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| Prunksattel mit Blütenrelief und Drahtstickerei |
Sog. orientalischer Bocksattel. Hölzerner Sattelbaum, vollständig mit rötlich eingefärbtem Pergament überzogen, darauf stellenweise gitterförmiger Ritzdekor. Schräggestellte, nach hinten etwas auseinanderlaufende Trachten mit vorstehenden, nach unten abgerundeten Enden; in der vorderen Hälfte jeweils ein rechteckiger Ausschnitt für die (nicht erhaltenen) Steigriemen. Vorgeneigter, steiler Vorderzwieselbogen mit gewölbtem Knauf mit Mittelgrat; stark nach hinten geneigter, halbrunder Hinterzwieselbogen. Mit Baumwolle gepolsterter Ledersitz. Die seitlich beiderseits bis zum inneren Scheitel der Sattelbögen reichenden, unter den vorstehenden Trachtenenden durchgezogenen und frei herabhängenden rechteckigen Sattelblätter aus Leder sind am Sattelbaum angenagelt. Sattelblätter und Sitz sind mit rotem Seidensamt bezogen und mit schmalen roten Lederstreifen eingefasst. Die Sattelblätter partiell geschmückt mit Stickerei auf dünner Lederunterlage in Anlegetechnik aus z.T. vergoldetem Silberdraht: Entlang der Außenränder verläuft ein dichter Fries aus reziproken Dreiecken in Gold und Silber; in den unteren Ecken je ein achsensymmetrischer stilisierter Blütenzweig auf rautenförmigem Goldgrund, aus dessen Spitze eine doppelte Gabelblattranke wächst; ähnliche Ranken jeweils in der Mitte und an den Enden der Borte. Die beiden Sattelbögen und vorstehenden Trachtenenden (vorne 6.20 cm, hinten 9.80 cm) sind mit reich verziertem und vergoldetem Silberblech beschlagen: Jeweils von den Ecken aufsteigende symmetrische Blattranken mit unterschiedlich großen stilisierten rosetten- und sternförmigen Blüten in Reliefschnitt, gefüllt mit feingravierten und z.T. niellierten zierlichen Blattzweigen, Tulpen und Arabesken; dazwischen im feinpunzierten Grund ziselierte naturnahe Blatt- und Blumenranken; die Außenränder sind mit gedrehten Doppelschnüren aus vergoldetem Silber eingefasst. Am Ansatz der Sattelstege jeweils eine durchgenietete Messingrosette; auf den vorderen Trachtenenden beiderseits eine etwas kleinere Rosette mit Ringöse aus Messing. Im inneren Scheitel des hinteren Sattelbogens ein angenagelter Lederriemen mit Schlaufe und Schnalle.
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Erhaltungszustand: Starke Gebrauchsspuren. Der Lederüberzug des Sattelbaumes mehrfach gerissen, vor allem an den Kanten z.T. ausgerissen. Das Leder der Sattelblätter stark wellig und faltig; die Ledereinfassung mehrfach ein- und ausgerissen. Der Samt stellenweise stark ausgeblichen, faltig und zerrissen; an der Knauf-Innenseite mit Ersatzstoff ergänzt; der Flor stark abgescheuert, insbesondere am Sitz und in der Mitte der Sattelblätter. Die Metallfäden der Stickerei z.T. lose und vielfache Fehlstellen; die Lederunterlage, vor allem an den spitzen Enden, lose und z.T. eingerollt. Der Metallbeschlag am Vorderzwiesel in der unteren Ecke etwas eingerissen und an den Rändern mehrfach eingedellt, ebenso am Hinterzwiesel.
Alte Inventare: "Türckische Kammer" (GLA 47/1998) Nr. 12: "1 dito, [roth sammeter Sattel] hinter und Vorderhalb am Sattel-Baum mit vergolden Silber beschläg und an denen 4 Enden der Sattel Taschen, und ringsum mit Gold gestickt." -Vermutlich einer der im "Inventar zur Prager Reise" 1721 (im Zweiten Weltkrieg vernichtet) unter "Verschlag Nr. 24" aufgeführten "2 türkische rotsambtene sattel mit silber beschlagen ohne Steigbügel". - Wohl identisch mit Nr. 38 der "Consignation" nach 1721 (GLA 47/1998): "1 Roth Sameter Sattel mit Silber Beschlagen und vergoldt auch etwas gestickt".
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Literatur:
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Der Sattelbogen aus vergoldetem Silberblech ist mit gravierten Blattranken und Blüten, die Sattelblätter mit Stickerei dekoriert.
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Prunksattel Badisches Landesmuseum, Karlsruhe (Zähringer Stiftung) Inv.: D 153 Stilrichtung: Osmanisch Datierung: 2. Hälfte 17. Jh. Maße: Sattelbaum: L 47.00 cm, B 37.00 cm, H (mit Knauf) 32.50 cm; Sattelblätter: H (bis zum vorderen Scheitel) 50.50 cm, B (unten) 47.50 cm Material: Holz; Pergament; Leder; Seidensamt; Silberdraht; Vergoldeter Silberlahn; Silberblech; Messing; Baumwollfaser
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