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Drei Wurfspieße in gemeinsamer Scheide
Drei Wurfspieße unterschiedlicher Länge mit jeweils vierseitiger Stahlspitze (L 7.80 cm-11.20 cm) auf konischer Tülle mit sechseckig profiliertem Nodus und Resten alter Vergoldung. Achteckige, verschieden starke Schäfte aus poliertem Ebenholz mit längsgerillten Kanten; am Griffende des Schaftes sind in jede der acht Seiten gruppenweise je 6-8 zierliche Messingstifte eingeschlagen, wobei jeweils zwei Stifte ein feines, ursprünglich wohl gefülltes, jetzt durchwegs leeres Bohrloch flankieren. Ein am Griffende in jeden Schaft eingeritztes Kreuz markiert wohl die richtige Handlage des Spießes beim Wurf. Die Griffbeschläge aus vergoldetem Silber mit gravierten, z.T. niellierten Blüten und Ranken sind jeweils dreifach ringförmig besetzt mit je acht kleinen Türkisen in Rosetten- bzw. Tulpenblüten-Fassungen; auf der Griffkappe je ein Türkis in Rosettenfassung. Gemeinsame Holzscheide mit schwarzem Lederüberzug; die innere röhrenförmige Dreiteilung durch entsprechende Wölbungen auch an den Außenseiten erkennbar. Das entsprechend geformte Mundblech und die beiden Scheidenzwingen mit je einem Ring aus vergoldetem Silber; auf dem Mundblech beiderseits in je drei Längsstreifen gravierte und ziselierte Blumenranken vor feingerautem Grund; die größeren (nicht vergoldeten) Blüten mit Niellofüllung; die beiden Zwingen sind auf beiden Seiten entsprechend dekoriert. Auf dem mittleren Streifen des Mundblechs unten eine fragmentarisch eingestempelte Tuğra (nach Zygmunt Abrahamowicz ist lediglich der Name "Mehmet" und ein "n", der letzte Buchstabe von "Sultan", lesbar; vermutlich Tuğra Mehmets IV.). Auf der glatten Oberseite des Mundblechs sowie auf beiden Zwingenringen Stichelprobe. Das wohl entsprechend verzierte Ortband nicht erhalten.

Erhaltungszustand:
Spießschäfte mehrfach gerissen und das Holz z.T. abgesplittert; der stärkste Schaft am oberen Ende gebrochen und genagelt; um den mittelstarken Schaft am Ansatz der Tülle eine breite Messinghülse, wohl nachträgliche Reparatur. Am Griffbeschläg der drei Spieße fehlt je ein Türkis, und zwar beim schwächsten Schaft am oberen, bei dem mittelsten am mittleren Besatzring und am stärksten Schaft auf der Kappe. Scheide: Der Lederbezug mehrfach gerissen bzw. an einigen Stellen ausgerissen und stark geschrumpft, so dass die beiden Scheidenbänder und das Mundblech z.T. freiliegen. Das 1842 noch vorhandene Ortband im Inventar von 1869 bereits als fehlend bezeichnet; es ist wohl bei der 1849 erfolgten Entwendung und anschließenden Verbringung der Waffe nach Amerika verlorengegangen.

Alte Inventare:
"Türckische Kammer" (GLA 47/1998) Nr. 97: "eine sogenante Türckische Tara mit 3 Wurf-Spießen, jeder oben mit Vergolden Silber beschlagen und Türckis besezt, die Scheide oben und unten ebenfas breit mit Vergoldem Silber beschlagen, nebst 2 dergleichen Zwinglen mit Ringlen." - Offensichtlich identisch mit dem im "Nachlaßinventar des Markgrafen Hermann" von 1691 (GLA 46/3577) aufgeführten "Drey chevelin mit vergultem beschläg und türckoß versezet". - Nr. 23 der "Consignation" nach 1721(GLA 47/1998): "Türckische Tara mit klein Türckissteineln Besetzt nebst der Schaid mit vergoldten Silber Beschlagen". - Mit weiteren, im Revolutionsjahr 1849 aus dem Schloß Rastatt entwendeten Waffen 1857 aus Amerika zurückgekauft und 1859 der Sammlung wieder einverleibt.
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Literatur:
 Karlsruhe 1991, Nr. 161
 Petrasch 1952, S. 632, 667ff.
 Karlsruhe 1955, Nr. 492
 Karlsruhe 1976 b, Nr. 254
 Petrasch 1977, Nr. 42
 Bothmer 1984, S. 20, Anm. 24



Die Scheide der Wurfspieße weist einen ziselierten und gravierten Blumendekor mit Niello sowie eine eingestempelte Tuğra auf.
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Wurfspieße
Badisches Landesmuseum, Karlsruhe (Zähringer Stiftung)
Inv.: D 86
Stilrichtung: Osmanisch
Datierung: 2. Hälfte 17. Jh. (vor 1691)
Maße: Spieße: L 86.50-87.00 cm, Dm 1.50-1.90 cm; Scheide: L 75.00 cm, B 7.50 cm
Material: Stahl; Ebenholz; Messing; Vergoldetes Silber; Leder; Holz
Höfisches Vergnügen
Bei höfischen Vergnügen des Markgrafen von Baden wurde der Spieß "umgedreht": Bei den beliebten "Türkenkopfrennen" versuchten die Teilnehmer zu Pferd einen Türkenkopf aus Pappmaché oder Holz aufzuspießen.

 

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