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Streitkolben eines Oberbefehlshabers
Typ des polnischen Buława Hetmanska (Kommandostab eines Hetman, des vom König ernannten Oberbefehlshabers des Heeres). Schlagkopf in Form einer gedrückten Kugel aus feuervergoldetem Kupfer (Tombak) mit reicher Verzierung: Über gekörntem Grund mit ausgesparten schmalen Blattranken sind rings um die mittlere Kugelzone vier große, kräftig reliefierte Rollwerkkartuschen aufgelötet; ebenso die jeweils zwischen diesen auf einem schmalen Vertikalband achsensymmetrisch angeordnete Mittelrosette zwischen zwei kleineren Kartuschen; auf der feingepunzten Kugelkappe eine kreisrunde, beidseitig mit einer Punktleiste eingefasste Bordüre aus geschweiftem Bandwerk und Rosetten; in deren Zentrum die knopfförmige, z.T. abgebrochene Spitze des Schlagkopfes. Der an einigen Stellen schwach eingedellte Schaft von rundem, nach oben zu verjüngtem Querschnitt, aus Kupfer über Holzkern, die Feuervergoldung stellenweise abgerieben. In drei etwa gleichlange, unterschiedlich gestaltete Teile gegliedert: Auf dem unteren Drittel, dem Griff, graviertes Schuppenmuster, wobei in spiraliger Reihung glatte Schuppen mit feingepunzten wechseln; flachgewölbte Kappe in Rosettenform, an zwei Stellen ist das Kupferblech ausgebrochen. Das obere Schaftdrittel ist 16-seitig abgekantet; auf einem der schmalen Streifen ist der Name IVLIVS eingestochen. Im glatten Mittelteil des Schaftes sechszeilige Inschrift, deren Buchstaben aus einer Vielzahl eingestochener Punkte gebildet sind: ICH IVLIVS VÖLCKHER VON FREYBERG / ZVM EISENBERG TEVTSCH ORDENS / HOFMAISTER ZV ALSHAVSEN / HAB DISEN PVSICAN AVS DEM VNDER / HVNGERISCHEN ZVG ANHAIMGEBRACHT / ANNO 1597 (Unter dem Wort "Under" sind die korrigierten Buchstaben "OB"[er?] und unter der Zahl "7" ist eine ursprüngliche "6" erkennbar.) Der Inschrift zufolge handelt es sich um eine Trophäe aus dem 1593 begonnenen und 1606 mit dem Friedensvertrag von Zsitvatorok ohne eigentlichen Sieger beendeten sog. Langen Türkenkrieg Kaiser Rudolfs II. - Der in der Inschrift genannte Deutschordensherr (seit 8.2.1594) Julius Volker von Freyberg - Sohn des Werner Volkarts, Freiherr zu Eisenberg, Hürbel, Asch und Diessen - gehörte zu drei jungen Ordensrittern der Ballei Altenbiesen, die unter Führung Erzherzog Maximilians III., des Deutschmeisters, von Ende 1595-1597 im Ordenskontingent am Türkenkrieg teilgenommen haben. Zeitweilig diente Julius Volker von Freyberg dem Erzherzog als Truchsess. Der Feldzug von 1597 in Oberungarn - aus dem der Streitkolben heimgebracht wurde - verlief wenig erfolgreich. Es gelang zwar die Einnahme von Pápas, nicht aber die von Raab. Anfang Oktober erfolgte der Rückzug nach Komorn. - Laut Inschrift am Buzogan 1597 Deutschordens-Hofmeister zu Altshausen. Nach Akten im Deutschordens-Zentralarchiv Wien war Julius Volker von Freyberg 1601 Balleikapitular, 1606 und 1608 Komtur zu Gebweiler; er starb 1615 bzw. nach anderer Angabe 1624 in Straßburg! (DOZA Varia 1559, DOZA Or 628, 621/2) - Es ist nicht bekannt, auf welchem Weg die Trophäe in den Besitz der Markgrafen von Baden-Durlach bzw. der Großherzöge von Baden gelangt ist.

Alte Inventare:
"Großherzogliche Gewehr Kammer" Karlsruhe 1848 (GLA 56/4118) S. 2, Nr. 37: "Ein Feldherrnstaab von Metall vergoldet mit Inschrift und großem Knopfe." - Vielleicht identisch mit dem einzigen, im "Basel Inventarium" von 1773 (GLA 47/693) unter Nr. 121 aufgeführten und 1799 nach Karlsruhe zurückgeführten "Pusickan", obgleich dort als "über undt über mit Silber überzogen theils verguldt" beschrieben. - Möglicherweise handelt es sich um den bereits im "Inventarium Uber Die Fürstliche Rüst Cammer zu Carlsburg" von 1680 (GLA 47/696) nachweisbaren "Pusican gantz mit silber Beschlagen", den Markgraf Karl Gustav seinem Bruder verehrt hat.
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Literatur:
 Karlsruhe 1991, Nr. 155
 Budapest 1896, Nr. 3129 mit Abb. S. 513
 Rott 1933, S. 289
 Petrasch 1952, S. 653
 Karlsruhe 1955, Nr. 495
 Uhlemann 1971, S. 97, Abb. 8
 Petrasch 1977, Nr. 43



Der ungarisch-siebenbürgische Streitkolben besitzt einen kugelförmigen Schlagkopf aus feuervergoldetem Kupfer mit Reliefdekor.
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Streitkolben
Badisches Landesmuseum, Karlsruhe (Zähringer Stiftung)
Inv.: G 37
Stilrichtung: Ungarisch/Siebenbürgisch
Datierung: 16. Jh. (vor 1597)
Maße: L 61.00 cm; Schlagkopf: Dm 7.50 cm; Schaft: Dm 3.20-1.90 cm
Material: Kupfer; Vergoldetes Kupfer; Holz; Kupferblech

 

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