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| Zierplatte (Pferdebrustschild?) |
Achteckige Platte aus Agalmatolith (Bildstein) mit schwach konkav eingezogenen und abgeschrägten Seitenkanten. Auf der Rückseite der in der Mitte durchbohrten Steinplatte eine zentrale runde (jetzt drehbare) Messingscheibe (Dm 5.00 cm) mit einer Doppelöse und je einem kräftigen Messingring. Die Vorderseite ist belegt mit einer etwas kleineren, achtblättrigen Zierplatte aus goldgerändertem dünnem Silberblech, das mit feinem Rankenwerk in Niello gefüllt ist; in diesem ausgespart acht gravierte und vergoldete symmetrische Zweige mit je zwei Tulpen sowie eine konzentrische Punktleiste mit acht eingepassten kleinen Palmetten. Die Silberplatte ist mittels feiner Silberstifte mit zierlichen Rosettenköpfchen an ihren acht Blattspitzen auf die Ecken des Steines aufgenietet und im Wechsel besetzt mit unregelmäßig runden bis ovalen Almandinen, Türkisen und Nephriten in Rosettenfassungen aus vergoldetem Silber. Auf der inneren Punktleiste in ringförmig versetzter Reihung acht gleichgefasste, etwas kleinere Steine. Im Zentrum ein großer runder Bergkristall mit achtseitigem Facettenschliff in gravierter Fassung aus vergoldetem Silber, deren überstehender flacher Rand kongruent zum Außenkontur der Silberplatte beschnitten ist. Unter dem Bergkristall auf lose eingelegtem weißen Papier in schwarzer Schrift: Nach Lesart und Übersetzung von Zygmunt Abrahamowicz: "Herr und Besitzer Hasan Sohn des Hüseyin aus A(?)lu(?)uwi". (Ortsangabe wegen zweifelhafter Buchstaben nicht identifizierbar.) - Klaus Kreiser, Bamberg, sieht in dem Ortsnamen eine leicht entstellte Form von Avionyavi bzw. Aviunyavi oder auch Avioyavi, d.h. ein Mann aus Awlonya, d.i. Viora/Valona in Süd-Albanien. Bei der Häufigkeit des Namens Hasan, auch in Verbindung mit dem Vaternamen Hüseyin, ist eine Identifzierung des ursprünglichen Besitzers der Zierplatte nicht möglich. Die Nennung des Namens auf dem lose eingelegten Papier schließt zudem eventuelle Vorbesitzer nicht aus. Auch die eigentliche Funktion unserer Zierplatte (sowie der unten aufgeführten beiden Vergleichsstücke) ist ungeklärt. Nach früher vertretener Auffassung (Kurfürst Max Emanuel. Bayern und Europa um 1700. Kat. der Ausst. im Alten und Neuen Schloss Schleißheim. Bd. 2. München 1976, Nr. 186; Osmanisch-Türkisches Kunsthandwerk aus süddeutschen Sammlungen. Kat. zur Ausst. im Bayerischen Armeemuseum Ingolstadt. München 1979, Nr. 108) sollen derartige Steinplatten von Derwischen des Bektaschi-Ordens am Leibgürtel getragen worden sein, worauf in gewisser Hinsicht auch die alten Inventar-Einträge (z.B. "türck. pfaffen stein") hindeuten könnten. Dagegen haben in mehr oder weniger gleichlautenden Äußerungen Zygmunt Abrahamowicz, Krakau, Filiz Çağman und Nazan Tapan-ÖIçer, Istanbul, und Klaus Kreiser, Bamberg, eine Herkunft dieser Stücke aus dem Milieu der religiösen Derwisch-Orden ausgeschlossen; gegen eine solche Verwendung sprechen allein schon Gewicht und Kostbarkeit, da die Derwische der Armut verpflichtet waren. Vor allem aber sind Bektaschi-Steine - im Hinblick auf den nach schiitischen Vorstellungen am Ende der Welt erwarteten zwölften Imam - stets zwölfeckig. Aus dem gleichem Grund wird wohl auch die kleinere achteckige, mit einem grünen Jadecabochon besetzte Steinplatte am Gehänge eines türkischen Säbels des 18. Jhs. in den Staatlichen Kunstsammlungen Kassel, Schloss Friedrichstein, Inv. B II 96 (Schleißheim 1976, Nr. 136. - Ingolstadt 1979, Nr. 107, Abb. 16) entgegen der dort getroffenen Bestimmung nicht als "Bektaschi-Ordensstein" in Anspruch zu nehmen sein. Ebenso die runde Zierplatte mit Achat am Gehänge eines türkischen Dolches des 17. Jhs. im Historischen Museum Dresden, Inv. Y 120 (Johannes Schöbel. Orientalica. Staatl. Kunstsammlungen