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| Buch der Beweise des Prophetentums www.tuerkenbeute.de/sam/sam/sam_sch/RA207_02_de.php |
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Rotbrauner Ledereinband ohne Klappe. Auf den Deckeln, in weitgehend verwischter Bordüre aus gereihten, S-förmigen Blattmotiven, gepresste und geschnittene Goldmedaillons mit Strahlen, Anhänger und Eckstücke gefüllt im Saz-Stil. Innen mandelförmiges Mittelmedaillon mit Strahlen, in Sazblattrahmen mit Päonie in der Mitte. Dünnes, geglättetes Papier mit nur schwach erkennbarem Wasserzeichen. 359 beschriebene Blätter in kleinem, guten Neshī, die Seite zu 25 Zeilen. Schrift schwarz, Goldpunkte, Hervorhebungen und Überschriften rot. Lücken auf manchen Seiten zeigen, wo die rote Schrift nicht ausgeführt wurde. Kustoden nicht konsequent. Schwarz begrenzte, goldene Randleisten bis auf Blatt 359. Illuminierte Zierstücke (unvan) zu Beginn der Hauptabschnitte (rukn), erhalten auf Blatt 1b, 121b und 148b. Unvan und Textbeginn von Rukn I blieb trotz des dafür ausgesparten Raumes (55b) unausgeführt, der Unvan von Rukn III (358b) ist abgeschnitten. Unvan (1b) mit Kopfstück und Goldrand aus einem Stück ausgeschnitten und aufgeklebt. Roter Rahmen oben offen, im unteren Feld ein großes querliegendes goldgrundiges, mehrfach geschweiftes Ornamentfeld, umgeben von in Gold ausgeführten Blumen und Blattformen im Rumī-Stil. Die Blüten teilweise in Hellblau, Silber und Hellrot. Im oberen Feld drei weißgrundige aus Gabelblättern gebildete Nischenformen, die Zwischenfelder durch goldgrundige Gegenstücke ausgefüllt, die obere Umrisslinie aus Gabelblättern gebildete Kuppelform, mit eingeschriebener Blüte bekrönt, das Ganze als Bordürenausschnitt gestaltet. Blüten ebenso farbig gefasst wie im unteren Feld. Unvan (121b): das untere rechteckige Feld türkis gerahmt mit goldgrundigen Ornamentfeldern: querrechteckiges Mittelfeld, beidseitig Anhänger und vom Rand überschnittene Ornamentfelder. In den Zwickeln goldgrundige Reserven. Blauer Fond, ausgefüllt mit Blattranken und Blüten in Hellrot, Oliv, Hellblau, Altrosa, z.T. weiß gehüllt. Im nach oben offenen oberen Feld aus einem Querrechteck sich erhebende Nische mit breiter, stark geschweifter, goldgrundiger Randbordüre sowie goldgrundigen Reserven. Der Fond blaugrundig, vollständig überzogen von feinen Blatt- und Blütenranken, wie im unteren Feld. Das offene Feld blau gerandet mit stark stilisierten Blütenstauden in Blau. Unvan und Schriftspiegel eingefasst von Goldrahmen mit blauer Umrisslinie. Unvan (248b) ebenfalls zweigeteilt: unten blaugrundiges Querrechteck, innerhalb einer weiß gepunkteten Randleiste, gefüllt mit goldgrundigen Ornamentfeldern: in der Mitte querliegendes beschnittenes quadratisches Feld, an den Schmalseiten Medaillonspitzen, in den Zwickeln Reserven. Ausgefüllt mit zarten Blütenranken in Hellblau, Hellrot, Oliv und Braun, zum Teil weiß gehüllt. Das Oberfeld in weiß gepunktetem, hellbraunem, nach oben offenem Rahmen. Geschweifte Medaillonspitze mit breitem Goldrand, ausgefüllt mit Blatt- und Blütenranken in schwarzer Tuschzeichnung. Die Binnenfläche blau, ausgefüllt mit drei Gabelblattkartuschen und Blütenranken in Gold, Blau, Oliv und Hellrot. Ornamentrand eingefasst von Strahlenkranz sowie von stark stilisierten Blütenstauden in Blau. Unvan und Schriftspiegel in Goldrahmen mit blauer Umrisslinie. Diese drei Unvane charakterisierte Graf Bothmer als “anständige, wenn auch etwas langweilige Illumination“, die “den hohen Standard auch der >normalen< türkischen Buchproduktion vor Verbreitung des Buchdrucks“ bezeugt (Türkische Kunst und Kultur aus osmanischer Zeit. Ausst. Museum für Kunsthandwerk, Frankfurt. Bd. 2., Recklinghausen 1985, S. 92).
