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| Radschlossgewehr mit osmanischem Lauf |
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Im unteren Drittel achteckiger, sonst runder und glatter osmanischer Lauf mit einer Schmiedemarke (die Ränder nachgestochen), bestehend aus dem Schriftzug "Werk von Osman" und darüber ein in eine Zwiebelform eingeschriebenes Knotenornament; unter der Marke drei gestochene Punkte (Tschintamanimotiv?), darüber einer. An Laufende und -mitte sowie an der Mündung ein breiter, geschnittener und gravierter Dekorstreifen aus hinter- und übereinander geschichteten Akanthusblättern. Ein schmaler, tauschierter Messingstreifen befindet sich zwischen Schmiedemarke und Dekor am Laufende. An der Mündung ein eingesetztes Messingkorn. - Radschloss mit glatter, gebläuter Platte, darauf eingeschlagen eine Meistermarke (geschweifter Wappenschild mit Vogel). Gewölbter, mit Hirsch, Pferd und einem weiteren Tier zwischen Blattwerk (Relief) dekorierter Raddeckel aus vergoldetem Messing. Hahn über profiliertem Fuß breitflächig, graviert mit Blattranken und Maskarons; Hahnoberlippe beweglich. Abzug mit Stecher aus Eisen, ebenso der Abzugbügel mit drei Fingerrasten. - Vollschaft, ganz mit gravierten und geschwärzten Beineinlagen bedeckt. Auf der oberen Kolbenschräge (Schlossseite): Nackter Mann mit Viola da Gamba (Orpheus) spielt inmitten von wilden Tieren. Zwei Reiterschlachten auf der Wangenseite des Kolbens und am Laufanfang. Die Kolbenunterseite ziert eine üppige, spiralförmige Blattranke mit einigen Vögeln. Auf der Kolbenplatte: Ein am Boden liegender nackter Mann wird von einem Gepanzerten mit dem Schwert erschlagen. Die Laufschäftung zieren je ein Reiter, Hunde, Hasen und Vögel; auf deren Unterseite (verdeckte Ladestockführung) ein Fries mit verschiedenen Vögeln und Affen in Rollwerkkartuschen. Die einzelnen Bildfelder der Schäftung werden von Rollwerkstreifen bzw. Flechtbändern gerahmt. Die Mündung der Ladestockführung aus Bern, graviert mit einer Palmette und ebenso aus dem 18. Jh. stammend wie der Schiebedeckel der Kolbenlade mit Rokokodekor. Hölzerner Ladestock (Kopf fehlend), am Ende ein aufgesetztes Eisenrohr mit Innengewinde (L 13.00 cm). Wie aus dem alten Inventarauszug hervorgeht, existiert zu der beschriebenen Waffe G 311 ein Gegenstück mit der Inv. Nr. G 310. Auch dieses verfügt über eine sehr ähnliche, z.T. übereinstimmende, wohl Augsburger Schaffung, ist jedoch mit einem kombinierten Lunten-Radschloss mit gleicher Schlossplatte und derselben Meisterpunze ausgestattet. Der gezogene Lauf von G 310 hat die gleiche Länge wie der von G 311 und ist mit einem übereinstimmenden, z.T. jedoch stark abgegriffenen Akanthusdekor (besonders Laufmitte) verziert. Die besagte Meisterpunze ist bei G 310 auch auf dem Lauf eingeschlagen - neben der Augsburger Beschau. Beide Schiebedeckel der Kolbenladen sind Mitte des 18. Jhs. erneuert worden. Es handelt sich also wohl ursprünglich um ein Gewehrpaar Augsburger Provenienz vom Ende des 16. Jhs. Aus welchem Grunde auch immer wurde der ursprüngliche Lauf von G 311 gegen einen osmanischen Lauf wohl um 1700 ausgewechselt. Um den Charakter eines Paares wieder herzustellen, ist der osmanische Lauf stark überarbeitet worden: Nicht nur der dreifache Akanthusdekor wurde dem von G 310 entsprechend geschnitten, sondern die gesamte Laufoberfläche muss nachgearbeitet worden sein. Der Duktus dieser Überarbeitungen spricht eher für eine Fertigstellung am Ende des 17. Jhs., so dass eine Entstehung des osmanischen Laufes bereits um 1600 wohl ausgeschlossen werden kann.
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Erhaltungszustand: Spannhebel der Hahnoberlippe abgebrochen und fehlend. An der Laufunterseite eine Abdeckung der Ladestockführung verloren.
Alte Inventare: "Großherzogliche Gewehr Kammer" Karlsruhe 1835 (GLA 56/4118), S. 27', Nr. 30: "Eine do. [altdeutsche Büchse] deren Lauf gleich der vorigen [G 310] garnirt, nur nicht gezogen, ohne Visir und mit andern Laufzeichen versehen ist. Ohne Luntenschloss im übrigen aber der vorigen sehr ähnlich."
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Literatur:
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Die Kolbenunterseite ziert eine üppige Blattranke mit Vögeln, während auf der Wangenseite zwei Reiterschlachten graviert sind.
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Radschlossgewehr Badisches Landesmuseum, Karlsruhe (Zähringer Stiftung) Inv.: G 311 Stilrichtung: Lauf: Osmanisch; Schloss und Schäftung: Süddeutsch Datierung: Lauf: 2. Hälfte 17. Jh.; Schloss: um 1600; Schäftung: um 1600 Maße: L 134.00 cm; Lauf: L 104.10 cm; Kaliber: Dm 15.00 mm Material: Stahl; Messing; Vergoldetes Messing; Eisen; Knochen; Holz
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