Der Bogen war eine der traditionellsten und gefürchtetsten Angriffswaffen der Osmanen. Meisterhafte Bogenschützen gaben Salven von 20-30 Pfeilen pro Minute ab. Sie konnten auch, die Flucht vortäuschend, im Reiten nach rückwärts gewandt auf die nachstürmenden Gegner schießen.
Außer im Krieg wurde das Bogenschießen auf eigenen Schießplätzen als Sport betrieben. Als gleichsam meditative Übung geistiger Disziplin war es hoch angesehen. Sogar als religiöse Handlung wurde es verstanden, denn nach muslimischem Glauben hatte bereits Adam Pfeil und Bogen von Gott erhalten.
Der türkische Bogen war ein sog. Reflexbogen, der sich in entspanntem Zustand, ohne Sehne, reflexiv in ovaler Krümmung zurückbog. Gespannt besaß er daher die immense Schussweite von ca. 800 m. Seine einzelnen Teile wurden in langwieriger und mühevoller Arbeit gefertigt und bestanden aus Ahornholz, das stellenweise mit Sehnen, Leder oder Birkenrinde überzogen oder mit Hornstreifen belegt war.
Die Prunkbögen waren außerdem bemalt und von den Bogenmeistern signiert und datiert. Solche wertvollen Waffen bewahrte man in prächtigen, mit Silberbeschlägen oder Drahtstickerei verzierten Köchergarnituren auf. Selbst in Zeiten, in denen die Schusswaffen die Kampfesweise mit Pfeil und Bogen allmählich verdrängten, war das Bogenschießen noch von großer Bedeutung.
Osmanische Miniaturmalerei, um 1580. Topkapı Sarayı Müzesi, Istanbul