter ihren Schanzen konnten den Durchbruch nicht verhindern und wurden - so zeitgenössische Berichte - “bis auf den letzten Mann in Stücke gehauen“. Der Großwesir Fazıl Mustafa Köprülü, der sich aus dem Zentrum zu den Janitscharen gerettet hatte, fiel in dem nun ausbrechenden Getümmel. Die Janitscharenkapelle, die bisher ununterbrochen gespielt hatte, wollte ihm zu Hilfe eilen. Doch das Aussetzen der Feldmusik wurde von den kämpfenden Osmanen als Signal der Flucht gedeutet, und allgemeine Panik brach aus. Die Schlacht endete während der hereinbrechenden Nacht mit einem fürchterlichen Gemetzel im osmanischen Lager. Nur den Sipahis gelang die Flucht, die Infanterie und die osmanischen Generäle und Würdenträger, unter ihnen der Serasker, der Janitscharenağa, weitere Wesire sowie die Masse der 15 000 Janitscharen, starben zu Tausenden. Die Verluste waren auf beiden Seiten groß: neben den 20 000-25 000 Türken blieben auch 5 000 Kaiserliche auf dem Schlachtfeld. Doch Ludwig Wilhelm hatte die Osmanen vernichtend geschlagen. Der dramatische Kampf bei Slankamen war eine der Entscheidungsschlachten dieses Türkenkriegs.

In einem Brief berichtete der Markgraf den dramatischen Hergang des Kampfes dem Kaiser. Er “glaube nicht, dass in diesem Seculo ein schärferes und blutigeres Gefecht vorbeigegangen, in dem die Türken wie verzweifelte Leut gefochten und mehr als ein Stund lang sozusagen die Victori in Händen gehabt“. Im zerstörten Osmanenlager bot sich den Siegern ein Bild des Grauens. Zahllose Tote, “Menschen, Pferdt, Essel und Camehl hoch übereinander gelegen“, schrieb der Markgraf an seinen Onkel Hermann. Die geflohenen Feinde hatten überdies ihre gesamte Habe zurückgelassen, so dass den Europäern reiche Beute in die Hände fiel: 154 Kanonen, 10 000 Zelte, 5 000 Pferde, daneben tausende von Kamelen und Büffeln sowie die gesamte türkische Kriegskasse, 54 Kisten mit Kupfermünzen. Angeblich befanden sich unter den von Ludwig Wilhelm mit nach Hause gebrachten Trophäen auch die osmanischen Fahnen sowie die Rossschweife des Großwesirs und anderer gefallener Würdenträger. Dazu Ludwig Wilhelm in seiner Meldung an Kaiser Leopold: “ ... Euer K.M. haben zum Zeichen Dero Victori Hundert Vier und Fünfzig, wie die beylag zeiget, allerhand groß und Kleine metallene Stuck, Sehr vill Fahnen, worunter des groß Vezier und aller Bassa Haupt Fahnen, und das ganze Lager Sambt Camel und maulthiern erobert ...“

Die Bedeutung der Schlacht
Die Schlacht von Slankamen war eine taktische Meisterleistung. Sie war dem persönlichen Einsatz Ludwig Wilhelms ebenso wie der aufkommenden Lineartaktik zu verdanken. Die dünnere Staffelung von mit Gewehren bewaffneten Soldaten in langen Reihen nebeneinander und die dadurch erzeugte höhere Mobilität ermöglichten es, die zahlenmäßige Unterlegenheit auszugleichen.

Das Resultat der Schlacht findet sich auf einer Medaille vermerkt. Überall in Europa läuteten die Kirchenglocken zu Ehren des siegreichen Feldherrn. In vielen Städten wurden Dank- und Freudenfeste abgehalten. Sogar Papst Innozenz XII. (1691-1700) feierte in der Engelsburg in Rom mit Salutschüssen. Für seinen Erfolg sprach Kaiser Leopold I. Ludwig Wilhelm den Titel eines Generalleutnants zu, die höchste Auszeichnung, die zu vergeben war. Der spanische König verlieh ihm den Orden vom Goldenen Vlies. Mit dem Sieg bei Slankamen konnten sich die Habsburger im Kampf um Ungarn, Siebenbürgen und Serbien endgültig aus der Umklammerung der Osmanen lösen. Darüber hinaus war die osmanische Streitmacht auf Jahre lahmgelegt. Nicht nur die türkische Heeresführung, sondern das gesamte Staatswesen der Osmanen war entscheidend geschwächt worden durch den Tod des klugen Großwesirs Mustafa Körpülü. Da seine innenpolitischen Reformen nicht vollendet wurden, traten die desolaten politischen Verhältnisse, der drohende wirtschaftliche Ruin, die sozialen Krisen des Reiches in kürzester Zeit wieder offen zu Tage.

Allerdings konnte der Sieg von Slankamen von der kaiserlichen Armeeführung nicht ausgenutzt werden, denn das Heer war von den schweren Verlusten im Kampf und den grassierenden Seuchen zu stark geschwächt. So sollte sich der Krieg noch mehrere Jahre hinziehen und erst 1699 mit dem Frieden von Karlowitz enden.
Schlacht bei Slankamen/Badische Landesbibliothek, Karlsruhe

Radierung von Romeyn de Hooghe, 1691. Badische Landesbibliothek, Karlsruhe
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Tödlicher Irrtum
Als die Janitscharenkapelle aufhörte zu musizieren, um den tödlich verwundeten Großwesir zu verteidigen, hob der Rest des Heeres zur Flucht an, da sie das Verstummen der Militärmusik als ein Signal zum Rückzug deuteten.

 

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