Die unmittelbarsten Spuren haben die Osmanen in den Regionen ihrer politischen Vormachtstellung, in Süd- und Osteuropa, hinterlassen. Hier verbreitete sich der islamische Glaube, und in der Kunst verbanden sich westliche und östliche Dekorformen.
Nachdem die Türkengefahr gebannt war, wich die Angst der Faszination. Frühe Reise- und Diplomatenberichte und die Ankunft türkischer Gesandtschaften in Paris und Berlin weckten ein neues Interesse am fremden und prachtvollen Orient. Kostbare Handelswaren wie Gewürze und Textilien wurden begeistert aufgenommen. Den überall im Osmanischen Reich verbreiteten Kaffee lernten die Europäer u.a. durch die Türkenkriege kennen. Auch die Tulpe gelangte aus Konstantinopel nach Europa. Vor allem in Holland erzielte die neue Modeblume im 17. Jh. immense Preise; von der Tulpomanie zeugen die sog. Tulpenbücher mit Beschreibungen der einzelnen Tulpensorten.
Die im 16. Jh. in der höfischen Kultur einsetzende Türkenmode erreichte im 18. Jh. ihren Höhepunkt. Nicht nur, dass die Fürsten in ihren Kunstkammern Turcica sammelten, die Türken wurden zum Thema in Kleinkunst, Malerei, Literatur und Musik. Der Adel feierte Feste, bei denen man sich "alla turca“ kostümierte und Turnierspiele wie "Türkenkopfstechen“ veranstaltete. Auch Porträts in türkischer Kleidung oder türkische Gärten mit Moscheenachbauten sind Zeugnisse der Turquerie.