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| Sattel aus Siebenbürgen |
Sog. orientalischer Bocksattel. Hölzerner Sattelbaum, die Unterseite mit Birkenrinde beklebt, darauf unregelmäßig eingepresste Rechtecke, gefüllt mit vier Rosetten und mit einer Punktleiste gerahmt. Schräggestellte, nach hinten etwas auseinanderlaufende Trachten mit vorstehenden, nach unten gerundeten Enden; in der vorderen Hälfte jeweils ein rechteckiger Ausschnitt für die (nicht erhaltenen) Steigriemen. Vorgeneigter, hoher Vorderzwieselbogen mit großem, beidseitig leicht gewölbtem Knauf. Nach hinten geneigter Hinterzwieselbogen mit einem gleichgeformten, auf der Innenseite jedoch flachen Knauf. Die beiden Sattelbögen und die vorstehenden Trachtenenden sind mit rotem Seidensamt bezogen. Ein der Länge nach zwischen die Trachten mit Lederschnüren gespanntes Lederband (B 8.30 cm) dient als Unterlage für das mit Baumwolle gepolsterte Sitzkissen aus rotem Wolltuch; dessen Naht ist rundum mit einer feinen Schnur aus Metallfäden (vergoldeter Silberlahn, (S), um gelbe Seidenseele) verziert. Am Sattelbaum beiderseits angenagelt ein Seitenblatt in geschweifter Form aus braunem Leder; außen mit rotem Wolltuch beklebt und mit einer Schnur aus Metallfäden (vergoldeter Silberlahn, (Z), um gelbliche Seidenseele) eingefasst. Das Sitzkissen (ursprünglich wohl auch die Seitenblätter) partiell verziert mit Reliefstickerei aus z.T. vergoldetem Silberdraht in Sprengtechnik über dünnem Leder (Fixierfaden braune Seide, (Z)-gezwirnt; Wolltuch auf Rückseite für Stickerei mit Papier verstärkt): Beiderseits zwei spitzovale Medaillons mit kleinen Anhängern und mit Arabesken gefüllt. Die Kanten der beiden Sattelbögen und der Knäufe sind mit beidseitig blattförmig gelappten, mit Silberstiften angenagelten Streifen aus vergoldetem Silberblech beschlagen. Aus gleichem Material auch die spitzovalen, durchbrochen gearbeiteten Zierbeschläge an den Außenseiten der Knäufe: jeweils eine große, gravierte Tulpe, von symmetrischen Ranken gerahmt.
In der unteren Spitze der ovalen Beschlagstücke je eine eingeschlagene Meistermarke GB = Georgius Belényesi, Goldschmied und Leiter der Münzstätte am Hof des Fürsten von Siebenbürgen Michael I. Apafi (1632-1690) auf Burg Fogaras (rumänisch Făgăras). Archivdaten belegen eine vielfache Tätigkeit ebenso für dessen Kammerpräsidenten Michael Graf Teleki (gefallen 1690). Datierte Arbeiten von 1680, 1687 und 1689 bekannt. - Der einstige Besitzer des Sattels darf daher im Umkreis des siebenbürgischen Fürstenhofes vermutet werden. - In der Karlsruher Türkenbeute befindet sich das mit Inschrift und Wappen des Fürsten Michael I. Apafi gravierte Stirnblatt von einem Reitzeug (Inv. D 145 d).
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Erhaltungszustand: Das Holz des Sattelbaumes stark wurmstichig und morsch; größere Fehlstellen, vor allem an den Kanten. Das Leder der Seitenblätter z.T. ausgerissen. Der Samt stark ausgeblichen, z.T. zerrissen; der Flor stark abgescheuert; an den Trachtenenden fehlt der Samt gänzlich, ausgenommen vorne rechts. Das rote Wolltuch ist ausgeblichen und abgescheuert; am Sitzkissen stellenweise zerrissen, Fehlstellen mit unterlegtem Ersatzstoff repariert; auf den Seitenblättern ist das Wolltuch nur in Resten erhalten. Die Metallfäden der Stickerei stark oxydiert, z.T. gelöst, größere Fehlstellen. Am Vordersteg fehlt der Zierbeschlag an der inneren Kante. Bei der Restaurierung in den Museumswerkstätten 1990 wurde das Holz des Sattelbaumes mit Kunstharz gefestigt, das rechte vordere Trachtenende ergänzt. Der z.T. gelöste und abgeblätterte Birkenrinde-Belag festgeklebt. Die starke Oxydation der Metallbeschläge wurde entfernt. Die durch eingeschlagene Nägel fast völlig verdeckten Meistermarken wurden freigelegt.
Alte Inventare: "Türckische Kammer" (GLA 47/1998) Nr. 7: "1 dito (Türckischer Sattel) mit einem alten roth Tüchenen Sitz-Polster mit 8 von Gold gestickten Blumen, hinten und Vorderhalb am Sattel braun mit Silber Vergolden Beschläg." - Vermutlich einer der im "Inventar zur Prager Reise" 1721 (im Zweiten Weltkrieg vernichtet) unter "Verschlag Nr. 24" aufgeführten "2 türckische rotsambtene sattel mit silber beschlagen ohne steigbügel". - Offensichtlich identisch mit Nr. 37 der "Consignation" nach 1721 (GLA 47/1998): "1 Roth sameter Türckischer Sattel mit was Silber an Hindern und forderen Kopf wie auch dem ... Beschläg vergoldt."
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Literatur:
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Die Zierbeschläge an den Sattelknäufen dieses Bocksattels aus Siebenbürgen weisen durchbrochen gearbeitete Tulpen auf.
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Sattel Badisches Landesmuseum, Karlsruhe (Zähringer Stiftung) Inv.: D 154 Stilrichtung: Siebenbürgisch Datierung: Spätes 17. Jh. Maße: Sattelbaum: L 46.00 cm, B 34.50 cm, H (mit vorderem Knauf) 33.50 cm; Seitenblätter: H 24.50 cm, B (unten) 33.00 cm Material: Holz; Birkenrinde; Seidensamt; Leder; Baumwollfaser; Wolltuch; Vergoldeter Silberlahn; Seidenseele; Vergoldeter Silberdraht; Papier; Silberblech; Silber
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