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| Samt mit figürlichem Muster: Jüngling und Bettler |
Rechteckiges Stoffstück, zusammengesetzt aus einer Bahn von zwei Drittel Webebreite (links), einer Bahn von fast voller Webebreite (rechts), letztere mit oben angestücktem Querstreifen (B 6.50 cm) mit gestürztem Muster. Seidensamt (Samtbrokat). Als Mustergrund ein ehemals ganz mit vergoldetem Silberlahn durchschossener gelber Atlas, das Muster in mehrfarbigem Flor, das Wasser des Teiches jedoch vertieft mit weißem Broschierschuss dargestellt, nur die Wellenkämme in schwarzem Flor. Die Zweifigurengruppe des Musters wird in waagerechter Reihe drei Mal wiederholt, in der nächsten Reihe jeweils in spiegelbildlicher Anordnung. Ein vornehm gekleideter Jüngling steht, auf einen Stab gestützt, die eine Ferse in einer Art Schrittstand leicht erhoben, in geziertlässiger Haltung und führt eine Blume zum Gesicht, um an ihr zu riechen; die (am Daumen beringte) andere Hand hält eine Birne oder Quitte. Ihm gegenüber kniet ein schnauzbärtiger älterer Mann mit Ohrring, in bescheidener Kleidung, der mit bittend ausgestreckter Hand zu dem Jüngling aufblickt. Vor ihm am Boden ein Paar Schuhe, eine Schale und eine hohe Kopfbedeckung (?). Zwischen dem Paar ein blühender Obstbaum, auf dem ein Fasan sitzt, außerdem Streublumen und -zweige. Unter der Szene ein von Pflanzen gesäumter Teich, in dem ein Fisch schwimmt. Der Jüngling trägt einen gestreiften Turban mit schwarzem Federbusch, über langem Gewand einen pelzgefütterten Mantel mit verziertem Verschluss, aus dem vorne eine Schärpe quillt, der ältere Mann einen kleinen Turban und über einfachem Gewand ein Umschlagtuch. Die Gesichter weiß mit Zeichnung in Rosa (z.B. die Runzeln des Älteren) und Schwarz, sonst jedoch die Zeichnung immer schwarz. Die übrigen Farben ehemals zart bis leuchtend und hell bis auf ein dunkles Weinrot, das aber nicht in den Gewändern vorkommt. Der durch die Technik ermöglichte rasche Farbenwechsel wird so vielfältig genutzt, dass in der Farbkomposition, die im Prinzip wohl vier Reihen umfasst (die fünfte Reihe nicht erhalten), nur wenige Regeln erkennbar sind: z.B. Farben von Mantel und Gewand des nach rechts gerichteten Jünglings kehren beim Bettler unter ihm in vertauschter Funktion (Gewand/Umschlagtuch) wieder, der Turban des Jünglings ist jeweils in den zwei Farben von dessen Mantel und Gewand gemustert. Nur beim Stamm des Baumes geht jeweils ein schmaler Längsstreifen mit einheitlicher Farbgebung in Schwarz, Weinrot, Weiß bzw. Schwarz, Ziegelrot, Weiß durch. Farben nicht immer naturgetreu: z.B. blaue Quitte. - Der Vogel gehört zur Gruppe der Schwarzfasane, Gennaeus leucomelanus, oder der Jagdfasane, Phasianus colchicus (nach Kurt Sandebeck, Museum für Naturkunde, Freiburg). Grund in fünfbindigem Kettatlas (Interruption 2), der vergoldete Silberlahn sowie der weißseidene Broschierschuss in Linksgratschussköper abgebunden, Lahn vor Webekante abgeschnitten. Webekante unvollständig, mehrfach weinrotgelb gestreift. 74-84 Atlaskettfäden, leicht (Z), jeweils 14-15 florbildende Kettfäden, 7-8 Ruten/cm. Kettproportion 6 (Hauptkette): 1 (Florkette). Jeweils drei Florketten verwendet mit streifenweisem Wechsel der Farben und partienweise Ersatz bzw. Auswechslung von Florketten (pile warp Substitution), die rückseitig abgeschnitten werden; einzige Ausnahme: die durchgehende schwarze Florkette. Außer Schwarz zehn Farben erkennbar: Weiß, Beige, Rosa, Aprikose, Ziegelrot, Weinrot, Gelb, Hellblau, Grün, Grüngrau. In der Figurenszene sind nicht nur Armut und Alter einer reich geschmückten Jugend gegenübergestellt; die durch Geste und Bettelschale ausgedrückte Bitte um Almosen dürfte außerdem ein "Betteln um Liebe" bedeuten. Das Ablegen von Schuhen und (wohl auch) Mütze sind Zeichen der Huldigung, mit denen der Ältere seine Gefühle dem schönen, sich gleichgültig gebenden Jüngling kundgibt. Die persische Dichtung hat das Thema vom Liebenden und unerreichbaren Geliebten häufig behandelt und es auch transzendental aufgefasst, mit einem mystisch-religiösen Sinn versehen, siehe die literarischen Figuren "König und Bettler", Schah u gada, von Hilali, "Ball und Polostock", Gui u čaugan, von Arifi. Szenen dieser Art folgen der zu Anfang des 17. Jhs. in der persischen Miniaturmalerei beliebten Mode von Einzelblättern mit ein bis zwei Figuren. Unter den Miniaturmalern sind auch die Entwerfer der Stoffmuster zu suchen.