Der Text ist eine türkische Version des persischen Werkes “Ma'aridsch an-Nubuwat fi Madaridsch al-Futuwa“ von Mu'in-ad-Din Muhammad Amin b. Hadschdschi Muhammad al-Farahi al-Harawi aus Herat, gen. Miskin (der Arme). Der Übersetzer Mehmet bin Mehmet, genannt Altıparmak (gestorben 1033/1623-1624 in Kairo), ein gelehrter Scheich des Derwischordens der Bayramiye, betätigte sich verschiedentlich als Übersetzer aus dem Arabischen und Persischen ins Türkische. Zahlreiche erhaltene und oft sogar datierte Handschriften, etwa in Berlin, Bologna, Dresden, Kairo, London, München, Uppsala, Wien, besonders aber in Istanbul, unterstreichen die Beliebtheit, die seine “Beweise des Prophetentums Muhammads“ im Osmanischen Reich des 17. und 18. Jhs. erreichten. Für das fortdauernde Interesse auch noch im 19. Jh. zeugen die Druckauflagen des Werkes (Istanbul 1257/1841, 1290/ 1873, 1305-1307/1889-1890, 1327-1328/1909-1910, Bulaq 1271/ 1854-1855 und Kazan 1865). Weit geringere Verbreitung fand die frühere Übersetzung des Koca Nişancı Celalzade Mustafa (gestorben 1567). Die Handschrift beginnt (1b) mit dem Titel des Werkes und einer ausführlichen Vorstellung des Übersetzers, seines Ranges, seiner Gelehrsamkeit, seiner Vortrefflichkeit. Auf Zeile 4 beginnt der eigentliche Text, wie das persische Original nach einer Vorrede (mukaddime) errichtet auf vier Stützpfeilern (rukn), abgeschlossen mit Schlusswort (hatime). Die Mukaddime spricht von den Lobpreisungen und Gebeten, die man Gott schuldet, Rukn I behandelt die Propheten vor Muhammad, Rukn II die Ankündigungen seines Prophetentums, seine Geburt und sein Leben bis zur Berufung. Rukn III erzählt die Ereignisse vom vierzigsten Lebensjahr Muhammads bis zur Hedschra, Rukn IV jene von der Hedschra bis zum Tode. Die Hatime schließlich behandelt die Wunder des Propheten. Die Handschrift ist unvollständig. Der Text bricht auf Blatt 356b ab. Die letzten Blätter (357-359) sind ohne Zusammenhang eingebunden. Es fehlt der Schluss von Rukn II und der Anfang von Rukn III (zwischen Blatt 155 und 156), außerdem der Schluss von Rukn IV und die Hatime. Ein Bruchstück desselben Werkes in der Bayerischen Staatsbibliothek München (Cod. turc.104), das nach dem Katalog (Verzeichnis der orientalischen Handschriften der K. Hof- und Staatsbibliothek in München mit Ausschluss der Hebräischen, Arabischen und Persischen. Nebst Anhang zum Verzeichnis der arabischen und persischen Handschriften. München 1875. Unveränd. Nachdr. Wiesbaden 1970, S. 31) ausgerechnet die Hatime enthält, zudem bei gleicher Zeilenzahl pro Seite, ließ gespannt aufmerken: könnte es sein...? Eine erste Prüfung ergab verstärkte Hinweise: Das Ende von Rukn II findet sich in Cod. turc.104 auf Blatt 31a (Foliierung unten links). BLB Hs. Rastatt 207 schließt