Abrechnung der kleinen Deşişe-Stiftung
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Großformatiges osmanisches Defter in hellbraunem Ledereinband. Eingeprägte Mittelmedaillons mit Anhängern, darin floraler Schmuck. Der osmanische Titel in einem Papierschild. Deutscher Titel unten: “Register über die Summarische Stifftungs Rechnung der kleineren Muhametischen Schwester von Anfang des 1082ten Jahrs bis End des 1099ten Jahrs“. Auf Blatt 1a ein eingeklebter Zettel mit fast derselben Aufschrift. Die weitere Beschreibung stimmt mit Inv. BLB Hs. Rastatt 211 überein. Früher Durlach 78b. Auch hier über dem Text das Siegel des Vali von Ägypten und des Kadi von Kairo. Rechts vom Siegel des Kadi Unterschrift 'Abdarra'uf Mansur's, des Başkâtib der Stiftung. Er dürfte, worauf auch der Schriftvergleich hinweist, der Schreiber beider Defter sein. Links vom Siegel, tiefer angesetzt, Unterschriften vom Abdullah(?), Kâtib-i rumî der Stiftung, Mehmet, erster Şahid der Stiftung, und Mehmet, zweiter Şahid der Stiftung. Sie alle sind bezahlte Angestellte der Stiftung, wie aus der Stiftungsurkunde hervorgeht. Anordnung, Umfang und Veranlassung des Textes wie in Inv. BLB Hs. Rastatt 211.

In einem ersten Abschnitt werden die im gesamten Abrechnungszeitraum zur Verfügung stehenden Gelder pauschal aufgelistet: Sie belaufen sich auf 599 Kise 2218 Para. Die Ausgaben sind größtenteils den einzelnen Jahren zugeordnet. Die wichtigsten sind: 1) Die Frachtkosten für die jährlich nach Mekka und Medina zu sendenden 11.000 Erdeb Weizen, wobei zwischen dem Transport auf eigenen Schiffen des Vakf und auf Handelsschiffen differenziert wird. 2) Kosten vor allem für Reparaturen und Kauf von Schiffen. Dazu kommen in einer dritten Rubrik Aufwendungen für die jährliche Geldsendung an die Heiligen Stätten (surre) und eine vierte, in der gemischte Posten erfasst sind, wie Ausgaben für Baureparaturen etc. Die Ausgaben belaufen sich auf insgesamt 572 Kise, 20519 Para. Die Differenz von 26 Kise, 6757 Para ist vorhanden, die vorgeschriebene Menge Weizen wurde alljährlich verschifft, lediglich von 1099 gibt es einen Rückstand, den der Mütevelli, nämlich der Kethüda der Janitscharen (hier: müstehafızan) und seine Leute mit der nächsten Lieferung zu senden versprachen. Ob Surre und Weizen aber auch wirklich in den Heiligen Stätten angekommen sind, wird noch von Vertrauensleuten an Ort und Stelle untersucht. Die Auskünfte werden bei ihrer Ankunft in die örtlichen Defter eingetragen, heißt es am Schluss, und Hohen Orts unterbreitet werden. Auf Blatt 6b ist ein Blatt mit einer undatierten Kopfsteuerabrechnung eingeklebt.



Erhaltungszustand:
Gut

Literatur:
Karlsruhe 1991, Nr. 313
Karlsruhe 1892 und 1970, S. 51, Nr. 34.85-86
Karlsruhe 1895 und 1970, S. 182
Babinger 1931, S. 21 Anm. 1
Petrasch 1952, S. 592

Die eingeprägten Mittelmedaillons des Einbandes enthalten den osmanischen (unten) und deutschen (oben) Titel des Defters.

Daten & Fakten:
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe
Inv.: BLB Hs. Rastatt 212
Stilrichtung: Ägyptisch
Datierung: 2. Dekade Zilkade 1101/16.-15. August 1690
Maße: L 57.00 cm, B 21.00 cm
Material: Papier; Leder