Die Kalligrafie, die Kunst des schönen Schreibens, ist die typischste Kunstform der islamischen Welt. Ihre Entstehung war eng mit dem Koran verbunden, der nur in arabischer Sprache verbreitet werden durfte. Die inhaltlich-gedankliche Vollkommenheit des Heiligen Buches fand ihren Ausdruck in der visuellen Ästhetik des kunstvollen Schreibstils. Daher genoss die Schönschreibkunst als Instrument des Glaubens von allen Künsten den höchsten Stellenwert.
Beim kalligrafischen Schreiben mussten feste Regeln in Bezug auf Größe und Anordnung der Zeichen eingehalten werden. So erhielt die Schrift einen besonderen Rhythmus und eine ausgesprochen ästhetische Linienführung. Bei zahlreichen Handschriften wurden die Schriftfelder durch Ornamentleisten gerahmt. Da diese Malereien oft in leuchtender Goldfarbe ausgeführt waren, bezeichnet man sie als Illuminationen.
Es entwickelten sich mehrere Schriftstile, die unterschiedlich Verwendung fanden, die einen für religiöse, andere für profane Literatur. Zu letzterer gehörten die zahlreichen Schriftstücke der offiziellen Verwaltung wie Briefe, Urkunden und Erlasse. Diese wurden in textilen Briefhüllen verschickt. Abhängig vom Rang des Empfängers wählte man als "Briefumschlag“ teuren Seidenbrokat oder einfache Baumwolle.
Eine Sonderform der Kalligrafie war die Tuğra, der kunstvoll kalligrafisch gestaltete Namenszug des regierenden Sultans. Sie wurde als offizielle Signatur verwendet und war daher ein wichtiges Symbol der Staatsmacht.