Rossschweif (tuğ)
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Dreiteiliger Holzschaft von rundem Querschnitt; im mittleren Drittel drei gedrechselte Einschnürungen bzw. vier balusterartige Ausbuchtungen. Diese wie auch der untere glatte Teil des Schaftes sind überzogen mit einem dichten Geflecht aus gefärbten Rosshaaren, das fünf verschiedene und unterschiedlich große Rautenornamente in Rot, Blau, Ocker, Dunkelbraun und Weiß aufweist. Am unteren Ende ist der Schaft zum Aufstecken (auf eine meist bemalte Stange) ausgehöhlt und mit einer breiten Manschette (B 10.00 cm) aus Messingblech gefasst, darauf zwei Ösen mit Ringen. Den oberen Abschluss des Rossschweifes bilden sieben bürstenartig gestutzte Rosshaarringe in den Farben (von oben): Rot, Weiß, Blau, Ocker, Dunkelbraun, Weiß und Rot. Vom Ansatz des untersten Ringes hängen sechs rote und sechs weiße (ursprünglich zu sechs dünnen rotweißen Zöpfen geflochtene) Rosshaarsträhnen herab, die mit einer mehrfach konzentrisch um den Schaft gewundenen Kordel an diesem festgebunden sind. Ebenso befestigt die darunter von der mittleren Einschnürung rundum tief herabhängenden sieben verschiedenfarbigen Rosshaarbüschel. Die übliche Bekrönung des Rossschweifes mit einer vergoldeten Holz- oder Metallkugel war bereits 1772 nicht mehr vorhanden.



Erhaltungszustand:
Die Farben, vor allem der herabhängenden Rosshaarbüschel, sind z.T. ausgeblichen; von den 1772 noch zu sechs Zöpfen geflochtenen Strähnen fehlen drei weiße; auch an den darunter hängenden sieben Büscheln sind die Haare teilweise ausgerissen. Die Messinghülse am Schaftende ist stark eingedellt, am unteren Rand mehrfach bestoßen und eingedrückt. Die bekrönende Kugel nicht erhalten.

Alte Inventare:
"Türckische Kammer" (GLA 47/1998) Nr. 91: "1 Roß Schweif, mit 6 rothen Zöpfen und einem Busch mit 7 Absätz." - Offensichtlich identisch mit dem im "Nachlaßinventar des Markgrafen Hermann" von 1691 aufgeführten "Ein türck. ross schweiff".

Literatur:
Karlsruhe 1991, Nr. 17
Wien 1883, Nr. 389
Petrasch 1952, S. 601f.
Petrasch 1954, S. 806
Karlsruhe 1955, Nr. 397
Petrasch 1977, Nr. 3
Bruchsal 1981, Nr. 1
Fohler 1983, S. 4,11

Der Rossschweif kennzeichnete die Stellung bestimmter Würdenträger innerhalb der Hierarchie des Osmanischen Reiches.

Daten & Fakten:
Badisches Landesmuseum, Karlsruhe (Zähringer Stiftung)
Inv.: D 30
Stilrichtung: Osmanisch
Datierung: 2. Hälfte 17. Jh. (vor 1691)
Maße: H 104.00 cm; Schaft: Dm 7.50 cm (oben), 6.00 cm (unten)
Material: Rosshaar; Holz; Messing
Blickfang
Im Feldlager waren die Rossschweife gut sichtbar auf bis zu vier Meter hohen Stangen vor den Zelten der Würdenträger aufgepflanzt.