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| Standarte des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden |
Standarte in quadratischer Form an hölzerner, schwarz gestrichener Fahnenstange (wohl aus späterer Zeit), mit eingezogener Handlage und zwölf, zur Hälfte vergoldeten Kanneluren; oben Tülle mit spitzovalem Blatt aus vergoldetem Kupfer (L 18.00 cm). - Fahnenstoff aus gelbem Seidendamast in Kett- und Schussatlas mit Blumenmuster. Beiderseits Stickerei in gelber, hell- und dunkelgrüner, brauner und roter Seide, vorwiegend in Spaltstich, sowie in Metallfaden (Silberlahn, (S), um helle Seidenseele) in Anlege- und Kordeltechnik; Zeichnung in angelegten Silberschnüren. Krone der Vorderseite und Tiergruppe der Rückseite auf applizierter plastischer Unterlage. An allen vier Rändern Fransen (L 4.50 cm) aus gelber Seide und Silberlahn um helle Seidenseele. Auf der Vorderseite ein großes, von zwei gekreuzten Lorbeerzweigen gerahmtes Spiegelmonogramm LBvBL(Ludwig Wilhelm Baden) mit Fürstenhut. Auf der Gegenseite ein Rasenstück mit zusammenbrechendem Hirsch, den ein herabstürzender Adler schlägt: darüber symmetrisch geschwungenes Spruchband mit der Devise: ARDVA DETVRBANS VIS ANIMOSA QVATIT. In freier Übersetzung: "Die mutige Kraft verjagt und zerschlägt das Schwierige". - Nach Helmut Ecken (Der Türkenlouis. Illustr. Kat. der Ausst. zum 300. Geburtstag des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden. Hrsg. vom Badischen Landesmuseum. Bearb. von Ernst Petrasch u. Eva Zimmermann. Karlsruhe 1955, S. 49): "Einen schwierigen Gegner stürzt die Überlegenheit des Geistes". - Sinnbild und Devise entnommen dem Werk des Joachim Camerarius "Symbolorum et Emblematum" von 1596 (Joachim Camerarius. Symbola et Emblemata. (Nürnberg 1590 bis 1604). Nachdr. T. 1. Graz 1986, Centuria III, X). Dort die übereinstimmende (seitenverkehrte) Darstellung von Hirsch und Adler, begleitet von einem lateinischen Distichon: "Aspicis ut torquet volucris Saturnia cervum, Nempe docet, vigili cuncta labore dari". ("Du siehst, wie der Vogel Saturn [= der Vogel Jupiters = Adler] den Hirsch quält. Das lehrt doch wohl, daß dem Zupackenden durch Anstrengung der Sieg zuteil wird".) Die Reihe weiterer, anschließend abgehandelter Sentenzen zum selben Thema beschließt die Devise unserer Standarte, ausdrücklich entnommen dem "Paradino" = Devises Heroiques, Par M. Claude Paradin Chanoine de Beaujeu. Lyon 1551. Dort jedoch mit anderem Emblem: ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen zwischen den Geweihstangen eines Hirschschädels. Abweichend von der Darstellung und der Devise der Standarte ist im "Ehren-Gedächtnuß" als "Leib-Symbolo" Ludwig Wilhelms, "welches der abgelebte Fürst im jungen Alter erkiesen", das folgendermaßen beschriebene Sinnbild überliefert: "...auff einem Löwen sasse ein junges Knäblein / welches denselben mit einem zarten Faden als mit einem Zaum leitete" und der Sinnspruch: "Sic numino fausto". Denn "wahrlich " - so die weitere Auslegung - hat "Ludwig Wilhelm nit allein seine Lands-Unterthanen / sondern auch grosse Kriegs-Heer / und Hauffen der Menschen / welche einer Löwen-Art seind / gleichsam mit einem Fädlein seiner klüglich ausgesonnenen Befelchen geleitet und regiert ..." Die Standarte - im Inventar zur "Türckischen Kammer" ohne direkten Bezug zu Markgraf Ludwig Wilhelm zusammen mit einigen französischen Standarten aufgeführt - erstmals bei Röder von Diersburg (Philipp Freiherr Röder von Diersburg. Des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden Feldzüge wider die Türken, größtentheils nach bis jetzt unbenützten Handschriften. Bd. 2. Karlsruhe 1842, S. 445) ohne Quellennachweis in die "Feldequipage" Ludwig Wilhelms aufgenommen. Das wohl eindeutig für Markgraf Ludwig Wilhelm sprechende Spiegelmonogramm macht die Zuschreibung glaubhaft. Möglicherweise stammt das Feldzeichen - seinem quadratischen Format nach entspricht des der Standarte eines schweren Reiterregiments - noch aus den ersten Jahren der Teilnahme Ludwig Wilhelms am Türkenkrieg als General der Kavallerie.
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Erhaltungszustand: Der Fahnenstoff beidseitig an mehreren unterschiedlich großen Stellen ausgerissen und z.T. unterlegt, insbesondere auf der (anlässlich einer Restaurierung um 1966) in Crepeline eingenähten Seite mit der bildlichen Darstellung. Silberlahn schwarz oxydiert; die ursprünglich vermutlich hellrote Seide ausgeblichen. Die Silberfransen an den Spitzen abgerieben.
Alte Inventare: "Türckische Kammer" (GLA 47/1998) Nr. 283: "1 dito [Standarte Fahnen] von gelbem Damast, auf der einen Seiten ein Fürsten Huth mit verzogenem Nahmen von Silber gestickt, auf der anderen Seite ein Hirsch, welchem ein Adler das Hirn aufbicket, von Seiden gestickt."
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Literatur:
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Auf der Rückseite befindet sich die Darstellung eines Adlers, der einen Hirsch schlägt, sowie ein lateinischer Wahlspruch.
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Standarte Badisches Landesmuseum, Karlsruhe (Zähringer Stiftung) Inv.: D 3 Stilrichtung: Deutsch; Fahnenstoff: Italienisch Datierung: Spätes 17. Jh. Maße: Standarte (ohne Fransen): H 43.50 cm, B 45.50 cm; Fahnenstange: L 302.00 cm Material: Seidendamast; Seide; Silberlahn; Seidenseele
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