Schreibkasten mit Bemalung
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Rechteckiger Kasten aus Holz auf hohem, an den Längsseiten ausgeschnittenem Fußrand, mit gerundeten, kielbogenförmigen Schmalseiten und hochgewölbtem Deckel; hinten zwei blattförmige, gravierte Scharniere und vorne Schließe mit Öse aus Silber. Außen grüner Lederüberzug mit gepresstem Reliefdekor im Stil türkischer Bucheinbände, bemalt in Silber, Braun, Zinnober- und Karminrot auf unterschiedlichem Goldgrund: in den vertieften, mit profilierten Leisten gerahmten rechteckigen Feldern und Bordüren der Kastenwandung Medaillons und Arabeskenranken, Wolkenbandornamente, Blüten, Hatayi und Saz-Blätter als zierliches Füllwerk. Auf dem Deckel übereinstimmender Dekor: drei große spitzovale und vier halbe Medaillons mit Füllwerk, von Bordüren gerahmt. Der Kasten innen sowie die Bodenunterseite sind mit rotem Leder bezogen; ebenso der herausnehmbare Einsatz aus Holz mit Randstegen aus Pappe und entsprechendem Dekor aus einem oblongen Mittelmedaillon und vier Eckstücken sowie einem einfachen Punktmuster auf der Unterseite. An der rechten Schmalseite des Kastens ein abgeteiltes Fach mit einsetzbarem Tintengefäß in Form eines halben Zylinders aus Messing und silberner Deckplatte, in deren Mitte ein kleiner runder Scharnierdeckel. Der gleichfalls mit rotem Leder bezogene flache Deckelboden ist mit vier spitzovalen und vier halben Medaillons dekoriert; der oblonge Ausschnitt anstelle eines Mittelmedaillons diente wohl zum Einlegen von Federn und anderer Schreibutensilien in den Hohlraum des mit weißem Papier beklebten Deckels.



Erhaltungszustand:
Insgesamt starke Gebrauchsspuren. Ecken und Kanten mehrfach bestoßen. Der Lederbezug sowohl außen als auch innen stellenweise stark abgewetzt und ausgerissen. Der Goldgrund z.T. verrieben, die Silbermalerei, vor allem außen, schwarz oxydiert. Am beweglichen Kasteneinsatz fehlt an einer Schmalseite der Randsteg sowie die an der Gegenseite ausgebrochene Handhabe. Die wohl mit einem Häkchen in einer (noch vorhandenen) Ringöse im Deckelboden fixierbare Verschlussklappe nicht erhalten.

Alte Inventare:
"Türckische Kammer" (GLA 47/1998) Nr. 190: "1 Schreib-Küstel von Papendeckel, worin ein meßingener Schreib-Zeüg, mit einem silbernen Blättel."

Literatur:
Karlsruhe 1991, Nr. 293
Karlsruhe 1955, Nr. 516
Schleißheim 1976, Nr. 194
Petrasch 1977, Nr. 46
Wien 1983 b, Nr. 27/3
Stuttgart 1987, Nr. 1.78
Zygulski 1988, S. 148, Abb. 201

Der Schreibkasten für die Schreibwerkzeuge der Kalligrafen besitzt ein herausnehmbares Tintenfass.

Daten & Fakten:
Badisches Landesmuseum, Karlsruhe (Zähringer Stiftung)
Inv.: D 244
Stilrichtung: Osmanisch
Datierung: Frühes 17. Jh.
Maße: L 38.00 cm, B 11.20 cm, H 13.50 cm
Material: Holz; Silber; Leder; Farbe; Pappe; Messing; Papier