Das Zelt, die althergebrachte Wohnstatt der Nomaden, war bei den Osmanen noch lange nach der Sesshaftwerdung in Gebrauch. Auf Feldzügen diente es den Streifkräften als mobile Unterkunft. Die Einheit der Zeltmacher, die für Herstellung, Reparatur, Transport und Aufrichtung zuständig waren, zählte im 17. Jh. etwa 2000 Mann.
Unverzichtbar war das Zelt auch im höfischen Leben, so bei Gartenfesten und Gesellschaften im Freien. Darüber hinaus war es ein Instrument der Herrscherrepräsentation. Verließ der Sultan den Palast, wurde eine prachtvolle Zeltstadt für seinen Aufenthalt errichtet. Hier wohnte er Festlichkeiten bei, empfing Würdenträger und fremde Gesandte. Daher gab es Wohn- und Empfangszelte für den Herrscher, Quartiere für seine Beamten und Bediensteten, Versammlungszelte (etwa für den Staatsrat), Betzelte sowie Küchen-, Bade- und Toilettenzelte. Umgeben war der gesamte Komplex von einer „Mauer“ aus Zeltleinwand. Die Sultanszelte mit ihren Marquisen und Baldachinen, ihren kostbaren Seiden-, Samt- und Brokatstoffen schufen eine beeindruckende Kulisse, die Pracht und Herrlichkeit des Machthabers symbolisierte.
Die aufgenähten oder gestickten Verzierungen der Zeltwände imitierten Architektur, häufig Säulen in Kombination mit überwölbten Nischen, oder zeigten Medaillons mit Blumen und Blattranken.
Osmanische Miniaturmalerei. Topkapı Sarayı Müzesi, Istanbul (Inv. 1609/26b-27a)