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Erhaltungszustand: Metallschüsse des Grundes weitgehend verloren, ihre Reste geschwärzt. Offenbar als Ersatz dafür wurde der Grund (wohl erst in Europa) im unteren Stoffteil in 42.00-52.00 cm Höhe mit Goldfäden (vergoldeter Silberlahn, (S), um weiße Seidenseele) in Anlegetechnik bei Nachahmung von Köperstruktur bestickt; als Stickfäden gelbe, rosafarbene, weißliche Seide. Graugrüne Florpartien bis auf winzige Reste ausgefallen, übrige Farben ausgeblichen oder nachgedunkelt, in der linken Bahn etwas besser erhalten. Flor vor allem im unteren Teil beschädigt. Atlas stellenweise brüchig. Löcher von Nagelung (?) im linken Rand.
Alte Inventare: "Türckische Kammer" (GLA 47/1998) Nr. 267: "1 Stück von einem Tepig. 1 1/2 Blatt breit, der Boden gelber Atlas mit erhobenen Sammet Figuren und Blumen, unten ein starcke halb Ehle Hoch, reich mit Gold und Silber gestickt." - Vielleicht die zusammengesetzten Reste von dem im "Badisch-Sachsen-Lauenburgischen Bestandsinventar" von 1691 (GLA 46/4044) erwähnten "1 Persianischer schlaffrock mit roth u. andern figuren", der Markgräfin Sibylla Augusta bei der Erbteilung "von des Gottseel. Herzogs Kleyderen" - des Herzogs Julius Franz von Sachsen-Lauenburg, ihres Vaters - zugefallen war. - Anzeichen, die auf den Zuschnitt für ein Gewand weisen, sind allerdings an dem aus einer vollen Webebahn und zwei rechteckigen Streifen gestückten heutigen Fragment nicht zu erkennen.
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Literatur:
| Karlsruhe 1991, Nr. 291
| | Martin 1899, S. 12, Taf. V.
| | München 1912, Bd. 3, S. VIII, Taf. 194
| | Falke 1913, Bd. 2, S. 146
| | Glück/Diez 1925, S. 74, 569, Abb. 376
| | Bossert 1928/1935, Bd. 4, S. 420, Abb. 1
| | Pope/Ackerman 1938/1939 und 1964/1965, Bd. 3, S. 2104f., Bd. 6, Taf. 1062 bzw. 1964/65, Bd. 5 und Bd. 12
| | Kühnel 1941, S. 116
| | Renner 1941, S. 68
| | Petrasch 1952, S. 608f., Anm. 71, S. 628
| | Karlsruhe 1955, Nr. 353, Abb. 37
| | Zimmermann 1957, Nr. 23
| | Flemming/Jaques 1957, Abb. 260
| | Schmidt 1958, S. 305, Abb. 266
| | Karlsruhe 1959, Nr. 78
| | Kühnel 1962, S. 161, Abb. 64a
| | Erdmann 1967, S. 32, Taf. 69
| | Karlsruhe 1976 a, S. XXI, 77
| | Karlsruhe 1976 b, S. 53, Nr. 231
| | Petrasch 1977, Nr. 50
| | Neumann/Murza 1988, S. 87 mit Anm. 207, Abb. S. 88 |
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Dieser Bildteppich mit Jüngling und Bettler wurde aus Seidensamt gefertigt und stammt aus Persien.
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Bildteppich Badisches Landesmuseum, Karlsruhe (Zähringer Stiftung) Inv.: D 200 Stilrichtung: Persisch Datierung: um 1610- 1640 Maße: L (linke Bahn) 142.50 cm, B 117.00 cm; Webebreite, unvollständig = B der rechten Bahn 71.20 cm; Rapporthöhe der Musterzeichnung 70.10 cm, -breite 23.50 cm; H der Jünglingsfigur 26.00 cm Material: Seidensamt; Samtbrokat; Vergoldeter Silberlahn; Seidenatlas
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