Gebetbuch aus Gran (Esztergom)
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Ein Eintrag auf Blatt 179b deutet auf eine Erbeutung der Handschrift in der Schlacht bei Gran im Jahre 1685: “Anno 1685 Ady den 16. Augustj Ist der Türckh bey Gran Totaliter geschlagenn wordten Vnd alles dahinden laßen müesen die schlacht Hatt von Morgens 5 Vhre Biß 7 Vhr Vnd 30 M. Bekon. Ady den 19 Augustj 685 Hatt man Neü Haüsel anfangen Zu stürmen Von Morgens 6 Vhr Biß 8. Vhr Vnd alles Nider gemacht wordten daß Kind Jn Mutter Leib gar“. Ein beiliegender Zettel, an der linken unteren Ecke angeklebt, der in arabischer Schrift und lateinischer Übersetzung auch etwas zum Inhalt sagt, zeigt das Gebetbuch 1694 im Besitz des Herrn Schaden, Praefectus militaris Ulmensis. Rotbrauner Ledereinband mit Klappe, mandelförmiges Mittelmedaillon mit Anhängern und geschweifte Eckstücke auf beiden Deckeln. Dieselben Eckstücke sowie zur Klappenspitze hin zugespitztes, rundes Vielpassmedaillon auf der Klappe. Füllungen mit Ornamenten im Sazstil, gepresst. Vorsatz und Klappeninnenseite Ebru-Papier in Weiß, Grau, Gelb, Grün und Rot. Hellbeiges, geglättetes Papier mit Wasserzeichen (dreiblättriges Kleeblatt, darunter am Stengel über Kreuz die Buchstaben V und G). 188 Blatt, davon 178 beschrieben. Deutliches Neshī, 15 Zeilen pro Seite. Text in schwarzer, Überschriften und Hervorhebungen in roter Tinte, Blatt 2b-3a goldgerahmt, sonst einfach rot gerandet. Im ersten Teil Surenzählung auf dem Rand, im dritten Teil türkische Zusätze. Text arabisch und türkisch, das Arabische vokalisiert. Kustoden. Altes Etikett ,“68“.

Die Handschrift besteht aus drei Textblöcken: 1. aus den zwölf Suren: 6, 36, 48, 55, 67, 78, 110, 111, 112, 113, 114 und 1 (2b-24b); 2. aus einer hier "Risale-i ed'iye", sonst "Du'aname" genannten Schrift des Schejchülislam Ebus-suud Efendi (1490-1573), auf Blatt 29b-60b (siehe dazu Manfred Götz. Türkische Handschriften. Wiesbaden 1979. (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland. Im Einvernehmen mit der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft hrsg. von Wolfgang Voigt Bd. 13, 4.), Nr.173-175 mit Vergleichsstücken und Literatur); 3. aus einer großen Gruppe von kleineren religiösen Texten, meist Gebeten oder Kommentierungen von Koranversen (Blatt 25a-28b; 61a-179a). Diese Texte hat Paul Horn im Karlsruher Katalog von 1892 detailliert aufgeführt. Die beiden Gebete auf den beiden letzten Blättern stammen von einer späteren Hand. Blatt 153b-154a zeigt den Beginn einer Liste von Anrufungen Gottes, in roter Tinte. Ein schräg daruntergesetzter türkischer Text gibt Hinweise für den richtigen Einsatz: wieviele Wiederholungen zu welcher Zeit was bewirken können.



Erhaltungszustand:
Einband an Klappe und Steg etwas verblasst, Rücken leicht angebrochen, sonst gut. Geschützt in einem roten Schuber der Bibliothek.

Literatur:
Karlsruhe 1991, Nr. 318
Karlsruhe 1892 und 1970, S. 38-39, Nr. 27
Karlsruhe 1895 und 1970, S. 180
Karlsruhe 1955, Nr. 534

Diese Handschrift enthält Gebete und Kommentierungen von Koran-Versen, die religiöse Stärkung geben sollten.

Daten & Fakten:
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe
Inv.: BLB Hs. Rastatt 202
Stilrichtung: Osmanisch
Datierung: Vor 1685
Maße: L 14.70 cm, B 10.20 cm
Material: Leder; Papier; Tinte