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Prunkschabracke mit Zierbeschlägen (Sternen)
Bestehend aus dem trapezförmigen, oben konkav gerundeten Brustblatt und den beiden Flankendecken, die an der Oberkante der vorderen Hälfte jeweils eine viertelkreisförmig ausgesparte Sattellage aufweisen und darunter einen etwas schmäleren, von unten bis zur halben Schabrackenhöhe reichenden Ausschnitt für die Beine und Steigbügel des Reiters. Die beiden Flankendecken sind über dem Widerrist mit einer und über der Kruppe des Pferdes mit zwei Eisenschnallen und Gurten verbunden; das Brustblatt ist beiderseits mit je zwei Schnallen und Gurtbändern an der Vorderkante der Flankendecken befestigt. Die einzelnen Schabrackenteile sind aus blauem Seidensamt (Webebreite ca. 60.00 cm) geschnitten, an den wulstigen Rändern umgeschlagen und mit gleichen Samtstreifen eingefasst; gepolstert mit drei aneinander und auf die Rückseite des Samtes geklebten Lagen Filz (ca. 1.50 cm dick) und rückseitig mit gelbem, halbseidenem Kettatlas gefüttert; zwischen diesem an den Samt festgenähten Futter und dem Filz ist ein zusätzliches Futter aus grünlich eingefärbter Baumwolle eingeklebt. Jedes Schabrackenteil hat eine auf der unteren Kante befestigte schmale, geklöppelte Zierborte (B 2.50-3.00 cm) über einem trapezförmigen Behang (H 9.00-13.00 cm) aus italienischem Seidenbrokat (zweite Hälfte 17. Jh.), der mit vergoldetem Lahn durchschossen, mit einem regelmäßig versetzten Streublumenmuster broschiert und mit gelbem Kettatlas hinterfüttert ist. Sämtliche Schauseiten (mit Ausnahme der Sattelaussparung auf den Flankendecken) sind dicht mit gebuckelten Zierbeschlägen aus getriebenem, größtenteils vergoldetem Silberblech in fünf verschiedenen Formen und in regelmäßiger Anordnung appliziert: In vertikalen Reihen, zwischen Sechsecksternen (mühr-i Süleyman), große Appliken in Form stilisierter Granatäpfel, flankiert von spitzen, s-förmig geschweiften (nicht vergoldeten) Blättern und kleinen achtstrahligen Sternen; entlang der Ränder verläuft ein dichter Fries aus nach innen gerichteten, stilisierten Tulpen. Sämtliche Zierbeschläge (mit Ausnahme der kleinen Sterne) sind mit achsensymmetrisch getriebenen Blatt- und Blumenranken gefüllt. Zahlreiche Appliken aller Typen sind mit einem Tremulierstich versehen, auf elf verschiedenen Zierbeschlägen ist die Tuğra Sultan Mehmets IV. (mehr oder weniger fragmentarisch) eingeprägt. Die Appliken sind an ihren Ösen mit schmalen Lederriemchen (B bis 5.00 mm) durch die Filzlagen montiert. Gesamtzahl der Appliken: 848; und zwar 46 Granatapfel-Appliken, 165 s-förmig geschweifte Blätter, 100 Sechsecksterne, 212 kleine Sterne und 325 Tulpen.

Erhaltungszustand:
1987 in den Museumswerkstätten umfassend restauriert: Der nachgedunkelte, stellenweise fleckige und abgescheuerte Flor des Samtes wurde gesäubert; durch verdrehte Appliken entstandene Druckstellen konnten nicht beseitigt werden. Risse und kleinere Löcher im ausgeblichenen und fleckigen Futterstoff sind mit gelb eingefärbtem Baumwollatlas unterlegt. Der stark beschädigte (ursprünglich wohl rotgrundige) Behang aus Seidenbrokat, dessen Kette fast völlig ausgefallen und dessen Muster nur noch bruchstückhaft erkennbar ist, wurde sorgsam gereinigt und geglättet und mit schwach rosa eingefärbter und punktuell angenähter Crepeline belegt; zur Stabilisierung dient ein auf die Rückseite genähter, gelb eingefärbter Baumwollatlas. Durch Mottenfraß zerstörter Filz ist materialgerecht ersetzt. Bei früheren Restaurierungen beschnittene oder ergänzte Gurtbänder und Schnallen wurden entfernt bzw. neu befestigt, fehlende ergänzt. Zerrissene und z.T. ausgefallene Nähte wurden unter Verwendung der originalen Stichkanäle nachgenäht. Verschiedentliche Deformierungen und Beschädigungen an den insgesamt gereinigten und polierten Appliken konnten nicht beseitigt werden.

Alte Inventare:
"Türckische Kammer" (GLA 47/1998) Nr. 18, 19, 20: "1 Blau sammeter Pferd Zeug, mit masiv Silber geschlagenen Zierathen, so zum Theil Vergold, bestehend in einem Brust- 2 Bug- und 2 Schenckel Stücker." - Da die vier Prunkschabracken Inv. D 115, D 118, D 117 und D 116 in allen Inventaren stets zusammen in unmittelbarer Folge aufgeführt sind, ist vorliegendes Exemplar zweifellos identisch mit der im "Inventar zur Prager Reise" 1721 (im Zweiten Weltkrieg vernichtet) unter "Verschlag Nr. 27" erwähnten "türckische grosse waldrap blau mit silber". - Unter Nr. 31 auch in der "Consignation" (nach 1721) enthalten.
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Literatur:
 Karlsruhe 1991, Nr. 33
 Renner 1941, S. 104
 Petrasch 1952, S. 614, 620
 Karlsruhe 1955, Nr. 413
 Petrasch 1961, S. 56f.
 Karlsruhe 1976 a, Nr. 80
 Petrasch 1977, Nr. 15



Auf einigen der größtenteils aus vergoldetem Silberblech gefertigten Beschlägen ist die Tuğra Mehmets IV. eingeprägt.
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Prunkschabracke
Badisches Landesmuseum, Karlsruhe (Zähringer Stiftung)
Inv.: D 117
Stilrichtung: Osmanisch
Datierung: 2. Hälfte 17. Jh.
Maße: Brustblatt: H (mit Borte) 65.00 cm, B (oben) 45.50 cm, B (mit Borte) 71.50 cm; linke Flankendecke: H (Widerrist) 81.00 cm, H (Kruppe) 76.00 cm, L 150.00 cm; rechte Flankendecke: H (Widerrist) 82.00 cm, H (Kruppe) 75.00 cm, L 150.50 cm; Granatapfel-Applike
Material: Seidensamt; Seidenbrokat; Baumwollgewebe; Silberblech; Vergoldetes Silberblech; Baumwollgewebe; Leder; Eisen; Filz; Vergoldeter Silberlahn; Halbseidenkettatlas

 

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