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| Schatzkammer-Inventar des Bosniaken Osman Pascha |
Osmanisches Defter in originalem Papiereinband mit braunem Lederrücken, 42 Blätter, 8 Blätter davon mit schwarzer Tinte im Divani-Duktus beschrieben, Spuren von Goldstaub. Beiges, geglättetes Papier europäischer Herkunft mit Wasserzeichen. Die Wasserzeichen, Lilienkrone mit einem Aufsatz aus Stern und Halbmond sowie stehende Hunde unter einer Krone mit Stern und Halbmond, sind auch auf anderen Stücken vom Archiv Osman Paschas vertreten. Als Meninski 1684 die erbeuteten Schriften Osman Paschas sichtete, beschrieb er auch dieses Defter: "Trà queste è in un libretto cauvato deI sacco rosso la lista delle robbe piu preziose, che teneua in sua custodia il Tesoriero deI medesimo Osman Bassà, mentre era nel Cairo, nella sua Guardarobba ò camera deI tesoro, et è come qui sotto" (Wilhelm Brambach. Meninski über türkische Handschriften der Großherzoglichen Hof- und Landes-Bibliothek zu Karlsruhe. In: Centralblatt für Bibliothekswesen, Bd. 7 (1890), S. 307). Er fand diese Liste wert, übersetzt und in seinen Bericht aufgenommen zu werden. Brambach und Babinger hingegen kürzten sie bei der Publikation (BLB HS. Rastatt 216 a; Kriegsverlust) heraus. Meninski ergänzt seine Beschreibung mit den Worten: "Dentro al medesimo libretto si trouano aggiunte altre liste picciole" und beschreibt diese kurz. Daraus ergibt sich, dass das Defter einstens in einem roten Säckchen steckte und dass vier Blätter mit Listen eingelegt waren. Die letzte dieser Listen ist bei Babinger in Faksimile wiedergegeben (BLB Hs. Rastatt 246, Die Handschriften der Großherzoglichen Badischen Hof- und Landesbibliothek in Karlsruhe. 2. Orientalische Handschriften. Karlsruhe 1892. - Die Handschriften der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe. 2. Orientalische Handschriften. Neudr. mit bibliographischen Nachträgen. Wiesbaden 1970, Karlsruhe 1892 und 1970, S.52, Nr. 34, 90. - Das Archiv des Bosniaken Osman Pascha. Nach den Beständen der Badischen Landesbibliothek zu Karlsruhe hrsg. u. erl. von Franz Babinger. Berlin 1931, LXXXII). Bis zum Zweiten Weltkrieg war auch das 2. Stück, ein Verzeichnis von Tuchen (BLB Hs. Rastatt 323, Karlsruhe 1892 und 1970, S. 52, Nr. 34, 92) noch vorhanden, wohingegen die beiden übrigen Beilagen (Meninski Nr. 1 und 3) schon zur Zeit der Bearbeitung durch Paul Horn nicht mehr vorhanden waren.
Den Inhalt umschreiben und gliedern zwei Überschriften: “Verzeichnis der Sachen in den Schatzkammern Seiner Exzellenz unseres Herrn Pascha. 2. [Rece]b 1093“ (= 7.7.1682). Es folgen 153 Positionen, die insgesamt 352 Einheiten von Gegenständen (Stücke, Paare, Bündel) umfassen. Die ersten 41 Positionen (1b-2b) umfassen 75 Einheiten, sie beschreiben die “Silbernen Sachen in der kleinen Schatzkammer“, wie es am Ende heißt. Aufgeführt werden 11 Säbel (kılıç), 19 Kurzschwerter (gaddare), 13 Streitkolben (topuz), 12 Sättel (palan) und 15 Reitzeuge (raht) verschiedener Art, darunter Galareitzeuge (divan rahtı). Es sind kostbare Gegenstände, üppig mit Gold, Silber, Edelsteinen und Halbedelsteinen, Elfenbein, Samt und Brokat geschmückt. Jedes Stück ist nach seiner Art genau bezeichnet und mit seiner individuellen Ausstattung beschrieben. Nur wenige Exemplare sind völlig identisch und mehrfach vorhanden. Zweimal wird sogar die Herkunft vermerkt. Ein goldener Säbel stammte von einem Mustafa Ağa, ein anderer wird beschrieben als “ganz mit Edelsteinen geschmückter Säbel nebst Gürtel, von Musahib Ahmed Ağa überbracht“. Dieser Säbel war ein Ehrengeschenk Sultan Mehmets IV. an Osman Pascha, nach Kairo übersandt mit einem Allerhöchsten Handschreiben (Karlsruhe 1892 und 1970, S. 50, Nr. 34,76. - Babinger 1931, LXXX). Die übrigen 277 Stücke (3a-7a) waren, so darf man annehmen, der Inhalt von Osman Paschas großer Schatzkammer. Auch hier Glanz und Prunk bei größerer Vielfalt des Bestandes, u.a. kommen noch hinzu: Feldflaschen (mathara), Steigbügel (özengi), Pferdedecken (dikdik, aba'i), Pfeile und Bögen (yay ok), steinbesetzte (oder damaszierte?) Gewehre (cevherdar tüfeng), zwei europäische Gewehre (ferengi tüfeng), Patronentaschen (tüfeng fişeklikleri) und verschiedene Schilde (kalkan). Ein reichgeschmücktes Galareitzeug (divan rahtı) stammte aus dem Nachlass eines Mustafa Pascha, einen silbernen Säbel hatte Osman Pascha von einem (seinem?) Haushofmeister (vekilharç) erhalten.
