Ab dem frühen 17. Jh. zeichnete sich im Osmanischen Reich ein Machtverlust der Zentralgewalt ab. In der "Zeit der Weiberherrschaft" rivalisierten die Großwesire, das Janitscharenkorps und der Harem, angeführt von der Sultansmutter, um die Macht im Staate. Die Sultane wurden zu Schattenherrschern. Auch Mehmet IV. (1648-1687), dessen Lieblingsbeschäftigung die Jagd war - daher sein Beiname Avcı (Jäger) - und seine Brüder Süleyman II. (1687-1691) und Ahmet II. (1691-1695) besaßen wenig Interesse an den Regierungsgeschäften. Sie führten im prachtvollen, mit erlesenen Kunstwerken und Schätzen ausgestatteten Topkapı-Palast einen kultivierten und verschwenderischen Lebensstil. Währenddessen nahm der innere Zerfall von Reich und Staat, die tiefgreifende Krise von Wirtschaft, Finanzen, Verwaltung und Militär, dramatische Ausmaße an.
Zwischenzeitlich bewirkten die Großwesire Köprülü Mehmet Pascha (1656-1661) und seine Söhne Köprülü Ahmet (1661-1676) und Köprülü Mustafa (1689-1691) eine Konsolidierung durch innenpolitische Reformen. Diese wurde durch den Tod Mustafa Köprülüs bei Slankamen und das Desaster des Türkenkriegs von 1683-1699 zunichte gemacht. Somit war nicht nur die Großmachtstellung verloren, sondern der allmähliche, aber endgültige Niedergang des Imperiums besiegelt. Die sog. "Tulpenzeit" unter der Regierung Ahmets III. (1703-1730) war nur noch eine Epoche der kulturellen Glanzleistungen.
Osmanische Miniaturmalerei aus dem "Levnisurname". Topkapı Sarayı Müzesi, Istnabul