unmittelbar an mit dem Beginn von Rukn III (eingefügtes Blatt 358b), worauf, wie der Kustode zeigt, lückenlos Cod. turc. 104 fol. 32 b folgt. Ein zweiter durch den Kustoden gesicherter Zusammenhang besteht zwischen Cod. turc. 104 fol. 20b und Rastatt 207 fol. 357a (eingefügtes Blatt). Kein Zweifel an der Zusammengehörigkeit beider Handschriften blieb, als sie nebeneinander lagen: Format, Schrift, Tinte, Rahmen identisch, dieselben starken Wasserflecken und als i-Tüpfelchen: Auf BLB Hs. Rastatt 207 fol. 357a hat sich die rote Kapitelüberschrift von Cod. turc. 104 fol. 20b abgedrückt! Das Münchner Bruchstück macht die Karlsruher Handschrift um 93 Blatt vollständiger, allerdings noch nicht vollständig. Auch die Hatime, so ergibt sich u.a., begann mit einem Zierstück (Cod. turc. l04 fol. lb), es ist aber wie bei Rukn III in BLB Hs. Rastatt 207 (358b) abgeschnitten worden, hatte sich aber zuvor als roter Rahmen auf fol. 2a abgedrückt. Wann die Handschrift auseinandergerissen wurde, wie die beiden Teile nach Karlsruhe und München geraten sind und wohin die noch fehlenden Blätter geraten sind, lässt sich nicht klären. Jedenfalls muss sie, noch vollständig, ein gewaltsames Schicksal erlitten haben: Die schweren Wasserflecken und die Tatsache, dass sie auseinandergerissen wurde, zeugen davon. Solche doch wohl dramatischen Umstände führen die Phantasie leicht in das Getümmel der Türkenkriege. Erhaltungszustand: Ecken abgestoßen, Leder und Goldschmuck teilweise verblasst oder abgerieben, wurmstichig, Reste von Siegellack auf dem hinteren Einbanddeckel. Leder stellenweise aufgelöst und abgelöst, hinterer Einbanddeckel losgelöst. Papier wasserfleckig, oben teilweise Papierverlust durch Schädlingsfraß. Text unvollständig. Alte Inventare: “Türckische Kammer“ (GLA 47/1998) Nr. 242: “1 Drey Finger dickes Buch in Braun Leder gebunden, Türckische Schrifft, vermuthlich der Alcoran oder ein Kriegs Reglement“. “Specificatio“ von 1774 (GLA 46/4459): “Ein Buch in Leder gebunden, vermutlich der geschriebene Alcoran auf Papier“. Literatur: Karlsruhe 1991, Nr. 320 Karlsruhe 1892 und 1970, S. 37f., Nr. 26 Karlsruhe 1895 und 1970, S. 181 Petrasch 1952, S. 658 Karlsruhe 1955, Nr. 533 Frankfurt 1985, S. 92, Nr. 1/66 |
![]() Der Deckel des rotbraunen Ledereinbandes ist mit s-förmigen Blattmotiven, Goldmedaillons und Eckstücken im Saz-Stil verziert. Daten & Fakten: Badische Landesbibliothek, Karlsruhe Inv.: BLB Hs. Rastatt 207 Stilrichtung: Osmanisch Datierung: 17. / 18. Jh. Maße: L 26.50 cm, B 16.50 cm Material: Leder; Papier; Goldfarbe; Tinte Bestseller Die zahlreichen erhaltenen Handschriften der "Beweise des Prophetentums Muhammads" und die hohen Druckauflagen noch im 19. Jh. dokumentieren, dass die Schrift zu den Top Ten der osmanischen Literatur gehörte. |