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Prunkköchergarnitur des Georg Ujlaki de Sárközuijlak
Der oben offene Bogenköcher aus rotbraunem Leder mit z.T. geschweiftem Umriss ist aus einem Stück geschnitten, an der geraden Außenkante gefalzt und auf der Vorderseite innen mit (stellenweise ausgerissenem) blauem Leinenfutter beklebt. Die Schauseite bedeckt über mattgrüner Lederunterlage in voller Fläche ein mit kugelköpfigen Silbernägeln aufgenieteter (an den Außenrändern durchgenieteter) Zierbeschlag aus reich durchbrochenem und vergoldetem Silberblech: zwischen zweifacher (nicht vergoldeter) Randleiste ausgeschnittene und gravierte Arabesken; das gleiche Füllwerk im Innenfeld und im Rundmedaillon mit zentraler Rosette. Auf dem silbernen Kreisband gravierte Umschrift: GEORGIVS VILAKI DE EADEM SARKÖZ VILAK ET FILI q G: D MATIAE VILAKI E DAPIFER IN TRANSI: SERENIS PRINCIPI NEMPE GABRIELI BETHLEN. Auf der tangierenden inneren Randleiste: A:D. 1.6.27 21. DIE AVGVSTI. In der linken oberen Endung des (hier nicht durchbrochenen) Zierbeschlags ein kleines graviertes Silberplättchen mit Öse für die lederne Tragschlaufe. In beiden oberen Ecken der äußeren Randleiste eine eingeschlagene Meistermarke LN (ligiert) in fassoniertem Schild. Obgleich kein Beschauzeichen vorhanden, kann die Garnitur einem siebenbürgischen Goldschmied zugewiesen werden. Für Siebenbürgen, das zu jener Zeit der Hohen Pforte unterstand, spricht nicht nur die Provenienz, sondern auch die Ornamentik, die osmanischen Einfluss (ein türkisches Vorbild?) erkennen lässt. Es ist jedoch bisher nicht gelungen, einen Meister mit dem Monogramm LN eindeutig namhaft zu machen. Auch ist der Meistername weder in der Goldschmiedeliste noch in den Rechnungen der Stadt Klausenburg (Cluj/Rumänien) und auch nicht in den Rechnungen des Fürsten Bethlen Gábor nachweisbar (briefliche Mitteilung vom 16.1.1964 von Jolán Belogh, Budapest); nach dessen hypothetischer Meinung kä­me vielleicht Laurentius Nagy de Koloszvár (Klausenburg) in Frage, der 1623 das Bürgerrecht im damals siebenbürgischen Kaschau (heute Kosiçe/Slowakei) erhalten hat. Magdalena Bunta, Cluj-Napoca, möchte hingegen unsere Köchergarnitur (lt. Schreiben vom 11.12.1978) mit Vorbehalt dem in Cluj tätigen Meister Niderlandi Eotwes Lörinc (Laurentius aus den Niederlanden) zuschreiben (Eotwes = Goldschmied). Sie weist im übrigen darauf hin, dass "Arbeiten der Goldschmiede aus dem Zentrum Cluj im allgemeinen schwer zu identifizieren sind, da sie keine Kontrollmarken, nur das Namenssiegel verwendeten". - Auch über Georg Ujlaki de Sárközuijlak, dessen Name der Bogenköcher aufweist, waren außer einem erhaltenen Brief in der zugänglichen einschlägigen Literatur keine näheren biographischen Angaben zu ermitteln.

Der Pfeilköcher mit z.T. geschweiftem Umriss in Material, Technik und Dekor mit dem Bogenköcher übereinstimmend. Die Vorderseite besteht aus zwei, etwa hälftig übereinander lappenden Lederteilen, innen (schadhaftes) blaues Leinenfutter; eingepasster spitzovaler Holzboden, außen mit Leder bezogen. Das ebenso zweiteilige Beschlagblech der Schauseite mit einfacher Randleiste, ohne zentrale Rosette, Aufschriften und Marke; auf der Außentasche vertikale Mittelrippe und eine silberne Rosette mit Ringöse eine gleiche Rosette links oben für die (fehlende) Behangkette. Von ursprünglich zwei gravierten Silberplättchen mit Öse nur eines erhalten. Auf der Rückseite vertikaler Tragriemen, etwa von der Mitte ab in schmälere Bänder zweigeteilt, die durch mehrfache Schlitze gezogen und nach unten zu kreuzweise verknotet sind.

Erhaltungszustand:
Der Bogenköcher stark gewölbt und verzogen; das Beschlagblech vielfach wellig verbogen und stellenweise ausgerissen (auch auf dem Pfeilköcher); die äußere Randleiste am Köcherboden etwa 4.00 cm ausgebrochen, das Leder beschädigt, mit Rest der abgerissenen Tragschlaufe. Fehlende Nieten z.T. rezent ergänzt.

Alte Inventare:
"Türkische Kammer" (GLA 47/1998) Nr. 38: "1 großer Köcher von Braun Leder, auf der äußeren Seite mit durchbrochenem und Vergoldem Silberblech beschlagen" und Nr. 39: "1 dito [Köcher] etwas kleinerer, worinne 7 Stück Pfeiler" (diese später entnommen). - Wohl identisch mit dem unter Nr. 13 der "Consignation" nach 1721 (GLA 47/1998) aufgeführten "Pfeil Köcher auf einen grünen Boden mit Zihr vergoldten Beschläg Silber."
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Literatur:
 Karlsruhe 1991, Nr. 188, 189
 Budapest 1896, Nr. 3126
 Bossert 1928/1935, Bd. IV, Abb. S. 429
 Rott 1933, S. 292
 Petrasch 1952, S. 597, 615, Abb. 4
 Karlsruhe 1955, Nr. 459
 Petrasch 1961, S. 54, Abb. 4
 Kalmár 1971, S. 136f. mit Abb.
 Petrasch 1977, Nr. 28-29
 Oettingen 1988, S. 96



Die Prunkköchergarnitur ist in Stil und Ornamentik (Tulpen, Blattranken) deutlich von der osmanischen Kunst beeinflusst.
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Pfeil- und Bogenköcher
Badisches Landesmuseum, Karlsruhe (Zähringer Stiftung)
Inv.: D 91, D 92
Stilrichtung: Siebenbürgisch
Datierung: 1627
Maße: Bogenköcher: H 76.00 cm, B 35.00 cm; Pfeilköcher: H 42.50 cm, B 24.00 cm
Material: Bogenköcher: Leder; Leinen; Silber; Silberblech; Vergoldetes Silberblech; Pfeilköcher: Leder; Holz; Leinen; Silber; Silberblech; Vergoldetes Silberblech

 

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