Reflexbogen (Meistersignatur Yusuf Mehmet)
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Stark gekrümmter, zusammengesetzter Reflexbogen ohne Sehne. Auf dem Rücken des Holzbogens eine aufgeleimte Schicht aus feinen Sehnenfasern mit Schutzüberzug aus feiner Tierhaut. Der Bogenbauch ist mit geglättetem Horn belegt. Die Armkanten beiderseits mit schmalen Lederstreifen beklebt. Aufgesetzte Sehnenstege aus grüngefärbtem Bein. Die Sehneneinschnitte sind mit Leder ausgelegt, das mit Rotlack überzogen ist. Die Ohren vor den Einschnitten ca. 1.00 cm breit mit feiner Sehne umwickelt und verleimt. Mehrschichtige Fassung mit abschließendem dicken, stark verbräuntem Überzug, der die ursprüngliche Farbigkeit beeinträchtigt. Griff und Armenden des Bogenbauches sind über einer mehrfach grundierten (Bleiweiß nachgewiesen), hellockerfarbenen bzw. rotbraunen Schicht mit einem leuchtenden roten Farblack bemalt; darauf feiner Streublättchendekor in Gold; darin ausgespart auf beiden Armen je ein kleines Passmedaillon mit dem Namen des Bogenmachers "Werk von Yusuf Mehmet" bzw. Datierung "Sene (1)092" (21. Januar 1681-9. Januar 1682). Auf dem Bogenrücken in gleicher Technik und Farbgebung Streublättchen mit stilisierten, auf feiner Mittellinie aufgereihten zierlichen Einzelblüten (hatayi) in Gold. Auf dem hornbelegten, mit Lüsterfassung versehenen Bogenbauch ist über einem heute gelbbraun verfärbten Anlegemittel Blattsilber aufgebracht, darüber liegt Smalte. Beiderseits des Griffes je vier längliche, von schmalen Stegen mit Blattranken getrennte Felder, darin Streublättchen und Inschriften in Pulvergold. Die Inschrift lautet nach Lesart und Übersetzung von Zygmunt Abrahamowicz: "Die Kenntnis des Pfeiles und Bogens, [uns] vom Propheten befohlen" ist in einem Vers des Korans als die Kraft bezeichnet. "Ruhm des heiligen Sa'd [Sohn] des Waqqas" (Erster Bogenschütze unter den von Muhammad zum Islam bekehrten Mekkanern; später heiliger Patron der islamischen Bogenschützen-Verein), "Bring Ehr' allen Genossen der [Bogenschieß-]Kunst. Obwohl Pfeil und Bogen gut sind im Kampf, So ist doch, was einem Mann unerläßlich, die Kühnheit. Dem Pfeil der Wimper aus dem Bogen der Augenbraue Zu widerstehen, ist hohes Streben." Die Lederstreifen an den Armkanten sind mit Rotlack überzogen und in Gold gestrichelt. Auf den Ohren beiderseits Reste von je zwei schwarz konturierten Goldrosetten mit roten und grünen Tupfen.



Erhaltungszustand:
Die Bemalung, insbesonders am Griff, auf dem Rücken und den Graten stellenweise abgerieben und geringfügig abgeblättert.

Alte Inventare:
Aus der ehemaligen Rüstkammer der Markgrafen von Baden-Durlach. - "Großherzogliche Gewehr Kammer" Karlsruhe 1835 (GLA 56/4118), S. 1', Nrn. 19-21: "Drei hölzerne alte türkische Bogen mit Horn belegt mit goldnen Zierrathen und lakirt, ohne Sehnen, sehr selten." - Davon zwei Exemplare zweifellos identisch mit den im "Basel Inventarium" von 1773 (GLA 47/693), fol. 129, aufgeführten und 1799 nach Karlsruhe zurückgebrachten "2 Türkische gemahlte Bögen". - Schon das "Inventarium Uber Die Fürstliche Rüst Cammer zu Carlsburg" von 1680 (GLA 47/696) verzeichnet "Fünf stükh Türkhische Bögen, ohne Sennen" sowie in einem Nachtrag von 1688 "1 turckischer Bogen, von allerhand Farben".

Literatur:
Karlsruhe 1991, Nr. 163
Karlsruhe 1955, Nr. 458
Yücel 1982, S. 127

Auf den Bogen sind in Goldfarbe Streublättchen, winzige Blüten sowie eine poetische Inschrift aufgemalt.

Daten & Fakten:
Badisches Landesmuseum, Karlsruhe (Zähringer Stiftung)
Inv.: G 19 c
Stilrichtung: Osmanisch
Datierung: 1681-1682
Maße: L (über jetziger Krümmung) 119.00 cm, B 3.50 cm; Spannweite (von Kerbe zu Kerbe) 38.50 cm
Material: Holz; Lack; Horn; Leder; Sehne; Tierhaut; Knochen