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Große Fahne mit islamischem Schriftband
Rechteckiges Fahnenblatt, dessen Flugseite in einem spitzwinkeligen, nach außen gerichteten Dreieck endet. Drei Längsbahnen aus karminrotem Seidengewebe sind mit Kappnaht (original) aneinander genäht. Mit Ausnahme der Stangenseite ringsum mit einem Besatzstreifen (B ca. 14.00 cm) aus gelbgrünem Seidengewebe eingefasst; als Muster über einem Rosettenband ein Fries reziproker stilisierter Tulpen, an deren Ansatzpunkt zierliche Tulpen eingeschrieben sind. Der Durchzug für die Fahnenstange besteht aus blassblauem Seidengewebe (B 13.50 cm) mit einem Muster aus Zypresse und Blumenstock im Wechsel; mit mittelblauem Baumwollgewebe gefüttert. Das Fahnenblatt ist partiell doppelseitig gemustert mit teils lancierten, teils broschierten Musterschüssen in gelber, grüner, blassblauer und weißer Seide sowie Metallfaden. Ein beidseitig von einem schmalen Rosettenfries (B 6.50 cm) eingefasstes gelbgrüngrundiges Schriftband (B 31.00 cm), das im Abstand etwa eines Drittels der Fahnenlänge von der Stangenseite und parallel zu dieser verläuft, teilt das Fahnenblatt in zwei ungleiche Felder. Die Inschrift enthält - stangenseitig beginnend - das gruppenweise und spiegelbildlich sich wiederholende doppelte muhammadanische Glaubensbekenntnis nach Sure XLVII, 21: "Es gibt keinen Gott außer Allah" und nach Sure XLVIII, 29: "Muhammad ist der Gesandte Allahs". Im stangenseitigen schmäleren Feld ist axial eine achtblättrige, gänzlich aus arabischen Schriftzeichen gebildete Rosette (31.50 cm x 37.50 cm) angeordnet; diese enthält (nach Lesart und Übersetzung von Zygmunt Abrahamowicz) mehrfache Invokationen, in welchen sich Epitheta Gottes verbergen, und zwar: "O Richter!" (viermal) und "O Wahrheit!" (dreimal). In der Mitte unterhalb des Schriftbandes befindet sich ein mittelblaues, beiderseits von einer Zickzackborte (B 4.30 cm) eingefasstes Rechteck (28.00 cm x 40.00 cm) mit spiegelbildlichen, jeweils flugseitig beginnenden Inschriften (nach Zygmunt Abrahamowicz handelt es sich um eine wohl nicht dem Koran entnommene Sentenz) = "[Bete] zwei Fatihas und du [bist] heil" oder "du bist im Glück". ( El Fatiha = "die Öffnende", das ist die erste, den Koran eröffnende Sure, das wichtigste Gebet der Muslime.) - In dem ovalen Medaillon darunter (31.50 cm x 42.50 cm) abermals das zweigliedrige muhammadanische Glaubensbekenntnis in achsensymmetrischer Spiegelschrift und ein mit fünf Sternen geschmückter Halbmond. Ein gleicher Halbmond (15.00 cm x 20.00 cm) auch in der Fahnenspitze. An den beiden Längsseiten, parallell zu Rosette, kleinem Schriftfeld und ovalem Medaillon, jeweils eine Sternrosette (Dm 20.00 cm). Fahnenblatt aus karminrotem Seidengewebe (Seidenbrokat) in abgeleiteter Leinwandbindung (Kettripscharakter) mit broschiertem sowie lanciertem Muster. Lancierung im Schriftstreifen wird aus zwei verschiedenen Lancierschüssen gebildet, die auf beiden Seiten Schrift und Schriftgrund entstehen lassen - Grundschuss bleibt (theoretisch) unsichtbar. Die Musterschüsse werden durch jeden dritten Kettfaden leinwandbindig abgebunden (Rapport: 6 Kettfäden). Stufung: 6 Kettfäden. 50 doppelte rote Kettfäden/cm, 18-21 rote Grundschüsse/cm, 13-17 Musterschüsse/cm aus grüner, gelber, blassblauer, weißer Seide und zweierlei Metallfaden (silbervergoldeter Lahn, (Z), um gelbe Seidenseele, desgleichen um weiße Seidenseele). Der Metallschuss wechselt - nicht ganz regelmäßig - mit gelbem Seidenschuss ab. Lichte Bahnbreite ca. 60.50 cm, zu erschließende Webebreite ca. 62.00 cm. - Ein entsprechendes seidenes Grundgewebe, doch mit jeweils senkrecht zur Kette stehendem Muster, besitzen der abgepasst gewebte Randstreifen, dieser mit lanciertem, auf der Rückseite reziprok erscheinendem Muster. Randstreifen: Grund gelbgrün, die wie im Fahnenblatt gebundenen Musterschüsse aus vergoldetem Silberlahn (Z) um gelbe Seidenseele, alternierend mit gelbem Seidenschuss. 50 doppelte Kettfäden/cm, 17-21 Grundschüsse/cm. Rapporthöhe 8.00 cm, Rapportbreite größer als 14 cm. Webekante ca. 0.30 cm breit. Durchzug: Grund blassblau, als Musterschüsse Metallfaden (Silberlahn (Z) um weiße Seidenseele), alternierend mit weißem Seidenschuss. 50 doppelte Kettfäden/cm, 22-23 Grundschüsse/cm, 15 Musterschüsse/cm. Rapporthöhe 84.00 cm. Webekante ca. 0.30 cm breit. 50 zweifache Kettfäden/cm. 22-23 Grundschüsse/cm, 15 Zierschüsse/cm. 1842 hat Röder von Diersburg die im Inventar zur "Türckischen Kammer" irrtümlich als "1 Stück von einer Zelte" bezeichnete Trophäe - "kostbarstes, prachtvollstes Stück der ganzen Sammlung" - zutreffend als eine "türkische Heeresfahne" identifiziert und vermutet, dass es sich dabei um die von Markgraf Ludwig Wilhelm in der ruhmreichen Schlacht von Slankamen am 19. August 1691 erbeuteten Fahne des Seraskers (Befehlshaber des Feldheeres) handelte, die der siegreiche Feldherr an Kaiser Leopold I. übersandte, der die Trophäe hernach Markgräfin Sybilla Augusta verehrt hat. Obgleich Röder von Diersburg nach eigenem Bekunden nicht vermochte, "den Beweis dessen mit voller historischer strenge ... auszuführen", begründete er mit seiner Vermutung eine bis heute landläufige, quellenkundig jedoch nicht belegbare Überlieferung.

