Schabracke des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden
www.tuerkenbeute.de/sam/sam/sam_lud/D4_02_de.php
Rechteckige Decke aus aufgerautem dunkelrotem Wolltuch, aus zwei gleich großen Stücken zusammengenäht. Mit reicher Stickerei aus wenig farbiger Seide sowie aus Metallfaden (Silberlahn bzw. vergoldeter Silberlahn (S) um helle Seidenseele), letzterer in Anlege- und Kordeltechnik. Ohne Stickerei nur die Sattellage, ein nachträglich eingesetzter, unregelmäßig zugeschnittener Flicken aus rotem Wollstoff (L 57.00 cm, B 48.00 cm). An allen vier Seiten eine Randborte (B 6.50 cm) mit intermittierender Akanthusranke und Blüten, innen von einem Randstab begrenzt, um den sich ein Teil der Blätter rollt; die gleiche Ranke als Doppelborte über der Kruppe des Pferdes - in Anlegetechnik mit vergoldetem Silberlahn (um helle Seidenseele), die Konturen mit Zweifachschnur aus Metallfaden. In den vier Ecken des Hauptfeldes je ein großes Spiegelmonogramm LBv [BL] oder LBW [BL] unter neunzackiger Krone in Reliefstickerei (Kordeltechnik; H 28.50 cm), Konturen von Krone und Monogramm bestehen aus einer mit Metallfaden umwundenen Seidenschnur. Dichte, asymmetrisch ineinander geschlungene Akanthusranken mit abzweigenden Nelken, Narzissen, Tulpen und anderen Blüten - in angelegten Zweifachschnüren aus Metallfaden nur konturiert - füllen die gesamte Schaufläche der Schabracke; entlang des Innenrandes ca. sieben cm breit mit Silberlahn, sonst mit vergoldetem Silberlahn (jeweils um helle Seidenseele) ausgeführt. - Originales Leinenfutter. In die von Röder von Diersburg (1842, S. 445) zusammengestellte "Feldequipage des Markgrafen Ludwig" als dessen "Campagnen-Schabracke" aufgenommen. Die aufgrund ausdrücklicher Inventareinträge glaubhaft belegte postume Zuschreibung der Schabracke an Markgraf Ludwig Wilhelm jedoch nicht ganz problemlos. Unterstützt wird sie von dem vierfachen Spiegelmonogramm, aus dessen reich verschlungenem Liniengewirr sich die dem Markgrafen zugehörigen Initialen LBv [BL] oder auch LBW [BL] einigermaßen herauslesen lassen, obzwar auch nicht in gleicher Eindeutigkeit wie beispielsweise auf der Standarte des Türkenlouis. Unzutreffend hingegen für Ludwig Wilhelm ist die neunzackige Grafenkrone jeweils über dem Spiegelmonogramm in einer vorwiegend in Frankreich, Belgien und den Niederlanden gebräuchlichen Form. An ihrer Statt müsste üblicherweise ein Fürstenhut das Spiegelmonogramm bekrönen, wie z.B. auf der Standarte. Zu erklären ist diese Abweichung u.a. vielleicht mit der Unkenntnis des Entwerfers oder Stickers der möglicherweise als Geschenk im Ausland hergestellten Schabracke.



Erhaltungszustand:
Starke Gebrauchsspuren. Das von Mottenfraß beschädigte rote Wolltuch verschmutzt, stellenweise abgerieben und fleckig; einige Risse genäht. Die Stickerei, besonders im Hauptfeld, ist sehr schadhaft und weist unterschiedlich große Fehlstellen auf; der Lahn ist vielfach abgerieben. Die Reliefstickerei, vor allem an den beiden vorderen Monogrammen, an den erhabenen Partien z.T. bis auf die plastische Füllung abgerieben.

Alte Inventare:
"Türckische Kammer" (GLA 47/1998) Nr. 275: "1 Pferds Decke von rothem Tuch, mit Gold gestickt, an denen 4 Ecken mit einem verzogenen Nahmen, und dem Fürsten Huth erhaben mit Gold und Silber gestickt, auch Leinwand gefüttert; Solle der Prinz Louis im Feld gebraucht haben, so von dem Stall-Amt ohnlängst anhero gegeben worden." - Zweifellos die im "Inventarium Über die bey dahiesig fürstlichem Marstall" aufgeführte "Scharlachene Türckhische Satteldeckh ... an denen 4. Eckhen mit einem verzogenen Nahmen, und Fürsten Huth von gold ... Prinz Louis haben solche im Feld gebraucht", die erst nach dem Tod August Georgs laut Inventarvermerk der "Liquidations-Commission" vom 17. Dezember 1771 nachträglich auf Anordnung des Markgrafen Karl Friedrich in die "Türckische Kammer" gelangt ist.

Literatur:
Karlsruhe 1991, Nr. 2
Petrasch 1952, S. 613
Karlsruhe 1955, Nr. 55

Die Pferdedecke des Markgrafen ist mit reichen Blumenstickereien aus Seide und Metallfaden versehen.

Daten & Fakten:
Badisches Landesmuseum, Karlsruhe (Zähringer Stiftung)
Inv.: D 4
Stilrichtung: Deutsch (?)
Datierung: Spätes 17. Jh.
Maße: B 114.50 cm; L 167.00 cm
Material: Seide; Silberlahn; Vergoldeter Silberlahn; Seidenseele