Dresden. Hist. Museum. Dresden 1961, Nr. 7; und ders. Türkenschatz. Aus dem Hist. Museum der Staatl. Kunstsammlungen Dresden. Leipzig 1974, Nr. 30). Nach Nazan Ölçer allerdings lässt die Inschrift unserer Zierplatte (die sie als typische osmanische Arbeit vom Ende 16. / Anfang 17. Jhs. ansieht) einen gewissen religiösen Charakter erkennen; sie gibt zu bedenken, ob die Platte eventuell von einem der höheren, stets religiös orientierten Janitscharen-Offiziere (oder dessen Pferd) getragen worden sein könnte, etwa bei einer großen Siegesparade. Sie nimmt ferner an, daß solch ein Prachtstück kein persönlicher Besitz des Trägers war, sondern eher aus der Schatzkammer des Sultans stammte. Die wohl zutreffendere Annahme hingegen, dass derartige Zierplatten als Pferdebrustschilde an prunkvollen Reitzeugen gedient haben, ist in der einschlägigen Literatur bereits mehrfach anzutreffen (Der Türkenlouis. Illustr. Kat. der Ausst. zum 300. Geburtstag des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden. Hrsg. vom Badischen Landesmuseum. Karlsruhe 1955, Nr. 441 und 558; siehe auch: Schatzkammer der Residenz München. Katalog. 3. Aufl. München 1970, Nr. 1224); sie lässt sich auch mit zahlreichen Darstellungen auf zeitgenössischen osmanischen Miniaturen belegen. Für eine solche Verwendung spricht ebenso die an den genannten Exemplaren übereinstimmende Haltevorrichtung, mit deren Ösen und Ringen die Zierplatte am Brustriemen des Reitzeuges befestigt werden konnte.
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Erhaltungszustand: Der Niellodekor der Silberplatte stellenweise abgerieben; eine Rosettenfassung geringfügig eingedrückt. Der Bergkristall an seiner Spitze etwas bestoßen; dessen Fassung jetzt drehbar und mit der entsprechenden Aussparung im Dekor der Silberplatte nicht mehr deckungsgleich.
Alte Inventare: "Türckische Kammer" (GLA 47/1998) Nr. 100: "1 8-ecketer Speck-Stein Vorderhalb mit einem Silber-Blech beschlagen, und mit einem großen Cristall-Stein, worunter eine Türckische Schrifft, auch Türckis und rubin-Korn besezt, hinten mit einem silbernen Blättel und 2 dergleichen Ringlen versehen so ein Türckisches Heiligthum seyn solle." - Offensichtlich identisch mit dem im "Nachlaßinventar des Markgrafen Hermann" 1691 (GLA 46/3577) aufgeführten "Ein türck. pfaffen stein" sowie mit dem im "Inventar zur Prager Reise" 1721 (im Zweiten Weltkrieg vernichtet) im "Verschlag Nr. 19" enthaltenen "1 jaspis mit steinen Stern gestalt", der in der "Consignation" nach 1721 (GLA 47/1998) unter Nr. 4 wiederkehrt: "1 Jaspis, wie ein stern geförmbt, mit 4 großen und 4 kleinen Türckißen, und 8 anderen gesteinen, inwendig mit erhobenen Cristal, worunter ein Türckische Schrift gefaßt". - Bereits im sachsen-lauenburgischen "Inventarium über die Fürstlich Kunst Cammer zum Newenhauss" von 1666 (im Zweiten Weltkrieg vernichtet) ist "1 stein, so die Türcken gebrauchen, ist ein jaspis" aufgeführt.
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Literatur:
| Karlsruhe 1991, S. 157 f.
| | Renner 1941, S. 103, 165
| | Petrasch 1952, S. 632 f.
| | Karlsruhe 1955, Nr. 441
| | Schleißheim 1976, Nr. 186
| | Petrasch 1977, Nr. 22
| | Stuttgart 1987, Nr. 1.77
| | Zygulski 1988, S. 157, Abb. 205 |
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Die Silberblechscheibe mit verschiedenen gefassten Edelsteinen weist feinstes Ranken- und Blattwerk in Niello auf.
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Zierplatte Badisches Landesmuseum, Karlsruhe (Zähringer Stiftung) Inv.: D 240 Stilrichtung: Osmanisch Datierung: 17. Jh. (vor 1691) Maße: Steinplatte: Dm 17.00 cm, H 1.60 cm; Silberplatte: Dm 14.90 cm; Bergkristall: Dm 4.00 cm; H 3.00 cm Material: Agalmatolith; Messing; Silber; Vergoldetes Silber; Almandin; Türkis; Nephrit; Bergkristall
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