Erhaltungszustand:
In der Inschrift-Rosette zwei kleine schwarze Brandlöcher. Im Fahnenblatt mehrere Querrisse, vor allem ist der flugseitige Teil des Randbesatzes stellenweise zerschlissen. Der Lahn größtenteils abgerieben. Der blaue Stangen-Durchzug sehr verschossen, desgleichen das Blau im rechteckigen Schriftfeld. - Das Fahnenblatt wurde um 1964 gewaschen und auf der Rückseite ganz mit Crepeline bedeckt, auf der Vorderseite nur der Besatzstreifen an der Spitze und ein jeweils anschließendes, 27.00 cm langes Stück; ebenso wurde der blaue Durchzug mit Crepeline umhüllt.

Alte Inventare:
"Türckische Kammer" (GLA 47/1998) Nr. 276: "1 Stück von einer Zelte, rother Seiden Zeug, etwas mit Gold und Silber gestickt, mit blauem Moire vorinne Silberne Blumen, unterhalb ausgeschlagen." - Vermutlich die "türkische grosse fahnen", die laut "Inventar zur Prager Reise" 1721 (im Zweiten Weltkrieg vernichtet) im "Verschlag Nr. 53" verpackt war.
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Literatur:
 Karlsruhe 1991, Nr. 7
 Röder von Diersburg 1839 und 1842, S. 171, Anm. 1, 173
 Beust 1854, S. 12f.
 Rott 1933, S. 283, 286
 Renner 1941, S. 104
 Petrasch 1952, S. 572, 602, 622, 674
 Karlsruhe 1955, Nr. 391
 Petrasch 1955, S. 61
 Kreutel 1957, S. 189
 Schleißheim 1976, S. 383
 Petrasch 1977, Nr. 2
 Frankfurt 1985, 2. Bd., S. 349



Die Heerfahne mit arabischen Inschriften (u.a. Glaubensbekenntnis) stammt angeblich aus der Schlacht von Slankamen.
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Fahne
Badisches Landesmuseum, Karlsruhe (Zähringer Stiftung)
Inv.: D 21
Stilrichtung: Osmanisch
Datierung: 2. Hälfte 17. Jh.
Maße: L ca. 354.00 cm, B 208.50 cm
Material: Seide; Baumwollgewebe; Metallfaden; Vergoldeter Silberlahn; Seidenseele
Kommentar
Der kostbarste und wohlbehütete Schatz des osmanischen Feldheeres war die Fahne des Propheten (sancak-ı şerif) aus grüner Seide. Diese wurde jedoch niemals an die Front mitgenommen, sondern durch eine Nachbildung ersetzt. War die Schlacht verloren, hatte der im Lager zurückgebliebene Bewahrer des Heiligtums sofort mit dem goldenen Fahnenkasten zu entfliehen.

 

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