“Reitzeug in der Kammer des Schatzmeisters; 2. [Rece]b 1093“ (= 7.7.1682). Für diese Kammer sind, verteilt auf 34 Positionen, 44 Objekte erfasst: 15 Reitzeuge (raht), 9 Paar Steigbügel (özengi), 6 Sättel (eğer), 8 Pferdedecken (çoka), 6 Satteldecken (kesme). Die einzelnen Stücke sind wiederum nach Typ und besonderer Ausstattung genau beschrieben. Gold, Silber, Samt sind reichlich verwendet, was erklärt, warum auch diese Stücke in der Obhut des Schatzmeisters waren. Das Prunkstück dieser dritten Kammer ist ein Galareitzeug (divan rahtı). Einige Einträge des Defters geben einen direkten Hinweis auf die Orte der Herstellung: “Istanbuler Arbeit“, “Kairener Arbeit“ (Istanbul işi, Mısır işi). In anderen Fällen wird nicht recht deutlich, ob ein Ortsname die Herkunft oder nur eine Machart bezeichnet. Zwei Listen ergänzen das Bild von Reichtum und Glanz, mit dem Osman Pascha und sein Gefolge auftraten. Die eine Liste lag dem Defter nach Meninski bei, die andere nicht (Karlsruhe 1892 und 1970, S.52, Nr. 34,91. - Babinger 1931, LXXXIII), ist aber vom gleichen Schreiber abgefasst und gehört auch sachlich hierher. Die beigelegte Liste registriert zwanzig silberne Schwerter aus Kairo, elf Gewehre und vierundzwanzig Pfeilköcher, die Osman Pascha an andere Personen vergeben hatte, die andere verzeichnet wertvolle Reitzeuge, Waffen und Pfeilköcher, die er an wiederum namentlich genannte Personen verliehen hatte, wohl für gemeinsame, feierliche Auftritte. Es ist durchaus vorstellbar, dass das eine oder andere Stück aus Osman Paschas Schatzkammern, wie sein Archiv, nach Baden gelangt ist. Nachweisen lässt sich aber leider nichts.
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Erhaltungszustand: Lederrücken brüchig, teilweise abgefallen, sonst sehr gut erhalten, geschützt in einem Schuber der Bibliothek. - Dieses Defter ist das einzige Stück aus dem Archiv Osman Paschas, das den Zweiten Weltkrieg als Original überdauert hat.
Alte Inventare: “Türckische Kammer“ (GLA 47/1998) Nr.244: “3 dito mit Türckisch Papier überzogene langlechte Bücher, so vermutlich Rechnungen“. –“Specificatio“ von 1774 (GLA 46/4459): “Drey langlechte Buchlein in gefärbtem Papier worinn etwas Arabisch geschrieben“.
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Literatur:
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In diesem Schatzkammer-Inventar sind Waffen, aber auch edle Austattungs- und Alltagsgegenstände aufgeführt.
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Handschrift Badische Landesbibliothek, Karlsruhe Inv.: BLB Hs. Rastatt 325 Stilrichtung: Ägyptisch Datierung: 7.7.1682 Maße: L 30.50 cm, B 10.00 cm Material: Papier; Leder; Goldstaub
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