Das Osmanenreich des 16./17. Jh. war ein Vielvölkerstaat, der sich über zahlreiche Länder erstreckte. In diesem lebten 30-35 Mio Menschen unterschiedlicher Sprache und Kultur. Die Mehrheit der Bevölkerung hing dem muslimischen Glauben an, andere Religionsgemeinschaften - Christen und Juden - wurden jedoch toleriert.
Die osmanische Gesellschaft unterschied zwei Klassen: die von Steuern befreiten Personen sowie die steuer- und abgabepflichtigen Untertanen. Zur Ersten zählten die Angehörigen der staatlichen und religiösen Verwaltung (Regierungsmitglieder, Beamtenschaft, Theologen) und auch die Militärs. Sie bildeten eine Art Amts- oder Leistungsadel. Für den sozialen Auf- oder Abstieg waren weder Herkunft noch Vermögen, sondern das Verdienst für Staat und Sultan maßgeblich. Zur zweiten Klasse gehörten die bäuerliche Landbevölkerung (ca. 85 %) sowie die Stadtbewohner. In den Städten, so in Istanbul, Bursa oder Konya, waren Handel und Handwerk angesiedelt.
Zentrum des Geschäftslebens waren die Basare mit ihren Läden und Werkstätten, Banken und Handelsbörsen. Die Städter wohnten in mehrgeschossigen Holzhäusern mit Gittererkern. Von dort aus konnten die in häuslicher Abgeschlossenheit lebenden Frauen das Geschehen auf den Straßen beobachten. Die weiblichen Familienangehörigen waren dem Hausherrn untergeordnet. Diesem gestattete der Koran zwar die Heirat mit bis zu vier Frauen, doch war die Einehe die Regel.
Stich aus dem Recueil Ferriol, Nr. 51. Bibliothèque Arsenal, Paris, Abbildung in: Recueil de Cent Estampes representant differentes Nations du Levant..., Paris 1714, Faksimile Istanbul 1979, Taf. 58